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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1904. 
2, Unterseeische Gloekensignale. In jüngster Zeit sind an der Ostküste von 
Nordamerika mehrfach Feuerschifle sowie Leucht- nd andere Tonnen mit tief im 
Wasser hängenden Glocken ausgerüstet worden, die als Nebelsignal-Apparate 
dienen und nach übereinstimmender Aussage von Fachleuten ihren Zweck besser 
erfüllen, als alle übrigen Nebelsignale, deren Schall durch die Luft sich fortpflanzt. 
Schiffe, die mit Empfangsapparaten für diese Signale ausgerüstet sind, können 
diese Glockensignale bis zu 5 Sm Abstand davon hören und auch die Richtung, 
aus welcher der Schall kommt, bis auf !/4 Kompaßstrich genau bestimmen. Welchen 
Wert solche Signale bei Nebel für die Schiffahrt haben, braucht für Seeleute 
wohl kaum hervorgehoben zu werden, da dieselben die Unzulänglichkeit aller 
bisher gebräuchlichen Nebelsignale nur zu gut kennen. Zeitungsberichten zufolge 
ist auch bereits ein deutscher Schnelldampfer mit den Empfangsapparaten aus- 
gerüstet, wofür die Submarine Signal Company in Boston das Patent besitzt. 
Um diese ganze Sache schnell bekannt zu machen, werden von der genannten 
(Gesellschaft alle Anstrengungen gemacht und auch Versuchsfahrten mittels zu 
dem Zwecke eingerichteter Dampfer vorgenommen, zu denen schiffahrttreibende 
Kreise eingeladen werden. Uber eine solche Versuchsfahrt berichtet Kapitän 
€. Lorenz vom D. „Pontos“ der Hamburg—Amerika-Linie das Folgende: 
„Auf Einladung des Herrn Superintendenten der Submarine Signal Company 
in Boston machte ich in Begleitung mehrerer anderer geladener Herren eine 
Fahrt mit auf der, jener Gesellschaft gehörigen kleinen Dampfjacht, nach dem 
Boston-Feuerschiffe, um die Wirkung der unterseeischen Nebelsignal-Glocke zu 
beobachten. 
Als wir uns dem Feuerschiffe bis auf etwa 5 Sm Abstand genähert hatten, 
wurde das Schiff gestoppt, und man hörte darauf das Glockensignal des Feuer- 
schiffes mittels Telephon an beiden Seiten gleich stark, da das Feuerschiff sich 
recht voraus befand. Wir fuhren dann weiter, und bald darauf kam auch 
das Glockensignal zu Gehör, während unser Schiff sich in etwa 4 Sm Abstand 
vom Feuerschiffe in Fahrt befand. Dieses spätere Wahrnehmen der Signale 
während der Fahrt war dadurch begründet, daß der kleine Dampfer vorn nur 
einen Tiefgang von 6 bis 7 Fuß (1,8 bis 2,1 m) hatte und bei dem Stampfen des 
Schiffes der im Bug desselben befindliche Schallsammler zeitweilig fast bis an 
die Wasseroberfläche kam. Infolgedessen war das Rauschen des Bugwassers 
stark im Telephon bemerkbar und absorbierte jedenfalls viel von dem Schall 
der Glocke, Bei Schiffen größeren Tiefganges dürfte dieser Übelstand nicht in 
Betracht kommen, und, da die Flächen der empfangenden Schiffsseiten größer 
werden und die Schallsammler tiefer unter der Oberfläche des Wassers liegen, 
w dürfte das Signal noch früher, also in größerem “Abstande, erkannt werden 
önnen. 
Der Dampfer wurde dann auf verschiedene Kurse gebracht, und es war 
sehr interessant zu beobachten, wie dabei der Schall auf der einen Seite im 
Telephon zunahm, während er sich auf der anderen Seite dementsprechend ver- 
ringerte. Ohne daß das Feuerschiff in Sicht war, ließen wir den Dampfer 
drehen, und als wir den Schall auf beiden Seiten gleich stark vernahmen, riefen 
wir: »Kurs steuern« und trafen das Feuerschiff dann auch recht voraus an. 
Der Klang der Glocke im Telephon war der einer guten Schiffsglocke, 
durchaus nicht dumpf, sondern ganz klar, wie wenn man sie in der Luft hängend 
hörte. Bei gewendetem Schiffe hörten wir den Schall nur aus geringer Ent- 
fernung vom Feuerschiffe. Es ist aus diesem Grunde auch der Einbau von 
Empfängern im Hinterteil der Schiffe zum Einschalten vorgesehen. Es ist noch 
zu bemerken, daß das Glockensignal deutlich und unverkennbar die Nummer 
(54) des Feuerschiffes signalisiert, indem erst 5 Glockenschläge, und dann nach 
kurzer Pause 4 weitere Schläge folgen, worauf eine etwas längere Pause eintritt. 
Wir fuhren darauf nach der Harding Ledge-Leuchttonne, die auch mit 
einer unterseeischen Glocke versehen ist. Gestoppt liegend hörten wir den Ton 
derselben auf 3 Sm, in Fahrt befindlich auf 2 Sm Abstand davon. Diese Glocke 
ist längst nicht so schwer wie die des Feuerschiffes. Sie wird durch die 
Bewegung der Tonne in Tätigkeit gehalten, während die Glocke des Feuer- 
schiffes mechanischen Antrieb hat.
	        
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