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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1904. 
anveränderten Kurse zu steuern. Die einzige Erklärung, die ich geben kann, 
ist, daß wir entweder bei unserem Ankerplatz oder da, wo wir vom Totwasser 
“rei wurden, dem Süßwasserstrome aus dem Pasvik-Flusse so stark ausgesetzt 
waren, wie in der Rinne zwischen diesen beiden Plätzen. Wenn aber das Schiff 
in der Nähe des Ufers wenden sollte, wurde es während der Manöver wieder 
vom Totwasser gefaßt, obwohl die Wendung gelang. Wir mußten dann auf 
dieselbe Weise wie vorher mit Hilfe von Segel und Bugsieren denselben Weg 
zurückmachen. Wir strebten mit Schneckengang vorwärts und endlich um 
12 Uhr mittags konnten wir an unserem früheren Ankerplatz ankern, während 
die immer frische Brise uns wegen unserer Hilfslosigkeit zu höhnen schien. 
Den nächsten Tag hatten wir südlichen Wind und segelten glücklich aus dem 
Bög-Fjord ohne weiteres Hindernis von Totwasser.“ 
Endlich will ich ein Ereignis anführen, das von Herrn F. W. L. Sidner, 
Kommendörkapten der schwedischen Marine, erzählt wurde und sich in 
yewissen Hinsichten von dem oben erwähnten unterscheidet. „Den 11. Juli 1899 
befand sich die schwedische Korvette »Freya« (6 m tiefgehend) im Kattegat 
auf einer Reise nach England und lief mit einer südlichen Brise in Richtung 
von Laesö nach Skagen. Der Wind war ziemlich schwach und nahm all- 
mählich ab, gab aber noch eine Fahrt von 3 bis 4 Knoten. Um 7 Uhr nach- 
mittags, als das Schiff ungefähr 7 Minuten südöstlich von Skagen war, geriet 
es in Totwasser, was sich anfangs besonders durch Schwierigkeit im Steuern 
zeigte. Um Mitternacht wurde das Totwasser ausgeprägter, und die Fahrt 
wurde auch vermindert. Wir waren zu dieser Zeit ungefähr 5 Minuten östlich 
von Skagen, segelten auf nördlichem Kurse vor dem Winde und wollten den 
Kurslauf auf westlich ändern. Das Schiff drehte sich auch 2 Striche auf NNW, 
konnte aber nicht weiter nach Westen gebracht werden. Wir versuchten es 
dann, den anderen Weg über Norden, Osten und Süden auf westlichen Kurs zu 
bringen. Es folgte dem Ruder und drehte sich bis SSO; dann hörte aber die 
Drehung auf, und das Schiff fiel wieder gegen Süden ab trotz der gesamten 
Wirkung von Segel und Steuerruder. Diese Versuche wurden mehrmals wieder- 
holt, aber mit genau demselben Resultat. Das Schiff konnte innerhalb des 
Halbkreises NNW—O0-—SSO gesteuert werden, aber gar nicht außerhalb dieser 
Grenzen. Es konnte durchaus nicht auf einen westlichen Kurs gebracht werden, 
and wir kamen immer weiter von Skagen ab. Während wir auf diese Weise 
unfreiwillig gegen Norden segelten, hatte die uns umgebende Wasseroberfläche 
ein sehr eigentümliches Aussehen. Vor dem Buge auf der Backbordseite 
bildete sich eine niedrige Erhebung des Wassers in kurzem Abstande von der 
Schiffsseite. Zwischen dieser Erhebung und dem Schiffe sowohl als längs der 
Backbordseite des letzteren war das Wasser »kochende. Auf der Steuerbord- 
seite hatte das Wasser das Aussehen eines mit Wirbeln gefüllten Stromes. 
Ferner war das Schiff von einem doppelten Kielwasser gefolgt; der eine 
Zweig war ein wenig nach der Backbordseite, der andere stärker nach der 
Steuerbordseite gekrümmt, und zwischen den beiden Zweigen war das Wasser 
aufgerührt. Um !/23 Uhr am nächsten Morgen sahen wir einen Fischdampfer 
gerade auf die »Freya«, die fortwährend unbehilflich lag, Kurs haltend. Da 
die Seeleute glauben, daß ein Dampfer ein anderes Schiff aus dem Totwasser 
»frei schütteln« könne, warteten wir mit Interesse ab, ob der Dampfer nahe 
genug kommen sollte, um uns diesen Dienst zu tun. Er hatte das Schleppnetz 
im Tau und kann daher nicht mehr als 3 Knoten gemacht haben. Er kam bis 
auf anderthalb Kabellängen (300 m) an uns heran und kehrte dann in der ent- 
zgegengesetzten Richtung zurück; und in der Tat, als er uns am nächsten war, 
wurde die »Freya« plötzlich vom Totwasser frei und machte eine gute Fahrt, 
die kurz nachher mit dem Logge zu 6,2 Knoten geschätzt wurde.“ 
. Ich muß mich hier auf die obenerwähnten Erzählungen beschränken; 
einige der übrigen sind auch sehr charakteristisch, die meisten sind aber ziem- 
lich kurz und ohne besonders interessante Details. 
Wenn es sich darum handelt, die Ursache der oben erwähnten Erschei- 
nungen zu suchen, so ist die erste Schwierigkeit die bunte Mannigfaltigkeit der 
Wirkungen des Phänomens und der teilweise Mangel an genauer Übereinstim- 
mung der verschiedenen Mitteilungen über dasselbe. Man muß daher von einem
	        
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