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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

56 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1904. 
zehnten gewesen sei; das Eis besetzte schon zu Beginn des Jahres 1881 die Nord- 
küste der Insel und gelangte im April bis Kap Reykjanes an der Südwestküste, 
während es im Mai die ganze Ost- und Nordküste besetzt hielt. Ebenso liegen 
Nachrichten über sehr ungünstige Eisverhältnisse in der Dänemark-Straße vor. 
Im Jahre 1882 sind die Eisverhältnisse nördlich von Island im Ost- 
grönländischen Meere, ähnlich denen des Jahres 1881, außergewöhnlich un- 
günstig, und die Eisgrenze ist weit nach Osten vorgeschoben. Bei Spitzbergen 
scheinen jedoch die Verhältnisse im Sommer günstiger gewesen zu sein wie das 
Jahr vorher, da im Juni Ost- und Westküste der Insel zugänglich waren; an 
der Nordküste waren jedoch große Eismengen, und dieselbe blieb den ganzen 
Sommer unzugänglich. Auch für Island waren die Eisverhältnisse sehr ungünstig, 
aber das Eis hielt sich hauptsächlich an der Nord- und Ostküste; an ersterer 
blieb es allerdings den ganzen Sommer. Zu bemerken ist noch, daß in den ersten 
Monaten des Jahres Island ziemlich eisfrei war. In der Dänemark-Straße war 
der Eisgürtel sehr breit, jedoch das Eis selbst lose, so daß die Schiffe im Eis 
gut vorwärts kamen. 
Um diese beiden schweren Eisjahre erklären zu können, ist es notwendig, 
auch noch die Verteilung des Luftdrucks über dem Grönländischen Meer 
während der Wintermonate in den Kreis der Betrachtung zu ziehen. Von 
großer Bedeutung für die Eisverhältnisse des Jahres 1881 waren die Luftdruck- 
verhältnisse in den Monaten Dezember 1880 bis Februar 1881, welche von 
Meinardus in seiner Arbeit: „Der Zusammenhang des Winterklimas in Mittel- 
und Nordwest-Europa mit dem Golfstrom“,!) kartographisch dargestellt sind. 
Während dieses Zeitraums bestanden außergewöhnlich große Luftdruckunter- 
schiede zwischen Grönland und Skandinavien, welche heftige nördliche Winde 
bedingten, so daß die Temperatur in Nord-Europa bedeutend unter der normalen 
lag. (Der Gradient zwischen Nord-Grönland und Nord-Skandinavien betrug 
während des Winters im Durchschnitt über 13 mm.) Hiermit im Zusammenhang 
steht das frühe Eintreffen starker Eismassen bei Island, sowie der strenge 
Winter auf dieser Insel. Nachdem solcherart durch die extreme Luftdruck- 
verteilung im Winter der Polarstrom eine große Steigerung seiner Intensität 
erfahren hatte und große KEismassen in das Grönländische Meer hinabgeführt 
waren, bedingte die in der Karte dargestellte Luftdruckverteilung während der 
Monate März bis Mai eine weitere Verstärkung der Strömung und eine Ausbreitung 
des Eises nach Osten. Wir sehen, daß an der Nordspitze der Skandinavischen 
Halbinsel ein tiefes Minimum sich befindet, welches starke nordwestliche Winde 
veranlaßt. Hierauf zurückzuführen ist die Eisbesetzung der Bären-Insel im Mai. 
Gänzlich entgegengesetzt wie im Winter 1880/81 waren die Luftdruck- 
verhältnisse im darauffolgenden Winter 1881/82, welche ebenfalls wieder von 
Meinardus in seiner oben erwähnten Arbeit kartographisch dargestellt sind. 
Wir finden hier, daß der Gradient zwischen Grönland und Skandinavien 
äußerst gering ist, daß dagegen heftige südwestliche Winde eine Verstärkung 
der äquatorialen Strömung, des Golfstroms, bewirken müssen. Trotzdem ergibt 
sich im Sommer eine abnorm große Ausbreitung des Eises nach Süd und Ost. 
Diese kann also nur bewirkt sein durch die Luftdruckverteilung im Frühjahr, 
und eine Betrachtung der diesbezüglichen Luftdruckkarte bestätigt unsere Annahme. 
Die Luftdruckfurche bei Norwegen ist in den Monaten März—Mai 18832 
wieder wie 1881 bedeutend vertieft und muß eine starke, vorherrschend nördliche 
Windströmung erzeugen, welche die Eismassen des vorigen Sommers von Nord- 
Spitzbergen ete. nach Süden führt. Mit diesen Luftdruckverhältnissen in Einklang 
steht die Lage der Eisgrenze in den verschiedenen Monaten und in den verschiedenen 
Teilen des Meeres. Wir sehen, daß die Eisgrenze im März des Jahres im Ost- 
grönländischen Meer infolge der winterlichen Luftdruckverteilung, welche die 
Entwicklung des Polarstroms hemmte, völlig normal verläuft (siehe Karte 1882); 
auch Island ist in diesem Monat noch eisfrei. Bald aber macht sich die 
Wirkung der tiefen Luftdruckfurche bei Norwegen und des hierdurch bedingten 
starken Gradienten bemerkbar. Die Grenzen des Eises in den Monaten April— 
Juni sind wie im Jahre 1881 anomal weit nach Osten vorgeschoben, jedoch hat 
sich die östlichste Ausbuchtung des Eises im Ostgrönländischen Meer mehr 
1) „Ztschr. d. Gesellsch. f. Erdk.“ Berlin XXXIII, 1898.
	        
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