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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Brennecke, W.: Beziehungen zwischen der Luftdruckverteilung und den Eisverhältnissen etc. 53 
Den großen Einfluß der Luftdruckverteilung auf die Meeresströmungen 
erkennen wir sofort, wenn wir die Strömungskarte des Nordatlantischen Ozeans 
mit einer Isobarenkarte vergleichen. > 
Wir sehen den Golfstrom unter dem Einfluß südwestlicher Winde, welche 
bedingt werden durch die sich von Neufundland über Island bis zum Nordkap 
erstreckende Luftdruckfurche, in das Nördliche Eismeer eintreten, während 
anderseits nördliche Winde den Polarstrom an der Westseite der Depression 
entlang dem Süden zuführen. Wenn wir auch die sonstigen Ursachen wie 
Erdrotation, Kompensation, ‚Dichtigkeitsunterschiede und anderes nicht übersehen 
dürfen, so zeigt der Vergleich der Strömungs- und Luftdruckkarten doch eine 
solch hervorragende Übereinstimmung, daß wir den Luftströmungen den Haupt- 
anteil an der Erzeugung dieser Meeresströmungen zuschreiben können.‘) 
Die Wirkung der Luftströmungen auf die Meeresströmung muß sich noch 
verstärken, wenn die Oberfläche des Meeres mit Eisschollen und -bergen bedeckt 
ist, da die Angriffsfläche der Kraft vergrößert wird, indem jede Unebenheit’ als 
Segel wirkt... Demgemäß werden Schwankungen in. den Windverhältnissen auf 
einem eisbedeckten nicht durch Küsten eingeengten Meere auch leichter Ver- 
änderungen in den Oberflächenströmungen herbeiführen wie unter gewöhnlichen 
Verhältnissen.*) In seiner Diskussion über den Einfluß des Windes auf die 
Eistrift gibt Nansen‘) Zahlen für die mittlere tägliche Trift, hervorgerufen 
durch den Wind, welche also nicht abhängig von anderen Faktoren, wie 
Zirkulation, Verengung der Strömung etc. sind. ; 
Die durch den Wind hervorgerufene Trift betrug im 
2. Jahr (238./11. 94 bis 23./11. 95): 0,61 naut. Meilen, 
2. Winter. (1./10. 94 '„ 1./6. 95): 0,84 „ . 2» 
3. Jahr (23./11. 95 „ 27.6. 96): 0,70 » 
3, Winter (1./10. 95 '„. 1./6. 96): 0,87 „ . x» 
Die Zahlen zeigen deutlich, daß die Trift im Winter bedeutend schneller 
gegangen ist wie im Sommer. Diese Beschleunigung ‚der Trift nördlich von 
Spitzbergen und Franz-Josephsland ist zurückzuführen auf die intensivere Aus- 
bildung der in Nordeuropa lagernden Zyklone während des Winters; infolge 
Vertiefung derselben treten an der Nordwestseite heftigere nördliche Winde 
auf, welche die Bewegung der Polartrift beschleunigen müssen. Diese Tatsache, 
daß sich periodische Schwankungen in der Luftdruckverteilung auch in der 
Intensität der Meeresströmungen bemerkbar machen, verstärkt die Aussicht, auch 
die größere ‚oder geringere Ausbreitung des Polareises im Ostgrönländischen 
Meere auf Änderungen der Luftdruckverteilung über diesem Gebiet zurück- 
zuführen, wenn dieselben längere Zeit hindurch in demselben Sinne andauern. 
Um eine Übersicht zu gewinnen, wie sich die Luftdruckverteilung über 
dem Grönländischen Meer in den verschiedenen Jahren gestaltet, wurden von 
mir zunächst für die Jahre 1881 bis 1895 Auszüge aus den Monatskarten 
gemacht; welche vierteljährlich als Zusammenfassung der täglichen synoptischen 
Wetterkarten des Nordatlantischen Ozeans erscheinen.‘) Für jeden Monat der 
betreffenden Jahre wurden die Differeozen zwischen den Luftdruckwerten der 
Schnittpunkte des 70. Grades nördlicher Breite mit dem 20. Grad westlicher und 
20. Grad östlicher Länge gebildet, welche einen Maßstab für die Richtung und 
Stärke der in jedem Monat auf dem 70. Breitengrad zwischen Grönland und 
Nord-Skandinavien herrschenden‘ Winde boten. 
Zunächst ergab sich aus dieser Übersicht, daß die Verteilung des Luft- 
drucks in den verschiedenen Jahren keineswegs stetig annähernd dieselbe ist, 
sondern daß sehr erhebliche Abweichungen der Luftdruckwerte nicht nur 
einzelner Monate sondern ganzer Jahreszeiten von den Normalwerten vor- 
1) Vgl. auch v. Boguslawski und Krümmel, Bd, II: Die Windtheorie nach Zöppritg, 
S, 342 u. folg. . . 
2) Science 1900, S. 688. Auch Nansen, Oceanography of North Polar Basin, 1902, S. 688. 
* Nansen S. 366. 
1 Herausgegeben von der Deutschen Seewarte und dem Dänischen Meteorol. Institut.
	        
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