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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Ekman, Wälfrid V.: Über Totwasser. 
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mögen nämlich. dann die Grenzflächewellen und mithin der Widerstand. nicht 
Zeit genug haben, um wieder zu voller Größe anzuwachsen, che das Schiff schon 
eine Geschwindigkeit hat, bei welcher keine Grenzflächewellen mehr :gebildet 
werden können. Bisweilen ist beim Bugsieren eine andere Methode mit gutem 
Erfolg gebraucht worden, indem man den Schleppdampfer zuerst rings um das 
Schiff gehen läßt, oder auch das Schlepptau kürzer macht, damit die Schraube 
die Wasserschichten umrühren soll. Infolge von Versuchen glaube ich aber, 
dass dieses Mischen nur eine ziemlich geringe Wirkung ‚auf die Fahrt haben 
kann; im Gegenteil glaube ich, die wesentliche Ursache zum. guten Krfolge 
sei. der Umstand, daß das Schiff während des Manövers eine Zeitlang still 
bleiben mußte und dann wieder mit voller Kraft geschleppt wurde.‘ 
Wenn es möglich, ist das Schiff auf seichtes Wasser zu steuern, 
wo es nur wenig Wasser unter dem Kiel hat, dann kommt man — wenn die 
leichtere Wasserschicht tief genug ist — aus dem Gebiete der einander über- 
gelagerten Wasserschichten hinweg, und die Grenzflächewellen können nicht mehr 
existieren. Auch in dem Falle, daß das Schiff tiefer ist als die Oberflächenschicht, 
wird in seichtem Wasser die Wirkung der Grenzflächewellen infolge der Dünn- 
heit der unteren Schicht beträchtlich vermindert. Das Schiff wird daher auf 
diese Weise leicht von dem Totwasser loskommen, und wenn es keine Gefahr 
läuft, wieder in Totwasser zu fallen, kann es dann wieder. von der Küste hinaus- 
steuern;hes ist dies die Methode, die nach der Erzählung von Kapitän H. Meyer 
(in Heft 1 dieses Jahrganges) von einem holländischen Lotsen in der Mündung 
des Congo benutzt wurde. 
Für ein Segelschiff wird es natürlicherweise wegen seiner‘ beschränk- 
teren Manövrierfähigkeit schwieriger sein, sich von dem Totwasser frei zu 
machen. Vielleicht würde aber dies: in vielen Fällen möglich sein, einfaclı 
dadurch, daß man die Windwirkung auf die Segel zu einem Minimum vermindert 
und nach einer Weile dieselbe wieder möglichst schnell vermehrt. Auch ist es 
in vielen Fällen gewiß zu empfehlen, auf seichtes Wasser zu steuern, wenn: dies 
unter den vorhandenen Umständen. möglich ist. Die wichtigste Aufgabe für 
ein Segelschiff in Totwasser ist, die verlorene Steuerfähigkeit zurückzugewinnen, 
und zwar wird es sich dann in manchen Fällen vollständig befreien können. 
Wenn die Ströme ‚nicht zu stark sind, ist es, um das Schiff steuern zu können, 
nur erforderlich, ein Steuerruder an einem solchen Platze anzubringen, wo das 
Wasser eine Bewegung nach hinten relativ zum Schiffe hat. Experimente 
haben gezeigt, daß dies achter dem Hinterschiffe und seitwärts von der Mittel- 
linie des Schiffes der Fall ist. Es mag daher im Totwasser zu empfehlen sein, 
daß man mittels eines Ruders an der Bille zu steuern versucht. Im 
allgemeinen mag hervorgehoben werden, daß es leichter ist, das Tot- 
wasser zu vermeiden an Plätzen, an denen es zu befürchten ist, als 
sich wieder daraus zu befreien. 
Die Frage von der geographischen Verbreitung des Totwasser- 
phänomens scheint noch teilweise unbeantwortet zu sein. Kinerseits: möchte 
man vermuten, daß horizontale Wasserschichten von sehr verschiedenem spezi- 
fischen Gewichte, und mithin- das Totwasser, im allgemeinen bei Flußmündungen 
häufig sind. Anderseits scheint das Totwasser sehr: wenig außerhalb des 
Kattegatt, der norwegischen Küste und des Eismeeres. bekannt zu sein. Auf 
Anfragen; die:in zahlreichen Schiffahrtzeitungen in Europa, Amerika und Asien 
gedruckt wurden, sind, die obengenannten Meeresteile ausgenommen, nur sehr 
wenige Antworten eingegangen, die ‚sich ersichtlich auf Totwasser- beziehen. 
Es mag dies darauf beruhen, daß die Bedingungen für Totwasser in der Tat 
in sehr vielen Flußmündungen nicht erfüllt sind — sei es, daß das Flußwasser 
zu schnell durch Gezeitenströme im Flusse selbst oder z. B. durch Wellen 
außerhalb desselben mit dem Meerwasser gemischt wird, oder daß es von den 
Strömen zu schnell weggeführt wird, oder endlich, daß die betreffenden Gegenden 
hauptsächlich von Dampfschiffen oder von zu tiefen oder zu. platten Schiffen 
befahren werden. Es ist aber auch möglich, daß nicht-skandinavische Seeleute 
dem Totwasser oftmals ausgesetzt worden sind, ohne ihre Aufmerksamkeit darauf 
gerichtet zu haben, daß es ‚ein. eigenes ‚ihnen früher unbekanntes Phänomen 
war, Wo die Erscheinung häufig und in ausgeprägter Form vorkommt, wie in 
den norwegischen Fjorden, werden die Seeleute damit vertraut und erkennen
	        
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