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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Schwalbe, G.: Der Schneesturm vom 18. bis 20, April 1903 in Ostdeutschland. 69 
In Potsdam fielen nur 2 cm, in Berlin 13 cm, in Biesenthal, einem Vorort 
nordöstlich von Berlin, etwa 40 cm Schnee. Zwischen den Isobaren zwischen 
552! und 550 mm dagegen ist es fast ganz trocken; es ist dies das Gebiet, 
in welchem die Isobaren in der Höhe am weitesten auseinandertreten. Es zeigt 
sich also auch hier wiederum auf das deutlichste, daß die Verteilung der Nieder- 
schläge in weit höherem Grade von der Luftdruckverteilung in einiger Höhe, 
als von derjenigen im Meeresniveau abhängig ist. Bei alleiniger Betrachtung 
der letzteren hätte sich kein Grund für die plötzliche schnelle Zunahme der 
Niederschläge etwa in der Gegend von Brandenburg angeben lassen. 
7. Allgemeine Schlußfolgerungen. 
i. Die starken Schneefälle am 19. und 20. April 1903 über einem großen 
Teile von Ostdeutschland sind als die Folge des Fortschreitens eines über 
Oberitalien gelegenen Minimums, etwa auf der Zugstraße VB, nach Norden und 
für die nördlicheren Teile des betroffenen Gebietes gleichzeitig der Vereinigung 
dieses Minimums mit einem zweiten, welches am Abend des 17. über der Ostsee 
lag, anzusehen. 
2. Der Sturm, welcher die Schneefälle begleitete, ist in erster Reihe aus 
der bedeutenden Vertiefung des Luftdruckes, welche bei der Vereinigung der 
beiden Minima eintrat, während der Luftdruck im Westen unverändert hoch 
blieb, zu erklären. 
3. Die Tatsache, daß der hohe Luftdruck bei Annäherung des Minimums 
seinen Ort nicht veränderte, sondern sich längere Zeit hindurch unverändert 
hielt, erklärt sich zum Teil aus dem Herannahen einer neuen Depression im 
Westen. Unerklärt bleibt hierbei die Tatsache, daß das Maximum sich zunächst 
nicht verflachte., . 
4. Der ziemlich plötzliche Übergang von trockenem Wetter im Westen 
zu sehr niederschlagsreichem im Osten der Elbe kann nur durch den Verlauf 
der Isobaren in einem höheren Niveau seine Erklärung finden. 
Zum Schluß mag noch darauf hingewiesen werden, daß die vorstehenden 
Darlegungen das Phänomen in seiner Gesamtheit naturgemäß nicht erklären. 
Wie schon erwähnt, bleibt die Tatsache, daß das Maximum, trotzdem sich ihm 
sowohl von Westen als von Osten her Tiefdruckgebiete näherten, sich lange 
Zeit auf nicht unbedeutender Höhe erhielt, unerklärt. Aber auch noch andere 
Schwierigkeiten bleiben bestehen. So ist das von Süden kommende Minimum 
durchaus nicht genau auf der bekannten Zugstraße VB gezogen, sondern etwas 
westlich von dieser Bahn. Die Ursache für dieses abweichende Verhalten läßt 
sich vorerst noch nicht angeben. Wenn sonach das Problem nach der Herkunft 
des merkwürdigen Phänomens nach wie vor als ein ungelöstes zu betrachten 
ist, so konnte in den vorstehenden Darlegungen und Karten auf Grund des 
vorhandenen Materials doch eine ausführliche Beschreibung der Vorgänge 
gegeben werden, welche immerhin einige Anhaltspunkte bei der Untersuchung 
späterer analoger Fälle bieten dürfte. 
Die Witterung zu Tsingtau im Juni, Juli und August 1903, nebst 
einer Zusammenstellung für den Sommer 1903. 
Bericht der Kaiserlichen Meteorologisch-astronomischen Station in Tsingtau. 
Die anliegende Tabelle enthält die meteorologischen Beobachtungen aus 
Tsingtau sowohl für die Monatsdrittel als auch für die ganzen Monate Juni, 
Juli und August 1903. Den Schluß bildet eine Zusammenstellung für den 
Sommer 1903. (Die Beobachtungen der „Allgemeinen Luftbewegung“ unter 
Zugrundelegung der Windbeobachtungen an den drei Terminen jedes Tages — 
vgl. „Annalen der Hydrographie“, 1900, S. 63 — sind auf der „Deutschen 
Seewarte“ eingefügt worden.) 
Die Witterung im Monat Juni d. J. war von der in den Vorjahren 
beobachteten ziemlich verschieden. In Bezug auf die Temperaturen ist der 
diesjährige Juni dem des Jahres 1901 am ähnlichsten.
	        
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