598 Annalen der Hydrogräphie and Maritimen Meteorologie, Dezember 1904.
meist die Stärke 9 und vielfach‘ 10 erreichten; hier wehten die Winde am 7,
nur noch vereinzelt stürmisch, während sie an der Ostsee bei dem hier meist
erst in der Nacht zum 7. erfolgenden Rechtädrehen vielfach nuch ein Auffrischen
erfuhren und an beiden Tagen mit annähernd der gleichen durchschnittlichen
Stärke, die nur vereinzelt 8 überschritt, wehten.
Die folgenden Tage bis zum 16. führten sehr veränderliche leichte Winde
herbei. Das Hochdruckgebiet breitete sich schnell über Europa aus und zeigte
die Wanderung eines Kernes höchsten Drucks . von der Biscayasee bis West-
rußland, während es ‘sich über dem Ozean bei dem Herannahen einer neuen
Depression nordwestlich von Schottland südwärts verlagerte. Diese gewann
zunächst auf die Küste keinen Einfluß, indem am 9, und 10. unter der Herr-
schaft des Hochdruckgebiets trockenes, vielfach heiteres Wetter eintrat. Bei
dem Herannahen eines neuen Hochdruckgebiets vom Ozean bildete sich jedoch
zwischen den beiden Hochdruckgebieten eine von Niederschlägen begleitete
Rinne niedrigen Drucks, die sich zunächst als eine Verbindung der genannten,
über Nordeuropa fortschreitenden Depression mit einer Depression über dem
Mittelmeer darstellte; sie wurde von dem seinen Kern bis zum 15. über England
uud Schweden nach Nordwestrußland verlagernden Hochdruckgebiet ostwärts
gedrängt, wobei an der ostdeutschen Küste am 13. stürmische nördliche Winde
hervorgerufen wurden. Zwischen dem über Nordeuropa nach dem Innern Ruß-
lands fortschreitenden Hochdruckgebiet und einer neuen vom Ozean heran-
ziehenden Depression stellte sich am 15. und 16. über Mitteleuropa eine sehr
gleichmäßige, mehrere flache Minima aufweisende Luftdruckverteilung ein, die
eine Fortdauer der seit dem 11. an der Küste beobachteten Niederschläge
herbeiführten.
Der 17. bis 19. brachten wieder das Vorüberschreiten eines tiefen Minimums
im hohen Norden, das an der Küste von Niederschlägen und rechtdrehenden
westlichen Winden begleitet war, die am 17. im Westen aus SW und am 19. im
Osten aus NW vielfach stürmisch wurden.
Ein am 19, und 20. vom Ozean über Kontinentaleuropa vordringendes
Hochdruckgebiet, das sich am 20. auch über Skandinavien ausbreitete, führte
Abnahme der Niederschläge herbei, doch nicht von Dauer, da eine neue De-
pression vom Ozean nachfolgte. Diese Depression, die nordwestlich von Schott-
land ein in nordöstlicher Richtung fortschreitendes Minimum zeigte, drang vöm
21. bis 24, langsam ostwärts über Europa vor, so daß an der Küste leichte
südliche Winde bestanden, die an der Nordsee von ausgebreitetem Nebel
begleitet waren, .
Eine bedeutende Anderung der Wetterlage führte ein am Abend des 24,
über Irland erschienenes Hochdruckgebiet herbei, indem dieses, schnell ostwärts
vorrückend, die Depression verdrängte, so daß am 28. ganz Europa von einem
Hochdruckgebiet bedeckt war. Diese Witterungsvorgänge waren an der Küste
durch rechtdrehende westliche, am 26, ostwärts bis Hinterpommern vielfach
stürmische nordwestliche Winde und vom 24, bis 26, über das ganze Gebiet
ausgedehnte Niederschläge gekennzeichnet.
An der Stelle dieses rasch ostwärts fortschreitenden Hochdruckgebietes
erschien alsbald ein neues, das am 29, bis 31. nördlich von Schottland her nach
Westrußland schritt und unserem auf seiner Südseite gelegenen Gebiete bei
leichten östlichen Winden trockenes. Wetter mit sinkender Temperatur brachte.
Berichtigungen.
In Tafel 23 muß es heißen: Figur 4 statt Figur 2, Figur 6 statt Figur 4, Figur 2 statt Figur 5,
Figur 5 statt Figur 6.
In dem Artikel von W. J. van Bebber: „Klimatafeln für die deutsche Küste“, auf
Seite 530 bis 538 muß es heißen: „Tage mit Niederschlag = 0,2 mm“ statt „Tage mit Niederschlag
> 2 mm“,
Gedruckt und in Vertrieb bei E, S. Mittler & Sohn
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei
Berlin SW, Kochstraße 68—71.