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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

v. Hasenkamp, H.: F. Ahlborns Untersuchungen etc. des bydrodynamischen Widerstandes, 557 
Endlich wird man auch die untergetauchten Fahrzeuge, z. B. Untersee- 
boote und Torpedos und andere im flüssigen Medium bewegte Körper, der 
Untersuchung zu unterziehen haben, woran sich die Widerstandserscheinungen 
der Geschosse anschließen, die schon durch die photographischen Aufnahmen 
von E. Mach und P. Salcher, sowie L. Mach und anderen veranschaulicht 
worden sind. % , | . 
Die im Vorstehenden stillschweigend gemachte Voraussetzung einer Über- 
tragbarkeit der Widerstandserscheinungen im Wasser auf die Luft ist keines- 
wegs selbstverständlich, da ja die Luft in hohem Grade zusammendrückbar 
und elastisch ist, während. dem Wasser diese Eigenschaften nur in’ äußerst 
geringem Maße zukommen. . Wenn. auch sicher solche aus der Natur des 
Mediums sich ergebenden Kompressionen stattfinden, so haben sie doch in den 
meisten Fällen. einen so geringen Einfluß, daß sie praktisch ganz vernach- 
lässigt werden können. Die stärksten Orkane rufen an feststehenden Hinder- 
nissen keine merkliche Steigerung der Luftspannung hervor. Selbst ein Luft- 
strom von 100 m sec-! Geschwindigkeit bewirkt nach v. Lößl erst eine Er- 
höhung des Atmosphärendruckes um 12%, wenn vor dem Hindernis ein Stau- 
hügel liegt. Erst bei Geschossen mit Geschwindigkeiten von mehreren 100 m 
würden sich Spannungen von 2 bis 3 Atmosphären zeigen, die einer Kompression 
auf die Hälfte und ein Drittel des Volumens entsprechen. Dabei ist aber vor- 
ausgesetzt, daß der ganze Widerstand nur an der Vorderseite als Verdrängungs- 
widerstand auftritt. Da aber ein beträchtlicher Teil durch die Saugung be- 
wirkt wird, ist die Spannung vorn noch geringer und es finden auch an der 
Rückseite entsprechende Verdünnungen statt, deren Größe und Umfang von 
der Art abhängt, wie die Luft wieder in den Raum hinter dem Geschoß ein- 
strömt. .Die Wahrscheinlichkeit, daß dies im Prinzip ebenso erfolgt wie bei 
den mit geringerer Geschwindigkeit ausgeführten hydrodynamischen Versuchen, 
wird durch die von L. Mach hergestellten photographischen. Aufnahmen 
fiegender Geschosse bestätigt. Sie zeigen den ganzen zylindrischen Raum der 
Schleppe hinter dem Geschoß von einem Wirbelsystem erfüllt, das mit dem 
hydrodynamischen Wirbelring des Depressionsgebietes im wesentlichen .über- 
einstimmt. 
Abgesehen von dem Widerstand der Geschosse, übt die Zusammendrück- 
barkeit der Luft keinen merklichen Einfluß auf die Widerstandsströmungen im 
unbegrenzten Raume aus. Es ist deshalb mit Grund anzunehmen, daß die 
Widerstandserscheinungen flüssiger und gasförmiger Medien prinzipiell gleicher 
Art sein werden, eine Annahme, die durch die Aufnahmen von Mach (Zeit- 
schrift für Luftschiffahrt 1896, Seite 129) bestätigt wird. ‘ 
Mach benutzte einen Luftstrom, der in einem Rohre von 18 >< 25 cm 
Querschnitt durch eine Turbine erzeugt war und durch eine Heizvorrichtung 
einen optisch differenten Charakter erhielt. Die Stromlinien, die durch Hinder- 
nisse von verschiedener Querschnittsform hervorgerufen wurden, photographierte 
er dann bei durchfallendem Magnesiumlicht nach der Schlierenmethode. Die 
erhaltenen Aufnahmen zeigen die vollkommene Homologie der 
Widerstandsströmungen in Wasser und Luft. 
Zwar haben die Stromlinien hier ein krauseres Aussehen uhd die Wirbel- 
bildungen hinter den Körpern sind, wenn überhaupt, nur schwach angedeutet; 
doch sind diese Mängel offenbar nur in der Methode begründet, insofern die 
ungleichmäßige Erwärmung der Luft und die fließende Bewegung in einem 
engen Kanal eine gewisse Unruhe in den Strom bringen, die bei den hydro- 
dynamischen Versuchen Ahlborns wegfallen. Die geringe Deutlichkeit der 
Wirbelung aber hat ihren Grund darin, daß durch sie selbst die ursprünglichen 
optischen Differenzen der Luftteilchen rasch ausgeglichen werden.. 
Hieran leiden auch die von Marey ausgeführten Versuche, die Strom- 
linien durch feine Rauchfäden sichtbar zu machen und diese zu photographieren. 
Diese Aufnahmen zeigen ebenfalls an der Vorderseite der Tafeln dasselbe Ver- 
halten wie die Widerstandsströmungen des Wassers, die Verhältnisse an der 
Rückseite aber bleiben wegen der Verwischung der Rauchfäden durch die 
Wirbelung unklar. Auch bei den Aufnahmen Mareys, wie bei denen von 
Mach, zeigt sich die Teilung des Stromes vor dem Hindernis, die Verschiebung 
des Stromteilungspunktes an der Tafel bei schräger Stellung, die Bildung der
	        
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