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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1904.
lich auch an den Seitenrändern vorhanden. Das absolute Minimum des Wider-
standsdruckes liegt also theoretisch in einer nahe dem Oberrande und parallel
mit ihm verlaufenden Strecke, die in geringer Entfernung von dem Seitenrande
endet. Von dieser Strecke nimmt die Depression nach allen Richtungen ab.
Der saugende Widerstand an den Ecken muß auch hier kleiner sein als an den
Rändern und am kleinsten an den unteren Ecken. Am Schlusse dieses Teils
seiner Untersuchungen geht Ahlborn noch kurz auf die Frage ein, welche
Änderungen der Widerstandsverhältnisse eintreten werden, wenn die am oberen
oder unteren Rande gemessene Länge der Tafel variiert wird.
Denkt man sich wieder, die Verlängerung sei dadurch zustande gekommen,
daß die Tafel in der Mitte durchschnitten und ein Spaltstück von der Länge a
eingesetzt sei, so tritt keine Anderung in den Strömungsverhältnissen über
beiden Hälften ein; sie bleiben an dem Spaltstück ebenso, wie sie vorher an
der Mittellinie waren. Es verlängert sich also an der Vorderseite nur die Linie
des Hochdruckmaximums und an der Hinterseite der Wirbel die Berührungs-
linie und die Linie des Maximums um die Strecke a, ohne daß eine Deformation
der genannten Linien eintritt, da die Abflußverhältnisse über dem Spaltstück
dieselben bleiben, wie vorher über dem mittleren Flächenstück, Der Gesamt-
widerstand, den das Spaltstück erführe, wenn es allein dem Strom ausgesetzt
würde, müßte kleiner sein, als wenn es in die Tafel eingeschaltet ist, da dann
an den Seitenrändern Druckverluste eintreten, die an der eingeschalteten Fläche
nicht stattfinden. Ebenso würde der für sich gewesene Gesamtwiderstand des
eingeschalteten Stückes verhältnismäßig größer sein als der der Hälften der
ursprünglichen Tafel, da diese Randverluste hat und jenes nicht,
Es ist dies in Einklang mit den Messungen von Lößls, der gefunden
hat, daß sich die Widerstände zweier Rechtecke von gleichem Inhalt wie 92:74
verhalten, wenn das Verhältnis von Länge und Breite bei der ersten Tafel 2:1
und bei der zweiten 4:1 ist.
Bei einer schräg gestellten rechteckigen Tafel, die in ähnlicher Weise
verkürzt ist, wie oben für die Verlängerung angenommen wurde, wird der Ge-
samtwiderstand in stärkerem Grade vermindert, als dem verringerten Flächen-
inhalt entsprechen würde, weil die Verkürzung ebenso wirkt wie die Ausschal-
tung eines mittleren Flächenstückes, das ohne seitlichen Randverlust einen
maximalen Widerstandsdruck erfährt. Hierdurch erklärt sich die längst bekannte
Tatsache, daß solche Flächen bei schräger Neigung einen geringeren Widerstand
erfahren als Rechtecke, die mit der langen Seite normal zum Strom gestellt
sind. Man erkennt ferner leicht, daß die Vergrößerung einer schrägen Tafel
verschiedenen Widerstand hervorruft, je nachdem sie durch Verbreiterung oder
durch Verlängerung bewirkt wird. Die Verlängerung in der Richtung des
Vorderrandes ist einer Verlängerung des maximalen Widerstandsgebietes gleich
zu setzen und daher für die Herstellung eines größeren Widerstandes vorteil-
hafter als die Verbreiterung der Tafel. Deshalb sind dreieckige Segel, die
ihre langen Seiten dem Winde zukehren, vielfach im Gebrauch und von guter
Wirkung beim Aufkreuzen gegen den Wind, wo sich breite Segel auch bei
stärkerem Abfallen weniger vorteilhaft erweisen. In der Natur selbst zeigt sich
dies Prinzip in der langgestreckten Gestalt der Flügel und der isolierten
Schwungfedern realisiert, die den Vögeln zur Ausnutzung des Widerstandes für
kleine Neigungswinkel dienen.
Analyse des Widerstandes durch Stauversuche,
Die bisherigen Untersuchungen geben eine Übersicht über die Gesamt-
heit der von einem festen flächenhaften Körper in einer Flüssigkeit hervor-
gerufenen Bewegungen. Der Verlauf der Strömungslinien ermöglichte die
Geschwindigkeit an den verschiedenen Stellen des Widerstandsgebietes zu ver-
folgen und Heß die Druckverteilung erkennen, die den Komplex der Wider-
standsströmungen unterhält und regelt. Auf den Lichtbildern ließen sich die
Maxima und Minima des Druckes ihrer Lage nach bestimmen und die Wege
erkennen, in denen die Flüssigkeit den Druckdifferenzen folgt, und aus der
Gesamtheit der beobachteten Erscheinungen ergab sich eine mechanisch be-
gründete Vorstellung über den an der Oberfläche des Versuchskörpers auf-