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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Die Schiffsunfälle. an der deutschen Küste in den Jahren 1898 bis 1902, 581 
ziehenden Übergang zur Dampfschiffahrt zurückzuführen sein dürfte. Gestrandet 
sind 613 (25° 0), gekentert:32 (10/0), gesunken 73 (3°), zusammengestoßen 
1372 (55%) und von sonstigen Unfällen betroffen worden sind 413 (16°) Schiffe, 
Zugenommen gegen das vorhergegangene Jahrfünft haben die Strandungen und 
yanz besonders die Zusammenstöße; letzteres hängt naturgemäß mit der Zunahme 
des. Verkehrs und der stärkeren Ansammlung. von Fahrzeugen in engen Fahr- 
wassern zusammen. Abgenommen hat die Zahl der gekenterten, gesunkenen 
und der von sonstigen Unfällen betroffenen Schiffe, was wohl den Schluß zuläßt, 
daß das Schiffsmaterial besser geworden ist. Auch die Zahl der durch Stürme 
und ungünstige Windverhältnisse herbeigeführten Unfälle ist zurückgegangen, 
obgleich. die schweren Stürme vom 24. bis 27. März. 1898, vom 24. bis 
26. Oktober. 1899, vom 22. und 23. September 1899, vom 21. März 1899, vom 
2. März. 1899, ‚vom 9. Mai 1900, vom 3. Juli 1898 und vom 6. April 1902, zu- 
sammen 37 Totalverluste und 29 schwere Beschädigungen verursacht: haben. 
Dampfer wären :1302 oder 52%, aller von Unfällen betroffenen Schiffe, davon 
sind 853 oder 66°/ der. von Unfällen betroffenen Dampfer in Kollision gewesen, 
1753 oder 70%, aller von Unfällen betroffenen Schiffe waren deutsche. Total 
verloren gingen 315 Schiffe oder. 13° aller von Unfällen betroffenen, ‘und 147 
davon sind infolge von Strandungen verloren gegangen. Gegen 300 (0,8 °%o)-.im 
vorhergegangenen Jahrfünft sind. von 1837 bis 1902. 306 Personen (0,8%) bei 
den‘ Unfällen umgekommen, nämlich 142 im Ostsee- und 164 im Nordseegebiete, 
davon 116 auf der Elbe. Diese hohe Verlustziffer ist durch den Unfall des 
Passagierdampfers „Primus“ am 21. Juli 1902, bei dem von 211 au Bord befind- 
lichen: Personen 103 umgekommen sind, entstanden. Gerettet worden sind aus 
den mit Lebensgefahr verbunden gewesenen Unfällen 3552 ‚Personen, nämlich 
559: durch .die eigenen Schiffsboote, 219 durch anderweitige Selbsthilfe, 104 durch 
Lotsen, Fischer oder Strandbewohner, 920 durch in der Nähe befindliche Schiffe 
and 542 durch die Rettungstationen. In 9 Fällen, bei denen Gefahr für Menschen- 
leben vorhanden war, sind 1208 Personen an Bord geblieben und mit den Schiffen 
geborgen. 
Von. 1787 Unfällen, die. durch die See- oder die Strandämter untersucht 
worden sind, entfielen 753 (42%) auf die Sommermonate von April bis September 
und 1034 (58%). auf die Wintermonate von Oktober bis März, : Auf die. Tages- 
zeit verteilen sich die Unfälle ziemlich gleichmäßig, Strandungen und Zusammen- 
stöße sind. aber bei Nacht häufiger vorgekommen ‚als am Tage, nämlich bei 
Nacht: 262 Strandungen .und 332 Zusammenstöße, bei Tage 254 Strandungen 
und 278 Zusammenstöße.. Bei‘ den andern Unfällen dieser Art hat die Tages- 
zeit nicht ermittelt werden können. Die geographische Verteilung der Unfälle 
ist sehr ungleichmäßig. . Auf die etwa 800 Sm langen Ostseeküsten entfallen 
1074, auf die :etwa 295 Sm langen Nordseeküsten dagegen 1429 Unfälle, das 
heißt, auf eine gleichlange Küstenstrecke kämen im Mittel.an den Nordseeküsten 
dreimal so viel Unfälle wie an den Ostseeküsten. 
In der Ostsee sind die Strandungen mit 40°%o am stärksten vertreten, 
dann. folgen die Zusammenstöße mit 27°, nicht besonders unterschiedene Unfälle 
mit. 24%, gesunkene Schiffe mit 6% und gekenterte mit 3°%b. . | 
In der Nordsee stehen dagegen die Zusammenstöße: mit 45%, oben av, 
dann folgen die Strandungen mit 29° o, nicht. besonders unterschiedene Unfälle 
mit 22%, gesunkene Schiffe mit 3% und gekenterte mit 1°. Diese Ziffern 
geben zu denken. Sie‘ bestätigen zunächst, daß sich die Zusammenstöße mit 
der Zunahme des Verkehrs außerordentlich mehren, sie. scheinen aber . auch 
darauf hinzudeuten, daß man in der Nordsee mit. besseren. Schiffen fährt, sie 
sorgfältiger ladet und navigiert, ” Denn wer. beide Gewässer kennt, der weiß 
auch, daß die Ostsee an sich mit ihren ziemlich reinen Küsten nicht gefährlicher 
ist als die Nordsee mit ihren weit hinausliegenden Bänken und Riffen, ja, daß 
vielleicht ‘gerade. die Nordsee an. sich gefährlicher. ist als die Ostsec; dann 
würde: man aber die verhältnismäßig: höheren Unfallziffern durch Stranden, 
Sinken und Kentern in der Ostsee auf Unterschätzen ihrer Gefahren - zurück: 
führen müssen und auf“ eine gewisse Sorglosigkeit, während. der Nordsee- 
fahrer genau weiß, daß er auf alles mögliche gefaßt sein muß. : % Be 
Betrachtet man die einzelnen Gebiete der Ostsee, so tritt vor allen. der 
mittlere Teil der Ostseeküste mit den Odermündupgen, wo sich der: Verkehr
	        
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