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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Brennecke, W.: Beziehungen zwischen der Luftdruck verteilung und den Eisverhältnissen etc. 57 
nach Süd verschoben, wie auch die Eisfreiheit von Spitzbergen und der Bären- 
Insel zeigt. Dieses, sowie die Tatsache, daß das Eis nicht bis zur Südküste 
Islands vordrang und auch für die Schiffe nicht so schwierig zu bewältigen war 
wie 1881, spricht dafür, daß der Luftdruckgradient zwischen Grönland und 
Norwegen im Winter mit maßgebend .ist für die Ausbreitung des Eises im 
Sommer; daß dieser nicht der Hauptfaktor ist, zeigen die gänzlich verschiedenen 
Luftdruckverhältnisse der Winter 1880/81 und 1881/82, welche beide von 
ungemein eisreichen Sommern gefolgt wurden. 
Das Jahr 1888 zeichnet sich vor allem durch eine sehr starke His- 
besetzung von Island aus. An der Nordküste traf das Eis, wie 1881, schon 
bei Beginn des Jahres ein, im Mai hielt es die Ostküste besetzt und erstreckte 
sich weithin nach Osten, um im Juni bei Portland, Vestmannö u. a. die Süd- 
küste einzuschließen. An der Nord- und Ostküste von Island lag das Eis noch 
im Juli und August. Ebenso waren die Eisverhältnisse in der Dänemark-Straße 
sehr ungünstig, während im Ostgrönländischen Meer die HEisgrenze — soweit 
Nachrichten vorliegen — im Sommer normal verlief. Die Luftdruckverhältnisse 
über dem Ostgrönländischen Meer sind in diesem Jahre von denjenigen der 
drei anderen: ungemein eisreichen Jahre während des Zeitraumes März-—Mai 
verschieden, indem 1888 die Luftdruckfurche bei Norwegen sehr flach ist. 
Während in den anderen Jahren der Luftdruck hier weniger wie 754 mm beträgt, 
schließt 1888 die Isobare von 758 den tiefsten Druck ein; dahingegen ist das 
über Grönland lagernde Hochdruckgebiet nach Südost verschoben und bedeutend 
verstärkt; fast ganz Grönland liegt innerhalb der 762 mm-Isobare.. Infolge 
dieser Verstärkung des hohen Drucks über Grönland ist der Luftdruckgradient 
auch in diesem Jahr zwischen Grönland und Skandinavien wieder bedeutend 
größer wie im normalen Vierteljahr von März—Mai und erklärt die starke Kis- 
besetzung von Island und den Eisandrang in der Dänemarkstraße. Daß die 
Ausbreitung des Eises nach Osten im Grönländischen Meer gering ist, ist 
darauf zurückzuführen, daß die charakteristische Luftdruckfurche bei Nord- 
Skandinavien mit dem Luftdruckrücken im Süden in diesem Jahre fehlt, daß 
daher auch keine westliche Komponente der nördlichen Luftströmung vorhanden 
ist und daher keine Ausbreitung des eisbedeckten Polarstroms. stattfinden 
konnte wie in den Jahren 1881, 1882 und 1891. ; 
Ebenso wie im Jahre 1881 war auch 1888 der Wintergradient zwischen 
Grönland und Skandinavien sehr groß, so daß das Eis schon zu Beginn des 
Jahres auf Island eintraf und später die Südküste besetzte.‘ N 
Das Jahr 1891 zeigt in seinen ungünstigen Eisverhältnissen Ahnlichkeit 
mit 1882. Ähnlich wie im letzteren Jahre lag auch 1891 die Eisgrenze im 
Mai östlicher wie in den vorhergehenden Monaten und erreichte auf 74° N-Br. 
den 13°. O-Lg.; im Juni war Jan Mayen noch völlig von Eis eingeschlossen. 
Aber auch im Norden und Süden waren die Kisverhältnisse höchst ungünstig. 
Die Bären-Insel war im Juli von Eis besetzt, und an Islands Nordküste blieb 
dasselbe bis August, während die Ostküste im Mai eisfrei wurde, An der Süd- 
küste von Island lag in diesem Jahr kein Eis, dagegen wird über schweres Eis 
in der Dänemarkstraße berichtet. 
Die Luftdruckverhältnisse von 1891 ähneln ebenfalls denen des Jahres 1882. 
Im. Winter finden wir in beiden Jahren eine für die Ausbreitung des Eises un- 
günstige Luftdruckverteilung, während in den Monaten März—Mai ein starker 
Gradient zwischen Grönland und Skandinavien vorhanden ist, welcher starke 
nördliche Winde bedingt. 
In beiden Jahren sehen wir die Wirkung der winterlichen, für die Aus- 
breitung des Eises ungünstigen Luftdruckverteilung wiedergegeben in der west- 
licheren Lage der Eisgrenze im März—April während sich die Wirkung des 
Gradienten (März—Mai) deutlich in der extremen Lage der Eisgrenze im Mai 
und in den späteren Monaten ausdrückt. Obgleich 1882 sowohl wie 1891 
schwere Eisjahre: für Island gewesen sind, so ist doch in diesen beiden Jahren 
nicht, wie 1881 und 1888, das Eis bis zur Südküste der Insel vorgedrungen. 
_ Aus den obigen Darlegungen ergibt sich, daß die Lage der 
Eisgrenze im Ostgrönländischen Meer während. des Sommers bedingt 
ist durch die Luftdruckverhältnisse des Nordatlantischen Ozeans im 
Frühjahr. Wenn auch die Luftdruckverteilung während des Winters in ihrer
	        
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