Ekman, Walfrid V.: Über Totwasser.
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Wetter gewesen ist. Es ist daher am schlimmsten im Juni und Juli und wird
im Herbste wegen der dann häufigen westlichen. Stürme weniger bemerkt.
Mein Schiff fiel leicht in Totwasser, wenn es geladen war und seine Fahrt
nicht 3 Knoten überstieg — die Fahrt wurde dann noch beträchtlich vermindert.“
„Wenn das Schiff in Totwasser ist, sieht man gewöhnlich drei Streifen,
etwa wie Stromkabbelungen quer über das Kielwasser, und das Steuern wird
schwierig. Wenn der Wind abnimmt, wird die Fahrt geringer, und die Streifen
kommen allmählich näher, um endlich zu verschwinden; anstatt ihrer sieht man
dann. einen Streifen, sich von jeder Seite des Schiffes schräg nach hinten
streckend. Der eine Streifen (an der Windseite) mag auch wegen Wellen un-
sichtbar sein. Die Wasseroberfläche zwischen dem Schiffe und den Streifen ist
ylatt und nicht vom Winde gekräuselt. Die Steuerfähigkeit ist dann ganz ver-
loren, und das Schiff dreht sich in der Richtung des Oberflächenstromes. Es
ist, als ob etwas an dem Schiffe steckte und es zurückhielte. Wenn der Wind
wächst, so treten dieselben Erscheinungen auf, nur natürlicherweise in entgegen-
yesetzter Ordnung. Zuerst sieht man den einzelnen schrägen Streifen, der sich
allmählich von vorn nach hinten versetzt; wenn er das Hinterschiff verläßt,
bilden sich die drei früher erwähnten Streifen quer .zum Kielwasser. Je nach-
dem die Fahrt des Schiffes wächst, entfernen sie sich allmählich, und wenn sie
anderthalb oder zwei Schiffslängen entfernt sind, wird das Schiff plötzlich vom
Totwasser frei. Die Streifen bleiben aber zurück, und wenn das Schiff hinweg-
segelt, verschwinden sie, zur großen Zufriedenheit der Seeleute, in der Ferne.“
„Um das Schiff vom Totwasser zu befreien, ist im allgemeinen eine
größere Windstärke nötig, als die, welche herrschte, wenn es in Totwasser
fiel. Auch wird es leichter von einem plötzlichen als von einem allmäh-
lichen Zunehmen des Windes befreit, so daß im ersteren Fall ein geringeres
Zunehmen als im letzteren Fall genügt. Wenn ungeladen, wurde mein Schiff
nur in sehr schwachem Winde vom Totwasser beeinflußt, und bei dem geringsten
Zunehmen des Windes wurde es wieder frei. Andere, weniger tiefgehende
Schiffe wurden auch in geringerem Grade, tiefer eintauchende Schiffe dagegen
mehr beeinflußt.“
Herr Joh. Kroepelin, Kommandörkepten der norwegischen Marine,
hat den folgenden sehr charakteristischen Fall mitgeteilt. Er geschah im
Varanger-Fjord im Jahre 1857, als der Erzähler als junger Offizier sich am
Bord des sehr gut segelnden Schoners „Sleipner“ befand. „Am Morgen des
3. Juli lagen wir vor Anker im dem schmalen Bög-Fjord, der von Süden in
den Varanger-Fjord mündet. Unser Ankerplatz war an der Südseite der
Renn-Insel vor der Mündung des Pasvik-Stromes. Um 6,30 Uhr des Morgens
lichteten wir Anker, um aus dem Bög-Fjord zu kreuzen. Den ganzen Vor-
mittag bis 2 Uhr herrschte nördlicher Wind (Windstärke = 2 oder vielleicht
ein wenig mehr); den vorhergehenden Tag war der Wind nur schwach (Wind-
stärke = 1), vormittags südwestlich, abends nördlich. Wir hatten Großsegel,
Toppsegel, Bramsegel und Klüver gesetzt und machten bald eine gute Fahrt
bei dem Winde auf westsüdwestlichem Kurse gegen die Skoger-Insel. Die
Segel standen gespannt in der frischen Brise, und obgleich das Schiff ziemlich
steif war, krängte es doch etwas. Nach einer Weile verlor aber das Schiff
plötzlich seine Fahrt ohne irgend eine‘ merkbare äußere Ursache, und das
Steuerruder blieb ganz ohne Wirkung.“ ;
„Wir bemerkten dann, daß das Schiff vom Totwasser gefaßt war, .Es’ war
nach hinten und von ungefähr mittschiffs nach beiden Seiten von einer toten,
ganz wie mit Öl bedeckten Wassermenge umgeben... Die Grenzlinie zwischen
dieser ebenen Oberfläche: und dem von der Brise stark gekräuselten Wasser
außerhalb derselben schien wie erregte Stromkabbelungen, Das von denselben
entstandene Geräusch war so laut, daß man wohl glauben könnte, in der Nähe
eines Wasserfalles zu sein. Ich erinnere mich nichts betreffs des Kielwassers,
und ich glaube nicht, daß dieses in irgend einer Weise sonderbar war. Das
Steuerruder war ganz machtlos; wir mußten das Schiff mit den Segeln und
durch Bugsieren in zwei Kähnen manövrieren und segelten so mit einer Fahrt
von 1 bis 2 Knoten. Nach ein paar Stunden wurden wir plötzlich wieder frei,
ohne daß wir die Ursache verstehen. konnten. Der Wind war. nämlich : die
ranze Zeit. derselbe; und wir hatten. uns bemüht, das Schiff immer in einem