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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

558 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1904, 
Randströme, ganz wie bei den hydrodynamischen Bildern; .auch dieselben 
Formen des Schleppenumfanges zeigen sich, soweit das Gesichtsfeld reicht. 
Da endlich das tatsächliche Vorhandensein der Wirbelung von L. Mach be- 
obachtet und früher von E. Mach und P. Salcher photographisch bewiesen 
worden ist, scheint die Annahme, daß die Widerstandsströmungen in der 
Luft und im Wasser prinzipiell übereinstimmen, vollauf gerechtfertigt, 
so daß die hydrodynamischen Befunde ohne weiteres auch auf a&gro- 
dynamische Fragen angewandt werden können. 
Die bisher mitgeteilten Untersuchungen geben immer nur Ansichten 
von Durchschnitten des Widerstandssysatems in der Ebene, während doch das 
Gesamtproblem ein räumliches ist, Wir können uns nicht damit begnügen, zu 
ermitteln, wie sich der Druck in dem am Niveau liegenden Querschnitt des 
Versuchskörpers gestaltet, sondern die vollständige Lösung der Aufgabe fordert 
die Angabe, wie groß in jedem Punkt der benetzten Körperfläche die Wirkung 
des Mediums ist. 
Anhaltspunkte hierfür liefert die Photographie der Strömungen im Innern 
des Wassers, die uns überall das Auftreffen des Stromes und den Abfluß von 
dem Punkte des maximalen Druckes zeigt, ebenso den geschlossenen Wirbel- 
ring an der Rückseite, den der vordere achsiale Wasserstrahl, der über die 
Ränder abfließt, glockenförmig umschließt und antreibt. Die Form des Wirbels 
hängt durchaus von der Gestalt dieser fließenden Glocke ab, die die einge- 
schlossene Wassermasse in Bewegung setzt und deren Rotation unterhält. Die 
Form der Glocke selbst ist aber nur durch die Form der Versuchsplatte und 
die Strömungsgeschwindigkeit bedingt, und man kann sie allein obne den um- 
schlossenen Wasserwirbelring demonstrieren, indem man die Platte einem hin- 
veichend starken Wasserstrahl aussetzt; hierdurch wird dieser genötigt, die 
zugehörige Glockenform zu beschreiben, allerdings meist nur die vordere 
[mfangsgestalt, die aber nach den photographischen Aufnahmen die Ergänzung 
des ganzen Wirbels gestattet, so daß der ganze dreidimensionale Strömungs- 
komplex anschaulich dargestellt werden kann. Von hier aus ist es nicht 
schwer, die Verteilung der Widerstandskräfte unter Benutzung der Stau- und 
Depressionslinien räumlich durch Modelle wiederzugeben, die die relative 
Größe des Druckes und der Saugwirkung in jedem Punkte der Oberfläche der 
Versuchsplatten darstellen. Ihre Oberflächen führen alle Einzelheiten, die 
Maxima und Minima, die Zu- und Abnahme des Druckes durch Erhöhungen 
und Vertiefungen sowie durch die Flächenneigung anschaulich vor. Ihre Ordi- 
naten geben die Höhe des Druckes für jeden Punkt der Platte in Wasser- 
säulen an; ihr Volumen in Kubikzentimetern gibt den Gesamtwiderstand in 
Grammen, und ihr Schwerpunkt ist der Angriffspunkt der Resultante dieses 
Widerstandes, 
Diese hydrodynamischen Reliefs lassen sich leicht auf den Luftwiderstand 
übertragen, insofern bei den meisten praktischen Versuchen in ausgedehnten 
Flüssigkeitsmassen der von den Beschleunigungen der Flüssigkeit herrührende 
Widerstand überwiegt und die Zusammendrückbarkeit der Luft bei nicht sehr 
großen Geschwindigkeiten nicht berücksichtigt zu werden braucht. Man darf 
deshalb bei gleicher Geschwindigkeit die Widerstände des Wassers und der 
Luft ihren Dichten proportional setzen, die angenähert im Verhältnis von 
750: 1 stehen. Erhöht man also die Ordinaten auf das 750fache, so ist das 
Relief des Widerstandes im Wasser zugleich für den Luftwiderstand gültig. 
Die im Vorhergehenden gegebene Darstellung der Versuchsmethoden 
und der wichtigsten der durch sie gewonnenen Ergebnisse, deren Bedeutung 
für die Wissenschaft und Technik im vollen Umfange noch gar nicht zu über- 
sehen ist, hat ihren Zweck erfüllt, wenn sie zum Studium der höchst inter- 
essanten Originalabhandlungen Ahlborns anregt, die, soweit sich dies jetzt 
schon beurteilen läßt, für die weitere Entwicklung der experimentellen 
Forschung auf dem schwierigen Gebiete der Hydrodynamik und Aerodynamik 
von grundlegender Bedeutung sind und durch die auch die mathematische Theorie 
dieser Disziplinen voraussichtlich in neue Bahnen gelenkt werden wird,
	        
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