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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Ekman, Walfrid V.: Über Totwasser. 
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lungen darüber sich natürlich nicht durch ganz übereinstimmende, genaue Be- 
obachtungen auszeichnen, so jst es nicht zu verwundern, daß die ganze Sache 
oft bezweifelt worden ist. Das dreimalige Eintreten von ungewöhnlich starkem 
Totwasser, das das Polarschiff „Fram“ in. seinem Vordringen in westlicher 
Richtung längs der sibirischen Küste verzögerte, erregte Dr. Nansens leb- 
haftes Interesse und den Wunsch, daß die Erscheinung untersucht werde, und 
wurde so die indirekte Ursache der Untersuchung derselben.!) Von der Redaktion 
dazu veranlaßt, will ich die Leser dieser Zeitschrift mit den Hauptergebnissen 
jener Untersuchung bekannt machen. : 
Eine Sammlung von über 40 schriftlichen Schilderungen von Totwasser 
ist mir von verschiedenen Seiten, besonders von Seeleuten, zugegangen; diese 
sind zum größten Teil im obengenannten Werke wörtlich wiedergegeben. Sämt- 
liche Erzählungen stimmen darin überein, daß Totwasser nur in der Nähe der 
Küsten vorkommt, wo das salzige Meerwasser oft von einer Schicht von 
leichterem Flußwasser oder Brackwasser bedeckt ist. Die Dicke dieser 
leichteren Schicht ist auch von großer Bedeutung, wie es sich z. B. an der 
Mündung des Glommen, des größten Flusses Norwegens, zeigt. Hier tritt 
das Totwasser sehr gewaltig auf und ist ein beträchtliches Hindernis für die 
große Lastfahrt mit bugsierten Schiffen. Im Winter, wenn der Fluß wasserarm 
ist, tritt es nur im Flusse selbst auf, im Sommer aber, wenn die Wassermenge 
G- bis 10mal größer ist, tritt es hauptsächlich in den Mündungsarmen auf, ja 
sogar bis 20 km in die See hinaus, und zwar werden kleinere Fahrzeuge an 
den vom Flusse entfernteren Plätzen davon beeinflußt, die größeren, tiefer 
gehenden aber, weiter aufwärts im Flusse da,‘ wo die Flußwasserschicht 
tiefer ist. ; 
Nicht alle Fahrzeuge werden vom Totwasser ergriffen an den Plätzen, wo das 
Phänomen sonst vorkommt; es ist dazu erforderlich, daß das Fahrzeug an sich 
nur eine ziemlich gemäßigte Fahrt hat. Im allgemeinen fühlen - sich die nor- 
wegischen Seeleute sicher gegen Totwasser, solange die Fahrt nicht unter eine 
gewisse Grenze — z. B. 4 oder 5 Knoten — fällt. Dampfschiffe sind daher nur 
ausnahmsweise, bugsierte Schiffe‘ dagegen sehr, oft den Wirkungen des Tot- 
wassers ausgesetzt. Segelschiffe verfallen vorzugsweise dem Totwasser, wenn 
der Wind schwach wird, oder auch bei einer Drehung des Schiffes; um wieder 
frei davon zu werden, ist im allgemeinen (doch nicht immer) ein stärkerer 
Wind nötig als der, bei welchem das Schiff dem Totwasser verfiel. Dem Tot- 
wasser ist es eigentümlich, daß es immer ziemlich plötzlich auftritt, und es 
geschieht ebenso plötzlich, daß das Fahrzeug wieder frei wird. Segelschiffe 
und bugsierte Schiffe werden ihrer Steuerfähigkeit beraubt, Schraubendampfer 
dagegen nicht. ' 
Bisweilen hat man hinter einem Schiffe, das in Totwasser gesegelt hat, 
rechtwinklig über seinem Kielwasser mehrere Streifen gesehen, die den Grenzen 
zwischen verschiedenen Strömen (sogenannten Siromkabbelungen) ähnlich waren; 
noch öfter sieht man zwei solche Streifen schräg nach hinten von den beiden 
Seiten des Schiffes aus sich strecken. Das Wasser zunächst rings um das 
Achterschiff scheint dem Schiffe mitzufolgen, und daß dies gewissermaßen 
wirklich der Fall ist, erkennt man daran, daß, wenn ein Ruderboot mitgeschleppt 
wird, es dicht an das Schiff herangesaugt zu werden pflegt. Das Totwasser 
wird daher oft von den Seeleuten auf die Weise erklärt, „daß das Schiff ein 
großes Stück des. Oberflächenwassers mitschleppen müsse und daher seiner 
Fahrt beraubt sei“. 
Die soeben genannten Streifen sind nicht immer beobachtet worden, 
und überhaupt sind die Mitteilungen über das Aussehen des Wassers und 
andere Einzelheiten ziemlich variierend. Zum Teil beruht dies wohl auf wirk- 
lichen Verschiedenheiten des Phänomens, zum Teil aber auf Ungenauigkeit 
der Beobachtungen. , 
Eine lebendige Vorstellung der Erscheinung wird daher am besten durch 
wörtliche Anführung einiger charakteristischen und glaubwürdigen Erzählungen 
erreicht. Ich habe sie nur abgekürzt wiedergegeben, und die Auswahl der- 
7 1) The Norwegian North Polar Expedition 1893—1896, Scientific Results, Vol. V. Nr. XV: 
On Dead water &c. by V. Walfrid Ekman, with a preface by Professor Vilhelm Bjerknes.
	        
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