Die Witterung an der deutschen Küste im November 1903,
47
Witterung am 21. bis 25. bezw. ostwärts der Oder bis 26. Die höchsten täg-
lichen- Temperaturen zeigten in ihrem Verlaufe bis über Monatsmitte hinaus
sehr wenig Änderung von Tag zu Tag, nach verschiedenartigem Verlauf in den
arsten Tagen vom 4. meist bis 19. ganz überwiegend stetige geringfügige Ab-
nahme, nur selten durch kurzes Steigen unterbrochen; hierauf folgte eine
stärkere Zunahme bis zum 24, oder 25. und sodann meist noch stärkeres Sinken
von etwa gleicher Dauer, worauf die letzten Tage wenig weitere Anderung
herbeiführten. — Die Temperatur schwankte zwischen — 7,7°, dem Minimum
von Neufahrwasser, und 12,1°, dem Maximum von Keitum, also um 19,8°,
während die kleinste Schwankung gleich 11,4° in Swinemünde und die größte
gleich 19,0° in Neufahrwasser beobachtet wurde. — Borkum hatte nur 1 und
Memel 11 Frosttage, während .die übrigen Normalbeobachtungsstationen deren
4 bis 6 und Rügenwaldermünde 7 hatten. — Die aus den Anderungen der
Temperatur von Tag zu Tag für die drei Beobachtungstermine als arithmetisches
Mittel, ohne Rücksicht auf die Vorzeichen der Änderungen berechneten Werte
der interdiurnen Veränderlichkeit der Temperatur (I. T. V.) lagen mit ihren
größten Werten zwischen 1,5° (Borkum) und 3,0° (Memel) und zeigten ihre
kleinsten Beträge am häufigsten am Nachmittag, ibre größten am Morgen.
Die monatlichen Niederschlagsmengen wiesen vielfach für benachbarte
Orte nicht unerhebliche Unterschiede auf; die der Nordseeküste übertrafen
durchschnittlich die der Ostseeküste, wo die Beträge meist unter 60 mm blieben,
während dies an der Nordsee nur auf Neuwerk und Keitum der Fall war. Gegen
37 mm in Hela und 39 mm auf Neuwerk hatten Büsum 98 und Süderhöft 112 mm
Niederschlag. — Sieht man von geringfügigen und von vereinzelten Nieder-
schlägen ab, so fielen diese, wenn man den Niederschlagstag um 8° V Ortszeit
des gleichnamigen Kalendertages beginnen läßt, über größerem Gebiete am 3.
ostwärts bis Pommern, 6. von Rügen ostwärts, 9. und 10. an der ganzen Küste,
Il. an der Nordsee und ostwärts der Oder, 12. an der ganzen Küste, 14. ost-
wärts bis Mecklenburg, 15. und 16. an der ganzen Küste, 17. ostwärts bis Rügen,
20. bis 28, an der ganzen Küste, ausgenommen den 27. au der ostdeutschen
Küste, am 29, von Rügen ostwärts und am 30. über dem ganzen Gebiete. —
Sehr ergiebige, in 24 Stunden 20,0 mm übersteigende Niederschläge fielen nur
am 10. in Memel (24) und am 25. in Wyk a. F. (24 mm).
Gewitter wurden beobachtet am 25, an’der Nordsee und der Kieler Bucht.
—. Nebel trat in größerer Verbreitung auf am 1. von Elbe bis Oder, 2. ostwärts
bis zur Oder, 3. an der ganzen Küste, 4, von Mecklenburg- ostwärts, 9. und 12,
bis 14. an der Nordsee, 15. an Teilen der Ostsee, 17. an der westlichen Nordsee,
18. und 19. an der ganzen Küste, 20. ostwärts bis Mecklenburg und am 27. ost-
wärts bis Rügen. ;
Als heitere Tage, an denen die Bewölkung im arithmetischen Mittel aus
den nach der Skala 0 bis 10 zu Zeiten der Terminbeobachtungen geschätzten
Bewölkungsgraden kleiner als 2 blieb, charakterisierten sich über größerem
Gebiete der Il. an der westlichen Ostsee, i4.. von Mecklenburg bis Pommern
and der 29. an der Nordseeküste von der Weser ostwärts.
Die Wetterlage zeigte bis zum 12, das ostwärts gerichtete Vorüberschreiten
von vier Minima im hohen Norden, am 1. und 2., 3. bis 5., 7. und 8. und am
9. bis 12.° Die ersten beiden Minima gewannen Einfluß auf die Küste durch
Aache Ausläufer niedrigen Druckes, ‚führten aber, wie angegeben, nur wenig
Niederschläge herbei; der Einfluß des dritten Minimums blieb aber auf Nord-
europa beschränkt, da in den Tagen vom 3. bis 8, ein Hochdruckgebiet vom
Ozean über die Britischen Inseln nach der Mitte Kontinentaleuropas drang.
Dagegen entwickelte das letztigenannte Minimum einen in seinem Vorübergang
bis zu den Alpen reichenden Ausläufer niedrigen Druckes, der der Küste am
j, bis 12, täglich fast überall Niederschläge und, in Wechselwirkung mit stark
von Südwesteuropa her vordringendem hohen Luftdruck am 10. und Il. in dem
angegebenen Umfange steife und stellenweise stürmische Winde brachte, Bei
fast durchweg westlichen, nur vorübergehend nach Südost ärehenden Winden
war das Wetter durchweg mild und in den ersten Tagen sehr verbreitet neblig;
am 4. „amd im Osten am 1. wurden die höchsten Temperaturen des Monats
eobachtet.