Ekman, Walfrid V.: Über Totwasser.
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lungen darüber sich natürlich nicht durch ganz übereinstimmende, genaue Be-
obachtungen auszeichnen, so jst es nicht zu verwundern, daß die ganze Sache
oft bezweifelt worden ist. Das dreimalige Eintreten von ungewöhnlich starkem
Totwasser, das das Polarschiff „Fram“ in. seinem Vordringen in westlicher
Richtung längs der sibirischen Küste verzögerte, erregte Dr. Nansens leb-
haftes Interesse und den Wunsch, daß die Erscheinung untersucht werde, und
wurde so die indirekte Ursache der Untersuchung derselben.!) Von der Redaktion
dazu veranlaßt, will ich die Leser dieser Zeitschrift mit den Hauptergebnissen
jener Untersuchung bekannt machen. :
Eine Sammlung von über 40 schriftlichen Schilderungen von Totwasser
ist mir von verschiedenen Seiten, besonders von Seeleuten, zugegangen; diese
sind zum größten Teil im obengenannten Werke wörtlich wiedergegeben. Sämt-
liche Erzählungen stimmen darin überein, daß Totwasser nur in der Nähe der
Küsten vorkommt, wo das salzige Meerwasser oft von einer Schicht von
leichterem Flußwasser oder Brackwasser bedeckt ist. Die Dicke dieser
leichteren Schicht ist auch von großer Bedeutung, wie es sich z. B. an der
Mündung des Glommen, des größten Flusses Norwegens, zeigt. Hier tritt
das Totwasser sehr gewaltig auf und ist ein beträchtliches Hindernis für die
große Lastfahrt mit bugsierten Schiffen. Im Winter, wenn der Fluß wasserarm
ist, tritt es nur im Flusse selbst auf, im Sommer aber, wenn die Wassermenge
G- bis 10mal größer ist, tritt es hauptsächlich in den Mündungsarmen auf, ja
sogar bis 20 km in die See hinaus, und zwar werden kleinere Fahrzeuge an
den vom Flusse entfernteren Plätzen davon beeinflußt, die größeren, tiefer
gehenden aber, weiter aufwärts im Flusse da,‘ wo die Flußwasserschicht
tiefer ist. ;
Nicht alle Fahrzeuge werden vom Totwasser ergriffen an den Plätzen, wo das
Phänomen sonst vorkommt; es ist dazu erforderlich, daß das Fahrzeug an sich
nur eine ziemlich gemäßigte Fahrt hat. Im allgemeinen fühlen - sich die nor-
wegischen Seeleute sicher gegen Totwasser, solange die Fahrt nicht unter eine
gewisse Grenze — z. B. 4 oder 5 Knoten — fällt. Dampfschiffe sind daher nur
ausnahmsweise, bugsierte Schiffe‘ dagegen sehr, oft den Wirkungen des Tot-
wassers ausgesetzt. Segelschiffe verfallen vorzugsweise dem Totwasser, wenn
der Wind schwach wird, oder auch bei einer Drehung des Schiffes; um wieder
frei davon zu werden, ist im allgemeinen (doch nicht immer) ein stärkerer
Wind nötig als der, bei welchem das Schiff dem Totwasser verfiel. Dem Tot-
wasser ist es eigentümlich, daß es immer ziemlich plötzlich auftritt, und es
geschieht ebenso plötzlich, daß das Fahrzeug wieder frei wird. Segelschiffe
und bugsierte Schiffe werden ihrer Steuerfähigkeit beraubt, Schraubendampfer
dagegen nicht. '
Bisweilen hat man hinter einem Schiffe, das in Totwasser gesegelt hat,
rechtwinklig über seinem Kielwasser mehrere Streifen gesehen, die den Grenzen
zwischen verschiedenen Strömen (sogenannten Siromkabbelungen) ähnlich waren;
noch öfter sieht man zwei solche Streifen schräg nach hinten von den beiden
Seiten des Schiffes aus sich strecken. Das Wasser zunächst rings um das
Achterschiff scheint dem Schiffe mitzufolgen, und daß dies gewissermaßen
wirklich der Fall ist, erkennt man daran, daß, wenn ein Ruderboot mitgeschleppt
wird, es dicht an das Schiff herangesaugt zu werden pflegt. Das Totwasser
wird daher oft von den Seeleuten auf die Weise erklärt, „daß das Schiff ein
großes Stück des. Oberflächenwassers mitschleppen müsse und daher seiner
Fahrt beraubt sei“.
Die soeben genannten Streifen sind nicht immer beobachtet worden,
und überhaupt sind die Mitteilungen über das Aussehen des Wassers und
andere Einzelheiten ziemlich variierend. Zum Teil beruht dies wohl auf wirk-
lichen Verschiedenheiten des Phänomens, zum Teil aber auf Ungenauigkeit
der Beobachtungen. ,
Eine lebendige Vorstellung der Erscheinung wird daher am besten durch
wörtliche Anführung einiger charakteristischen und glaubwürdigen Erzählungen
erreicht. Ich habe sie nur abgekürzt wiedergegeben, und die Auswahl der-
7 1) The Norwegian North Polar Expedition 1893—1896, Scientific Results, Vol. V. Nr. XV:
On Dead water &c. by V. Walfrid Ekman, with a preface by Professor Vilhelm Bjerknes.