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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Bebber, W. J.: Bemerkenswerte Stürme. 
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Bemerkenswerte Stürme. 
Weitere Folge. 
II. Sturm vom 8. und 9. November 1904. 
Von Prof. Dr. W. J. van Bebber., ; 
(Hierzu Tafel 25.) 
Der Sturm vom 8. und 9. November ist bemerkenswert durch seine Dauer 
und seine Heftigkeit. Hervorzuheben ist die ihn begleitende ungewöhnlich hohe 
Sturmflut, welche im Nordseegebiete vielfach sehr erhebliche Schäden verursachte. 
Nach unserer Wetterkarte (Fig. 1, Tafel 25) lag am Morgen des‘ 7. November 
ein Minimum von mäßiger Tiefe über Irland, starke Nordwestwinde auf seiner West- 
seite verursachend; eine andere Depression lagerte auf dem Ozean nordwestlich 
von Schottland; barometrische Maxima befanden. sich über Südwesteuropa und 
über Nordwestösterreich. Der Wirkungskreis des zuerst genannten Minimums 
hatte sich über den größten Teil der britischen Inseln und über das Nordsee- 
gebiet ausgebreitet; an der deutschen Küste herrschte ruhiges Wetter, nur an 
der ostpreußischen wehten unter dem Einflusse einer tiefen Depression, deren 
Kern am Weißen Meere lag, starke nordwestliche Winde. . 
Bis zum Nachmittage (2 Uhr des 7.) hatte sich die Depression ostwärts von 
Irland bis zur Nordsee fortgepflanzt, wobei die Nordwestwinde an der irischen 
Küste einen stürmischen Charakter angenommen hatten. Zu Valencia war seit 
dem ‚Morgen (8 Uhr) das Barometer um 10 mm gestiegen, dagegen zu Shields 
um 7, zu Helder um 5, zu Borkum um 4 mm gefallen. An der deutschen Küste 
wehten überall schwache Winde, im Westen aus südlicher, im Osten aus nord- 
westlicher Richtung. 
Am Abend (des 7.) nahm die Wetterlage einen gefahrdrohenden Charakter 
an, indem das Minimum mitten über der Nordsee lag, wobei die nordwestlichen 
Winde über "den britischen Inseln bis zum Sturme aufgefrischt waren (siehe 
Nebenkärtchen zu Fig. 1). 
In der Nacht vom 7. auf den 8. November setzten an der westdeutschen 
Küste starke Böen ein, welche überall von Regen, stellenweise auch von 
Graupeln begleitet waren. Fig. 2 zeigt die Wetterlage am Morgen des 8, No- 
vember, das Nebenkärtchen diejenige von 8 Uhr abends desselben Tages. 
Am 8. November morgens liegt das Minimum mit einer Tiefe von unter 
7135 mm am Westeingange des Skagerraks, gegenüber einem Hochdruckgebiete, 
dessen Kern mit über 770 mm über Südwesteuropa lagert. Auf der Südseite 
des Minimums wehen bis zum Alpengebiet starke bis stürmische westliche und 
nordwestliche, auf den britischen Inseln steife. westliche und südwestliche Winde, 
während an der deutschen Ostseeküste die Winde ‚stark aufgefrischt sind. An 
der deutschen Nordsee weht voller Sturm aus Nordwest. ; 
In Anbetracht der drohenden Gefahr erschien es zweckmäßig, für die 
deutsche Ostseeküste eine Warnung anzuordnen; diese erfolgte um 9'414 Uhr 
morgens: 
„Tiefes Minimum, ostwärts fortschreitend macht stürmische 
rechtdrehende Winde wahrscheinlich. Signal: Südweststurm 
rechtdrehend. Seewarte.“ 
Von einer Warnung für die Nordsee mußte abgesehen werden, da hier 
am 8. morgens der Sturm sich schon vollständig entwickelt hatte. ‘ Diese 
Warnung entsprach vollkommen. den nachfolgenden Tatbeständen. Im Laufe 
des Tages schritt das Minimum ostwärts fort, wobei die Winde an der deutschen 
Ostseeküste einen stürmischen Charakter annahmen und langsam von SW nach 
NW drehten. ; 
Nach Vorübergang des Minimums fanden an vielen Orten elektrische 
Entladungen statt, vielfach auch wurde Graupelfall beobachtet.
	        
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