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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

58 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1904. 
Teil sich als ein selbständiges Teilminimum über dem Osten Jütlands und 
Schleswig-Holsteins, sowie den dänischen. Inseln befindet. Dieses Teilminimum 
ist bereits am 18, abends verschwunden, während der östliche Teil der oben- 
erwähnten Depression sich mit dem südlichen Minimum vereinigt hat und so 
wesentlich zu dessen Vertiefung und zur Ausbildung sehr steiler Luftdruck- 
yradienten beigetragen haben dürfte. 
So findet sich denn am Morgen des 19. im nordöstlichsten Teile von 
Deutschland ein tiefes Minimum unter 740 mm, während das Maximum im Westen 
gegen den Vortag ziemlich unverändert geblieben ist. Am 18. abends, wahr- 
scheinlich zur Zeit der Vereinigung der beiden Minima, begannen nun die Schnee- 
fälle auch im östlichen Brandenburg, sowie in Pommern, welche sich im Laufe 
des 19. und 20. noch etwas weiter bis zu den angegebenen Grenzen ausdehnten,. 
Bei der bedeutenden Vertiefung des Luftdruckes im Osten, während das Hoch- 
druckgebiet im Westen unverändert blieb, mußte die Windstärke erheblich an- 
wachsen. Es entstanden daher auf dem bezeichneten Gebiete jene heftigen 
Stürme, welche so große Verheerungen angerichtet haben. Man könnte die 
Frage aufwerfen, weshalb bei dieser Wetterlage die Gradienten so steil wurden, 
warum nicht vielmehr bei dem Fortschreiten der Depression nach Norden 
das Hochdruckgebiet wieder zurückgedrängt wurde. Die Antwort hierauf 
gibt die Wetterkarte vom 20. April, welche eine neue Depression im Westen 
erkennen läßt. Letztere dürfte auch schon in den Vortagen die Ursache ge- 
wesen sein, daß das Hochdruckgebiet trotz des Herannahens des östlichen 
Minimums seinen Ort nicht veränderte. Ungelöst bleibt hierbei noch immer die 
Frage, weshalb unter diesen Verhältnissen das Maximum sich solange auf der 
Höhe von über 770 mm erhalten konnte und erst am 20. eine bedeutende Ver- 
flachung eintrat. Man hätte vermuten können, daß eine schnelle Vereinigung 
beider Tiefdruckgebiete‘ unter Verflachung des Maximums eintreten würde, wo- 
lurch die Ausbildung steiler Luftdruckgradienten zur Unmöglichkeit geworden 
wäre. Betrachten wir nunmehr die Verteilung der Temperatur im Meeres- 
niveau am 19. April (Tafel 4), so läßt die Gleichmäßigkeit derselben ohne 
weiteres vermuten, daß die Luftdruckverteilung in einem oberen Niveau nicht 
wesentlich von derjenigen im Meeresniveau abweichen kann. Bekanntlich hat 
Köppen‘) im Jahre 18588 darauf hingewiesen, daß diese Luftdruckverteilung 
“ür die Witterung oft in höherem Maße bestimmend ist als diejenige in den 
anteren Schichten, und eine Methode zur Berechnung der Isobaren in 2500 und 
5000 m Höhe angegeben. Wegen der Einzelheiten muß auf das Original ver- 
wiesen werden. Die Tafel 4 gibt die Luftdruckverteilung in 2500 m Höhe 
wieder und veranschaulicht die Luftdruckverteilung über Mitteleuropa im Meeres- 
niveau auf Grund eines eingehenden Beobachtungsmaterials, 
Um einen Anhalt für die mittlere Temperatur der Luftsäule zu gewinnen, 
wurden die Beobachtungen der Stationsgruppen Wasserleben—Brocken und 
Eichberg—Schneekoppe verwertet. Das Gebiet niedrigerer Temperatur im Süd- 
osten ließ von vornherein einige Abweichungen von der Luftdruckverteilung im 
Meeresniveau erwarten. Der Vergleich zwischen der Karte für die Luftdruck- 
verteilung in 2500 m Höhe und der entsprechenden für das Meeresnivean ergibt 
denn auch für 2500 m Höhe ein relativ starkes Zusammendrängen der Isobaren 
eiwa von der westlichen Grenze der Schneebedeckung an bis in die Odergegend. 
Es ist ausdrücklich gesagt, ein relativ starkes Zusammendrängen, denn absolut 
yenommen, ist der Luftdruckunterschied zwischen Brandenburg und Frankfurt a, 0. 
im Meeresniveau, wie in 2500 m etwa 6 bis 7 mm, dagegen ist der Unterschied 
zwischen Nienburg a. Weser und Gardelegen in 2500 m Höhe etwa 2'/s mm, 
dagegen im Meeresniveau über 4 mm. Hier treten also die lsobaren in der 
Höhe im Vergleiche zu denjenigen im Meeresniveau weiter auseinander, so daß 
man sagen kann, bei Betrachtung der ganzen Karte erscheinen sie weiter öst- 
lich relativ dicht gedrängt. Dies dürfte die Tatsache erklären, daß gerade in 
dieser Gegend der Übergang von sehr geringen Niederschlagshöhen zu ganz 
außerordentlich großen Schneemassen schnell erfolgte. 
ı) Siehe W. Köppen: „Über die Gestalt der Isobaren in ihrer Abhängigkeit von Seehöhe 
and Temperaturverteilung“. Meteorol. Ztschr. 5 (1888), S. 470 bis 481.
	        
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