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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1904.
2. Die Verteilung der Niederschläge.
(Siehe Tafel 4.)
Die in den Tagen vom 18. bis 20. April gefallenen Niederschlagsmengen
beschränken sich, wie dies aus der Wetterlage erklärlich ist, auf das östliche
Deutschland. Im Westen sind sie entsprechend der Lage des Hochdruckgebietes
in Westeuropa geringfügig, obwohl, besonders in gebirgigen Gegenden zuweilen
leichte Schneefälle sich geltend ınachen. Aber erst östlich der Linie Schwerin,
Dömitz, Magdeburg, Dessau, Torgau werden die Niederschläge stärker. In
Berlin wurden bereits 16 mm Niederschlag gemessen, und von hier ab ist die
Zunahme nach Osten hin, und zwar sowohl nach Nordosten als auch nach Süd-
osten hin eine sehr starke, bis man auf zwei Gebiete maximalen Niederschlages
trifft; das eine findet sich im nordöstlichen Brandenburg und mittleren Pommern
(Stettin 61, Schivelbein 65, Pammin 72 mm, Kolbergermünde 93 mw), das
andere in Oberschlesien (Oppeln 60, Beuthen 58, Rosenberg 92 mm). Die bei-
gegebene Karte läßt diese Gesetzmäßigkeiten gut erkennen.
Es liegt in der Natur der Sache, daß die gemessenen Mengen auch bei
sonst guten Beobachtern erheblich fehlerhaft sein können. Bei hoher Schnee-
decke und gleichzeitig heftigem Winde kann Schnee in das Auffanggefäß hinein-
gewirbelt und so die Messung bedeutend zu hoch werden. Dies scheint z. B.
in Rosenberg in Oberschlesien und Kolbergermünde der Fall gewesen zu sein.
Anderseits können aber auch zu kleine Mengen gemessen werden, da der
weiche, anklebende Schnee nach Berichten von Beobachtern die Auffangfläche
ganz verschließen kann, indem sich über derselben eine Schneebrücke bildet,
unterhalb welcher sich ein Hohlraum befindet. Der Apparat kann so die Schnee-
massen, welche vom Sturme darüber hinweggepeitscht werden, überhaupt nicht
aufnehmen. Lassen sich doch schon, wie Hellmann gezeigt hat, zu geringe
Schneemessungen allein dadurch erklären, daß bei sehr freier Aufstellung des
Regenmessers der Wind den Schnee über den Apparat hinwegjagt, so daß
letzterer fast gar nichts aufnimmt. Die Bildung der hier erwähnten Schnee-
brücke ist hierzu nicht einmal erforderlich. Aus diesen Gründen wurde auch
bei der Konstruktion der Regenkarte von einer Verwendung der Regenstationen
abgesehen. Das gewonnene Bild wäre nur unübersichtlicher und um nichts
genauer geworden, als das nur mit Hilfe der Stationen höherer Ordnung er-
haltene. Trotzdem lassen sich aus den mitgeteilten Zahlen die oben angeführten
Gesetzmäßigkeiten über die Verteilung der Niederschläge während jener Tage
ganz gut ableiten.
3. Schneedecke.
Es ist leicht erklärlich, daß bei der hohen Niederschlagsmenge und der
niedrigen Temperatur des in Frage kommenden Zeitraumes sich über weiten
Gebieten Ostdeutschlands eine hohe Schneedecke bilden mußte, welche am 20.
ihre größte Ausdehnung und meist auch ihre größte Intensität erreichte. An
einigen Orten Oberschlesiens (Beuthen, Rosenberg) betrug die Schneedecke '/s m
und mehr. Hier sowie in Teilen von Pommern und der Neumark blieb dieselbe
bis zu sechs Tagen liegen, während an den übrigen Orten ihre Dauer nur ein
bis zwei Tage betrug. Begrenzt war die Schneedecke sowohl nach Osten wie
nach Westen ziemlich scharf. Im Osten bilden die Orte Lauenburg i. P., Konitz,
Bromberg, Altstadt in Ostpreußen die Grenze, im Westen die Orte Schwerin
in Mecklenburg, Marnitz, Kyritz, Brandenburg, Torgau. Der Grund für das
Fehlen der Schneedecke in Westdeutschland ist in dem durch die Nähe des
westlichen Hochdruckgebietes bedingten Niederschlagsmangel zu suchen. Im
äußersten Osten dagegen fielen auch reichliche Niederschläge, doch herrschten
hier bereits mehr die Verhältnisse der Ostseite der Depression, d. h. südöstliche
Winde und etwas höhere Temperatur, so daß hier der Schnee mit Regen ge-
mischt war und sich nicht am Boden halten konnte. Die Unregelmäßigkeit,
welche die geographische Verteilung der Schneehöhen zeigt, ist vielfach durch
die Bildung von Schneewehen infolge des starken Sturmes zu erklären, welche
eine gleichmäßige Ablagerung des Schnees nicht zuließen. Wurden doch an
manchen Orten Wehen von 2m und mehr gemessen. Auf der Karte der Nieder-