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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1904. 
II. Als Ursache der anomal großen Luftdruckdifferenz Grönland—Nord- 
skandinavien, welche eine Ausbreitung des Eises herbeiführt, kann einerseits 
die Vertiefung des bei Nordskandinavien befindlichen Minimums, anderseits 
die Verstärkung des grönländischen Hochdruckgebietes angesehen werden. 
II. Von Einfluß auf die Lage der Eisgrenze im Ostgrönländischen Meer 
ist auch die Größe des Gradienten zwischen Grönland und Nordskandinavien in 
den Wintermonaten; jedoch ist sie dies erst in zweiter Linie. 
IV. In den ungemein eisreichen Jahren zeigt sich eine Herabsetzung der 
Oberflächentemperatur des Ostgrönländischen Meeres und der Lufttemperatur 
auf Island und im nördlichen Europa (März— Mai), während in den eisarmen 
Jahren die Temperatur stets höher ist wie in normalen Jahren. 
Bei der Abfassung vorliegender Arbeit hat mich Herr Privatdozent 
Dr. Meinardus in freundschaftlichster Weise mit seinem Rat unterstützt; ich 
spreche ihm auch an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank aus. 
Der 
Schneesturm vom 18. bis 20. April 1903 in Ostdeutschland, 
Von Dr. 6. Schwalbe. 
(Hierzu Tafel 4.) 
Wenn ungewöhnliche Witterungserscheinungen über einem Gebiete statt- 
gefunden haben, so beschäftigt die Frage nach dem „Woher?“ meistens nicht 
nur den Fachmeteorologen, sondern auch weitere Kreise. Jedermann möchte 
gern näheres über die Ursachen jener Katastrophe erfahren, welche vielleicht 
ihn oder jemand aus seinem Bekanntenkreise mehr oder weniger betroffen hat, 
Es liegt in der Natur der Sache, daß die Antwort auf solche Fragen von 
meteorologischer Seite meistens erst auf Grund eines umfassenden Beobachtungs- 
materials gegeben werden kann, so daß die Untersuchung meist erst beendet 
ist, wenn das aktuelle Interesse an der Sache geschwunden ist und die Tatsachen 
bereits dem Gedächtnis vieler, welche nicht unmittelbar betroffen wurden, ent- 
fallen sind. Nichtsdestoweniger braucht eine solche Untersuchung nichts von 
ihrem wissenschaftlichen Werte einzubüßen. Im Gegenteil wird die eingehende 
Behandlung interessanter Witterungserscheinungen stets einen Fingerzeig für die 
Beurteilung späterer Fälle liefern. In diesem Sinne ist der Verfasser der Auf- 
forderung der Redaktion, eine eingehende Bearbeitung des Schneesturmes vom 
18, bis 20. April 1903 für diese Zeitschrift zu liefern, gern nachgekommen. 
Die folgende Darstellung des Phänomens beruht auf dem eingehenden 
Beobachtungsmaterial des Königlichen Preußischen Meteorologischen Instituts, 
sowie der Beobachtungsstationen der Deutschen Seewarte. Für die bereitwillige 
Überlassung dieses Materials sage ich der Direktion der Deutschen Seewarte 
auch an dieser Stelle Dank. 
1. Allgemeine Schilderung der Ereignisse. 
Der Schneesturm vom 18. bis 20. April 1903 gehört zu den hervor- 
ragendsten Witterungsanomalien der letzten Jahrzehnte, und zwar ist er aus 
zwei Gründen bemerkenswert, nämlich einmal wegen der großen Niederschlags- 
mengen in Form von Schnee, welche vielfach eine Schneedecke erzeugten, die 
nicht nur für die Jahreszeit, eine ungewöhnliche Höhe erreichte, sondern selbst 
im tiefsten Winter als abnorm angesehen werden müßte. Außerdem aber muß 
der am 19. herrschende außerordentlich heftige Sturm hervorgehoben werden, 
indem an diesem Tage ein starkes Zusammendrängen der Isobaren erfolgte, 
welches nach der Wetterlage der vorangehenden Tage nicht hatte vorausgesehen 
werden können. Obwohl die eingehende Schilderung der Ursachen erst am 
Schlusse dieses Aufsatzes erfolgen soll, so muß doch einiges in großen Zügen 
hier vorweggenommen werden, da sonst die Schilderung der Einzeltatsachen 
unverständlich bleiben würde. Bereits am 17. April zeigte sich eine wohl aus- 
gebildete Depression über dem Adriatischen Meere, welche sich auf der bekannten
	        
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