Brennecke, W.: Beziehungen zwischen der Luftdruckverteilung und den Eisverhältnissen etc, 61
. _ Der Einfluß der starken, nördlichen Luftströmungen in‘ den‘ ungemein
eisreichen Jahren macht sich für Bodö ‚durch negative Temperaturanomalie in
dem Zeitraume März bis Mai deutlich bemerkbar; die normale Temperatur von
1891 resultiert aus der Lage der norwegischen Zyklone, welche für Bodö zum
Teil schon südliche Winde bedingt... In Kopenhagen macht. sich im.Jahre 1882
die aus der Luftdruckkarte (März—Mai) ersichtliche, starke südwestliche Luft-
strömung bemerkbar; in den übrigen eisreichen Jahren ‚herrscht auch hier
negative Temperaturanomalie, jedoch etwas geringer wie in Bodö. In den eis-
armen Jahren haben wir sowohl für Bodö wie für Kopenhagen positive Tempe-
raturanomalie, und zwar erstreckt sich diese nicht allein auf den: Zeitraum
März bis Mai, sondern‘ auch auf die Monate Juli bis August. © ;
Bei der Diskussion der ungemein eisreichen Jahre ergab sich, daß in den
beiden Jahren 1881 und 1888 das Eis schon im Januar auf Island eintraf und
in den Frühlingsmonaten . bis . zur Südküste der Insel vordrang, "daß also die
polare Strömung ‚in diesen beiden Jahren besonders stark entwickelt war. Es
war dies eine Folge der winterlichen Luftdruckverteilung, da in diesen beiden
Jahren der Gradient zwischen Grönland und Nordskandinavien auch im Winter
anomal groß war, während in den beiden Jahren 1882 und 1891 wärend des
Winters ungünstige Luftdruckverhältnisse für den Polarstrom herrschten. Diese
starke Zufuhr polaren Wassers in den Jahren 1881 und 1888 ‚spiegelt sich
deutlich wieder in den Meerestemperaturen, welche zu Thorshavn auf den Färöer-
Inseln und in Ona an der norwegischen Küste beobachtet wurden:
Abweichungen der Oberflächentemperatur des Meeres zu Thorshavn
und Ona vom 20- bezw. 27jährigen Mittel.
Januar. ... 0...
Februar 111
März 1.000040
April ....00.4
Mai 2.0.0...
Juni .......4
Juli 0.00.0044
August .;...-.
September... ...:
Oktober... ...
November... ;....
Dezember. .... |
Thorshavn .
1881 ! 1888
Ona
1881 | 1888
— 1,2 +01 —1,38 —0,5
— 0,9 —1,0 —216 —1,2
— 0,8 —12 — 1,3 —1,5
— 1,0 —1,4 —1,7 —0,9
— 0,4 —1,4 — 1.4 —0,9
— 0,7 —0,6 '1 —0,9
— 03 —1,0 2,4 —1,7
— 0,6 — 1.1 0,0 —27.0
—0,1 —0,6 0,4 —71.2
+03 — 1,3 +01 —15
+ 0,9 —0,9 ı — 0,2 | — 09
+08 © +02 —+0,5 +03
. In beiden Jahren und sowohl auf den Färöern wie an der norwegischen
Küste ist die Temperatur der Meeresoberfläche erheblich niedriger wie in normalen
Jahren (im Durchschnitt um etwa 1°).. Die Temperaturanomalie erstreckt sich
über den ganzen Frühling und Sommer und zeigt ein Zurückdrängen des warmen
Golfstromwassers infolge Vordringens der polaren Strömungen an. In Ver-
bindung hiermit steht die enorm große Temperaturanomalie im nördlichen Europa,
welche. für Bodö über 3° für die Monate März bis Mai und ungefähr 2° für den
Gesamtzeitraum März bis August beträgt.!) Auch in Kopenhagen ist in allen
Monaten diese Kälteperiode deutlich ausgeprägt und beträgt in den beiden
Jahren 1881 und 1888 1 bis 2° für den Gesamtzeitraum März bis August. ;
. Faßt man die Resultate der vorliegenden Untersuchungen kurz zusammen,
so ergeben sich folgende Schlußfolgerungen: ;
i. Die Lage der Eisgrenze im Sommer zwischen Spitzbergen, Grönland
und Island ist abhängig von der Größe des Luftdruckgradienten zwischen
Grönland ‚und Nordskandinavien in den Monaten März bis Mai.
1‘) Siehe hierüber auch. die Arbeiten von Pettersson und Meinardus: „Meteorolog. Zeit-
schrift“, XIII, 1896, und „Zeitschr. d. Ges. f. Erdk.“. Berlin, XX XIII, 1898.