accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

52 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1904, 
Linie soll die normale Lage des Eises veranschaulichen; in den auf der Karte 
nicht eingezeichneten Jahren liegt die Eisgrenze zwischen den extremen Grenzen. 
Es handelt sich nun darum, aus der Gesamtzahl der Eisjahre diejenigen, welche 
sich entweder durch außerordentlichen Eisreichtum oder durch außergewöhnliche 
Eisarmut auszeichneten, mit Sicherheit zu sondern. Hierbei ist zu unterscheiden, 
daß die Eisverhältnisse im Norden und Süden des Meeres zwischen Spitzbergen 
and Island oft verschieden sind, daß also ein Eisjahr für Island ungünstig sein 
kann, während die Eisgrenze nördlich von Island normal ist, und umgekehrt. 
Es hat sich aber ergeben, daß außergewöhnlich ungünstige Eisverhältnisse im 
Ostgrönländischen Meer sich auch stets bei Island bemerkbar machen. 
Demgemäß habe ich als außergewöhnlich eisreiche Jahre einerseits die- 
jenigen angesehen, in welchen das Eis im Frühling oder Sommer bis zur Süd- 
küste Islands vorgedrungen ist, wie 1881 und 1888, anderseits diejenigen, in 
welchen Jan Mayen noch im Juni oder Juli dicht besetzt von Eis war d.h. die 
Eisgrenze östlich von Jan Mayen verlief wie 1881, 1882 und 1891. Als außer- 
gewöhnlich eisarme Jahre habe ich diejenigen ausgewählt, in welchen bei Island 
fast gar kein Eis gesehen worden ist und auch keine Berichte über anomale 
Eismassen im Ostgrönländischen Meer vorlagen; es sind dieses die Jahre 1884 
and 1889. Daß diese Auswahl zu Recht besteht, zeigt uns die Karte, auf 
welcher sich die östlichsten Grenzlagen des Eises im Mai in den Jahren 1881, 
1882, 1888 und 1891 eingezeichnet finden; von den günstigen KEisjahren 1884 
und 1889 sind keine Angaben enthalten. 
Wenn wir dazu übergehen, die Ursachen dieser gewaltigen Verschiebungen 
der Eisgrenze zu erforschen, so ist es vorerst notwendig zu untersuchen, welcher 
der beeinflussenden Faktoren solche Größenänderungen aufweisen kann, um 
derartige Schwankungen in der Intensität und Ausbreitung des KEises herbei- 
zuführen. Der Transport des Eises ist abhängig von den Strömungen, welche 
ihrerseits bedingt sind durch die Tiefenverhältnisse des Meeres, die Konfiguration 
der Festländer, durch Kompensation, durch Dichtigkeitsunterschiede und in der 
Hauptsache durch die Strömungen der Atmosphäre: die Winde. Die beiden 
ersteren Faktoren sind wegen ihrer relativen Unveränderlichkeit auszuschließen, 
auch kann die Kompensation vernachlässigt werden. Es sind also nur die 
Schwankungen in den Dichtigkeitsverhältnissen des Meeres und in den Strömungen 
der Atmosphäre in Betracht zu ziehen. Die Dichtigkeitsverhältnisse sind ab- 
hängig von der Temperatur und dem Salzgehalt des Wassers, welche beide in 
den verschiedenen Jahren erheblich variieren können, jedoch kann die Ursache 
für diese großen jährlichen Anderungen nur in den Strömungen selbst gefunden 
werden. Es ergibt sich demnach, daß als einzig, zu berücksichtigender Faktor 
für die Anderungen der Strömungsverhältnisse nur Anderungen in den Strömungen 
der Atmosphäre — den Windverhältnissen — in Betracht kommen, 
Der Einfluß des Windes auf die Bewegung des Eises wird von allen 
Polarfahrern betont und aus der Erfahrung, welche die Führer der von Kis 
besetzten Schiffe gemacht haben, geht mit Sicherheit hervor, daß die lokale 
Grenze des Eises einzig und allein durch den Wind bestimmt wird. 
So kann ein Sturm, welcher in jenen Gegenden oft mehrere Tage hindurch aus 
derselben Richtung weht, große Veränderungen in der Lage der einzelnen Eis- 
Felder hervorrufen und freies Fahrwasser schaffen, wo vorher dichtes Packeis 
sich ausdehnte, und umgekehrt. 
Diese lokalen Veränderungen in der Lage des Eises sollen hier nicht 
betrachtet werden, sondern die großen Verschiebungen in der allgemeinen 
Grenze der Eislage, welche Hunderte von Seemeilen betragen können. Diese 
Verschiebungen in der allgemeinen Grenze des Eises im Ostgrönländischen 
Meer beruhen auf der größeren oder geringeren Intensität und Ausbreitung der 
polaren Oberflächenströmung, welche entstanden sein müssen durch eine ganz 
bestimmte, längere Zeit andauernde Luftdruckverteilung über diesem Gebiet, die 
ein Vorwiegen von bestimmten Winden zur Folge hat. Auch Garde verweist in 
seinen ausführlichen Darstellungen der Eisverhältnisse der letzten Jahre!) stets 
auf die vorherrschenden Winde der betreffenden Jahreszeit, aus weichen sich 
zum größten Teil die Lage und das Vordringen des Eises erklären hießen. 
1) Nautisk Met. Aarbog, Kijobenharn.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.