Schwalbe G.: Der Schneesturm vom 18, bis 20. April 1903 in Ostdeutschland. 65
schlagsverteilung auf Tafel 4 ist durch eine gestrichelte Linie die Begrenzung
des schneebedeckten Gebietes nach Westen und Osten eingezeichnet.
Die folgende Übersicht enthält die Angaben der Höhe der Schneedecke
vom 20. April 7 Uhr morgens. in Zentimetern, Man wird das Gesagte be-
stätigt finden,
Station
Lauenburg i. P. ..
Neu-Hammerstein. ,
Köslin 000.004
Neustettin ......
Deutsch-Krone ...
Tremessen . .....
Posen ...0.0.. 40
Ostrowo . +. 0...
Rosenberg, Oberschl.
Beuthen, Öberschl. ,
Ratibor, .......
Oppeln... 0...
Brand .......«
Habelschwerdt. ...
ReinerZ ..... 0.
Glatz. ...... 0.
Weigelsdorf . ....
Görbersdorf ,....
Kirche Wang....
£ichberg. ......«
Warmbrunn. ....
Schreiberhau ....
Frankfurt a. O....
Landsberg a. W...
Pammin ........
Stettin ......0.
Putbus 0. ...0.0.4
Schneehöhe
4
€
$.
5
Station
Greifswald. .....
Neustrelitz. .....
Prenzlau. ......
Waren ».... 0.4
Biesenthal b. Berlin
Blankenburg
b. Berlin
Berlin 2...0....
Klein-Beeren ....
Dahme. , ......
Potsdam .,.....
Spandau ......-.
XyritZ . 0.0.0004
MarnitZ .......
dÜstrow ... 0...
Schwerin ......
Schivelbein .....
Samter (Posen)...
Schwarmitz,
Kreis Grünberg
Grünberg ......
Fraustadt ......
Bunzlau .......
Görlitz. .......0
Liegnitz .......
Breslau .......
Sechneehöhe
22
40
+0
1
94
AQ
E9
=
20
DU
4. Windrichtung und Windstärke.
Wie aus der Wetterlage erklärlich ist, war der Wind auf dem ganzen
Gebiete nördlich bis nordwestlich, nur im äußersten Osten (West- und Ost-
preußen) mehr östlich. Auch waren hier die Windstärken verhältnismäßig
gering (6 bis 7 der Beaufort-Skala), während westlich von Stolpmünde die
Ostseeküste von schwerem Sturme betroffen wurde. In Swinemünde wurde
Stärke 11 der Beaufort-Skala beobachtet. Auch noch weiter westlich an der
mecklenburgischen Küste erreichte die Windstärke den Grad 10 mit Hochwasser
und zerstörenden Wirkungen, wovon bereits eingangs die Rede war. Erst bei
Travemünde wurde die Windstärke etwas geringer und war an der Nordsee
wieder entschieden schwächer als an der mittleren Ostsee. Allerdings wurde
auch hier Windstärke 8 erreicht oder gar überschritten, doch mehr vorüber-
gehend, so daß schwere Unfälle nicht gemeldet wurden. Auch fehlten hier die
heftigen Schneefälle gänzlich,
Wie schwer der Sturm stellenweise auch im Binnenlande (wenigstens
östlich der Elbe) war, geht daraus hervor, daß am aeronautischen Observatorium
bei Berlin am 19. April -auch in den unteren Luftschichten bei einigen Böen
Windgeschwindigkeiten bis zu 31 m in der Sekunde festgestellt. wurden. Um
einen Begriff von dem Eintritt und dem Verlauf des Sturmes zu geben, mögen
hier auf Grund der Aufzeichnungen der Registrierapparate die stündlichen Werte
der; Windgeschwindigkeit und Windrichtung für die Orte Swinemünde und
Potsdam folgen, wobei allerdings zu beachten ist, daß nur der allgemeine Gang,
nicht aber die absoluten Werte der Windgeschwindigkeit wegen der ver-
schiedenen Aufstellung der Anemometer über dem Erdboden vergleichbar sind.
Die Höhe der letzteren (h,) beträgt nämlich in Potsdam 41, in Swinemünde
nur 24 m über dem Erdboden.
Ann. d. Hydr. oto., 1904, Hoft 11