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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

562 Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1904. 
gespült. Auch der noch vorhandene Teil des Deiches hat schwer gelitten. Der 
Schaden wird auf mindestens 600 000 Mk. geschätzt. 
Zum Sturm im Kanal wird unter dem 10. November aus London 
gemeldet: Der Sturm auf dem Kanal war heute noch schlimmer als gestern 
and vorgestern. Die Dampfer, die über den Kanal fuhren, hatten sehr schlechte 
Überfahrten, und die Passagiere, die die Reise um einen oder zwei Tage ver- 
schieben konnten, zogen dies einer sofortigen Überfahrt vor, besonders die- 
jenigen, die böse Erfahrungen mit den Kanaldampfern bei solchen Stürmen 
gemacht haben. Von allen Seiten trafen Telegramme ein, die meldeten, daß 
der Sturm während der Nacht und des Vormittags noch immer stärker werde, 
und daß die See teilweise außergewöhnlich sehr hoch gehe. Besonders die 
Dampfer der Gesellschaft, die den Verkehr zwischen Queenborough und Vlissingen 
besorgt, hatten über furchtbare Überfahrten zu klagen. Die „Königin Regentes“ 
z. B. kam in Sheerness mit einer Verspätung von über drei Stunden an. Eine 
große Anzahl Schiffe, die den Küstendienst tun, suchte eiligst im Medway Zuflucht. 
Die verschiedentlich beabsichtigte Dekoration der Schiffe zu des Königs Geburtstag 
mußte unterbleiben. Bei Calais wurde ein englisches Eischerboot ans Land ge- 
jrieben, und es scheint, daß dieses Boot als vollkommen verloren aufgegeben 
werden muß. In Nord-Wales scheint der Sturm ganz besonders viel Schaden 
angerichtet zu haben. Das Wetter tobt dort den letzten Nachrichten zufolge 
in einer ganz fürchterlichen Weise weiter. Das Meer geht an allen englischen 
und schottischen Küsten und auch an der Westküste von Irland außer- 
ordentlich hoch. — 
London, den 10, November. Der Sturm hat noch an Heftigkeit zu- 
genommen; die Schiffe treffen mit großen Verspätungen ein, viele Schiffsunfälle 
werden gemeldet, und verschiedene Telegraphenlinien, besonders nach Frankreich, 
sind unterbrochen worden. 
Nach einer neuerlichen Zählung sind bei der letzten Sturmflut in der 
Gegend von Kollmar 42 Ochsen und 3 Schafe in den Wellen umgekommen. 
Seit Menschengedenken ist bei einer Sturmflut nicht so viel Vieh verloren ge- 
yangen wie diesmal. KEinzelne Besitzer erleiden einen Schaden von reichlich 
3000 Mk. — 
München, den 9. November. Der Sturm, der auf das warme gestrige 
Wetter folgte, hat die ganze Nacht in der Stadt gewütet und fegt auch heute 
noch, zeitweise mit nahezu wilder Gewalt, durch die Straßen. Verschiedene 
Unfälle sind zu verzeichnen, deren genauere Chronik noch aussteht. Wie der 
Sturm die freien Anlagen der Vorstädte verheert hat, läßt sich denken. 
Hirschberg ı. -Schl., den 10. Noveınber. Furchtbare Regengüsse und 
ein gewaltiger Sturm richteten gestern im Riesengebirge großen Schaden an. 
Die Gebirgsflüsse überfiuten stellenweise die Ufer. Im Hochgebirge trat heute 
Schneefall ein; der Regen hat jetzt aufgehört, das Wasser fällt. 
Wien, den 10. November. Seit gestern wütet hier mit kurzen Unter- 
brechungen ein heftiger Sturm, der vielfachen Materialschaden anrichtete. 
Mehrere Personen erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen. 
Über Totwasser. 
{Hierzu Tafel 26 und 27.) 
Das Wort Totwasser — selbst eine Übersetzung des norwegischen 
„Dödvand“ — wird dem Leser auch durch einige Artikel in dem laufenden 
Jahrgange dieser Zeitschrift (S. 20, 128 u. 309) schon bekannt sein. Es be- 
deutet eine von den Seeleuten oft erwähnte Erscheinung, die scheinbar ohne 
wahrnehmbaren Grund den Verlust der Steuerfähigkeit des Schiffes verursacht, 
oder auch das Schiff seiner Fahrt beinahe vollständig beraubt. Gleichzeitig 
mit diesem Vorgang zeigt die umgebende Wasseroberfläche ein eigentümliches 
Aussehen. Aber so kräftig und augenfällig seine hindernden Wirkungen auf das 
Schiff sind, ebenso unerklärlich erscheint das Phänomen: und da die Mittei-
	        
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