Brennecke, W.: Beziehungen zwischen der Luftdruck verteilung und den Eisverhältnissen etc, 59
Eine gleichsinnige Luftdruckabweichung für die eisreichen, und entgegengesetzt
für die eisarmen Jahre, finden wir nur bei Nordskandinavien; besonders gut
wird dieses ausgedrückt durch die Stationen Bodö und Alten.) In den eis-
reichen Jahren ist hier der Luftdruck bedeutend zu tief, in den eisarmen zu hoch.
Die Jahre 1881 und 1882 weisen in vieler. Beziehung in der Verteilung des
Luftdruckes im März bis Mai Ähnlichkeit mit den eisarmen Jahren 1884 und
1889 auf; in allen vier Jahren ist der Luftdruck über Grönland normal, indessen
das Minimum südwestlich von Island bedeutend vertieft ist; der wesentliche
Unterschied besteht nur darin, daß in den eisreichen Jahren sich eine tiefe
Luftdruckfurche bei Nordskandinavien befindet, so daß hier der Luftdruck um
mehr als 4 mm tiefer ist wie in normalen Jahren, während in den eisarmen
Jahren der Luftdruck höher ist. Im ersteren Fall findet eine Verstärkung, im
letzteren Fall eine Abschwächung des Gradienten statt. Anders ist die Luft-
druckverteilung in den Jahren 1888 und 1891: Das Luftdruckminimum süd-
westlich von Island fehlt ganz, die Luftdruckfurche bei Skandinavien ist nur
uam 1 bis 2 mm tiefer wie in normalen Jahren; dagegen ist das Hochdruck-
gebiet über Grönland bedeutend verstärkt und nach Osten verschoben, so daß
hierdurch die Verstärkung des Luftdruckgradienten zwischen Grönland und
Skandinavien erreicht wird, Es ergibt sich also, daß die größere Intensität
der nördlichen Luftströmungen einerseits durch eine Vertiefung der
Luftdruckfurche bei Nordskandinavien, anderseits durch eine Ver-
stärkung des grönländischen Hochdruckgebietes bewirkt werden
kann, während die Luftdruckverhältnisse südlich des 65. Breiten-
yrades nicht maßgebend sind.
Ich gehe nun zu einer. kurzen Besprechung der Temperaturverhältnisse
der Luft und des Meeres in den ungewöhnlich eisreichen und eisarmen Jahren
über. Am deutlichsten wird sich die Wirkung. der Vorstöße und Rückzüge des
Eises unzweifelhaft bei Island zeigen, dessen Küsten oft monatelang von Eis
besetzt sind. Die Häufigkeit heftiger nördlicher Winde, welche, wie wir oben
gesehen haben, charakteristisch für die eisreichen Jahre sind, muß zusammen
mit der Eisbesetzung der Insel stark abkühlend auf die Lufttemperatur derselben
wirken, während in den eisarmen Jahren der erwärmende Einfluß der süd- bis
östlichen Winde in der Erhöhung der Lufttemperatur zutage treten wird, Ähnlich
wird es sich mit den Temperaturen der Meeresoberfläche verhalten, nur wird
hier die: Wirkung einer Änderung der Liuftdruckverteilung und somit der Wind-
verhältnisse oft stark verzögert zutage treten. Zur besseren Veranschaulichung
sind die Abweichungen der Luft- und Wassertemperaturen mit den Luftdruck-
differenzen auf 70° Breite zu einer Darstellung. vereinigt, welche unsere Voraus-
setzungen bestätigt. (Tafel 3.). i
Die drei Kurven zeigen mit geringfügigen Ausnahmen einen völlig
parallelen Verlauf: in den eisreichen Jahren 1881, 1882, 1888 und 1891 liegt
sowohl das Mittel der Lufttemperatur wie auch dasjenige der Oberflächen-
temperatur des Wassers in den Monaten März bis Mai unter Normal, in den
eisarmen Jahren 1884 und 1889 über Normal. Nur im Jahre 1889 zeigt sich
eine: Abweichung. Während das Mittel der Lufttemperatur über dem normalen
liegt, ist: die Temperatur der Meeresoberfläche noch um :0,5° im Durchschnitt
zu kalt. Dieses dürfte sich erklären lassen aus der gewaltigen Entwicklung‘ der
polaren‘ Strömungen und dem Zurückdrängen des Golfstromes in den Jahren 1886
bis Mitte 1889. Einen Überblick hierüber gewährt die nachfolgende Tabelle,
welche die Abweichungen der Monatsmittel für die Oberflächentemperatur des
Meeres zu Papey (an: der: Ostküste: von Island) : vom 20jährigen Mittel
(1876—1895) angibt.
‘) Die Werte für, diese Stationen sind‘ auch den Wetterkarten des Nordatlantischen Ozeans
antnommen.