Kleinere Mitteilungen.
eine ganze Doppelspalte, sodaß gegebenenfalls die Stromversetzung ebenso oft
eingetragen werden kann wie jede andere Beobachtung.
Darüber, daß eine genauere und eingehendere Kenntnis der Strom-
versetzungen an: gefährlichen Küstenstrecken wünschenswert ist, besonders für
Dampferreisen, darüber wird eine Meinungsverschiedenheit nicht bestehen. Die
Unglücksfälle durch Strandungen in: der Nähe der Scilly-Inseln, bei: Ouessant,
Kap Ortegal und Finisterre, .in der Straße. von Gibraltar, im Roten Meer, bei
Kap Guardafui und Sokotra, um nur einige naheliegende Namen ‚zu: nennen,
lassen deutlich erkennen, daß in dieser Beziehung noch sehr viel getan werden
sollte, um genauere Angaben über die Versetzungen in der Nähe dieser und
vieler anderer besonders .im Nebel oder bei unsichtigem Wetter gefährlicher
Küstenstrecken zu erhalten. .
Daß durch die einmal täglich gemachte. Angabe .der Stromversetzung in
der Nähe solcher Punkte nicht. viel.gewonnen wird, liegt auf. der Hand. So
befindet sich.z. B. ein Dampfer am 24. September 190: mittags. in der Nähe des
Kap de Gata, fährt am 25. frühmorgens durch die:Straße von Gibraltar und
setzt danach seinen Kurs auf Kap St. Vincent. Am 25. mittags westsüdwestlich von
Cadix wird als „Strom in- den letzten. 24 Stunden“ S53°.0 13 Sm. in dem Tage-
buch für die Seewarte angegeben. Hier ist es offenbar gewagt die ganze
Versetzung auf den Schiffsort etwa um Mitternacht zu verlegen, wie man es
in offener See bei einem einzigen Kurs tun darf. Die Unbestimmtheit der An-
gabe wird gehoben,. wenn die Versetzung. mehrere Male für Bruchteile des
Tages mitgeteilt wird, z. B. getrennt für die Strecken zwischen den Peilungen,
wodurch der Schiffsort‘ von Zeit zu Zeit bestimmt wird. |
Es würde auch, falls der Strom an Bord nicht ausgerechnet wird, genügen,
wenn die genaue Zeitangabe des Passierens von Landmarken (Feuertürmen,
Inseln usw.) nebst Peilung und Abstand, sowie. außerdem die genauen Kurse
und Distanzen durch das Wasser nach der Loggrechnung der Seewarte angegeben
werden; denn hiernach kann die Seewarte den Küstenstrom berechnen, wenn auch
nicht mit derjenigen Sicherheit, wie die Beobachter an. Bord es vermögen, wo
die einzelnen Werte viel unmittelbarer überschaut werden. © .
. Wo solche genaueren Angaben über Versetzungen besonders erwünscht
sind, ist leicht erkennbar. Es handelt sich hauptsächlich um im Nebel oder bei
unsichtigem Wetter gefährliche Ansegelungspunkte, um Landvorsprünge, in deren
Nähe der Kurs stark geändert wird, um Straßen und Durchfahrten, .
Die Deutsche Seewarte spricht die Bitte aus, daß die Führer
deutscher Dampfer die von ihnen an solchen Küstenstrecken wie
den oben genannten und an ähnlichen gemachten Erfahrungen mit-
teilen und die beobachteten Versetzungen in möglichst vollstän-
diger Weise dem meteorologischen Tagebuche einverleiben wollen.
Auch wird um gelegentliche Einsendung zusammenfass ender Berichte
über solche Erfahrungen gebeten. Es ist doch zweifellos, daß eine große
Menge wertvoller Erfahrungen seitens der. Dampferführer nur deshalb der All-
gemeinheit nicht zugute: kommt, weil vielfach der einzelne sich gewissermaßen
scheut, diese seine Beobachtungen in einem kurzen Berichte zusammen zu fassen
und einem Institute wie z. B. der Seewarte einzusenden. Nur wenn die’ Mit-
arbeiter zur See in der angegebenen Richtung selbst mithelfen, kann und wird
es allmählich gelingen, von den Versetzungen in der Nähe gefährlicher Küsten-
strecken. ein genaueres und zutreffendes Bild zu gewinnen, aus dem dann wieder
der Dampferführer ‘als erster Nutzen ziehen wird. . ;
Daß daneben den Sichtigkeitsverhältnissen ebenfalls erhöhte Auf-
merksamkeit zu schenken ist, versteht sich von selbst. Es geschieht dies ja
auch an Bord, aber es ist auch erforderlich, daß ‘die entsprechenden Beobach-
tungen über Sichtigkeit oder. Unsichtigkeit genau in das meteorologische Tage-
buch eingetragen werden. Ü . , .
Es mag zum Schluß noch betont werden, daß es sich bei dieser Bitte
der Deutschen Seewarte an alle Dampferkapitäne nicht um neue Beobachtungen
und Mehrbelastung der beobachtenden Offiziere handelt, sondern nur darum, daß
alle Beobachtungen in dieser Beziehung, die auf jedem ordentlich geführten
Dampfer sowieso gemacht werden, auch in das meteorologische Tagebuch über-
tragen werden, Die Deutsche Seewarte.
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