550 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1904.
Eine neue- Depression über dem Ozean, die bereits vom 4. zum 5. starkes
Fallen des Barometers über den britischen Inseln hervorgerufen hatte, gewann
erst durch einen am 7. und 8. längs der Küste ostwärts fortschreitenden Aus-
läufer Einfluß, der am 7. an der westdeutschen und am 8. an der ostdeutschen
Küste Regenfälle in großer Verbreitung bei rechtdrehenden südlichen Winden
und sinkender Temperatur herbeiführte. Weitere Abkühlung und Regenfälle,
am 9. bis 1l. über dem größten Teile der Küste und am 12. noch im Osten,
brachten die Tage vom 9. bis 12., an denen die Depression, unter Entwicklung
eines längs der Küste schreitenden Ausläufers, mit ihrem Minimum im hohen
Norden vorüberschritt. Ein im Rücken der Depression nachfolgendes Hoch-
druckgebiet hatte ein Rechtdrehen und Auffrischen der westlichen Winde, im
Osten der Küste am 12. stellenweise stürmische nordwestliche Winde im
efolge.
Eine neue Depression breitete sich am 13, und 14. vom Ozean her sehr
schnell in einem Ausläufer über Kontinentaleuropa aus und brachte wieder für
die ganze Küste Regenfälle, bei weiter sinkender Temperatur und einem Um-
gehen der Winde nach östlichen Richtungen.
Aber bereits in der Nacht zum 15. breitete sich das über Skandinavien
gelegene Hochdruckgebiet über Nordeuropa und an diesem Tage über fast ganz
Europa aus. Es folgte jetzt eine bis zum 20. reichende Periode vorwiegend
heiteren und fast durchweg trockenen Wetters im Bereiche eines fast ganz
Europa umfassenden Hochdruckgebietes; entsprechend der Lage des Maximums
nördlich der Küste wehten hier andauernd Winde aus östlichen Richtungen, die
von sehr geringen Wärmeänderungen begleitet waren.
Die folgenden Tage bis zum 25. brachten bei fortdauernd östlichen
Winden und hohem, wenn auch abnehmendem Luftdruck trübes und im Westen
meist regnerisches Wetter; die Isobaren verliefen über Mitteleuropa zyklonisch
gekrümmt und lassen bei einem Maximum über Nordeuropa den meist über
die Küste nordwärts hinausreichenden Bereich der die niedrigsten Barometer-
stände im Süden aufweisenden Depression erkennen. Eine Anderung der
Wetterlage erfolgte vom 24. bis 26., indem sich das Maximum unter Zunahme
an Höhe von Nordeuropa nach Innerrußland verlagerte, während sich gleich-
zeitig eine Depression westlich von den Britischen Inseln einstellte, so daß die
bis dahin im ganzen west-östlich über Mitteleuropa verlaufenden Isobaren eine
Drehung um etwa 90° erfuhren, Dieser Drehung entsprechend, erfolgte eine
besonders im Osten hervortretende Erwärmung.
Nachdem am 26. über Mitteleuropa zwischen der Depression im Nord-
westen und dem Hochdruckgebiet über Rußland eine sehr unbestimmte Luftdruck-
verteilung und dementsprechend leichte veränderliche Winde, stellenweise mit
Regenfällen, geherrscht hatten, brachte der 27, eine seltene Entwicklung der
Wetterlage, indem ein morgens von Rußland nach den Niederlanden reichender
Ausläufer hohen Drucks, der sich in der Nacht entwickelt hatte, unter Zunahme
an Umfang nordwärts vordrang, während sich gleichzeitig eine Depression von
Süden her über Kontinentaleuropa ausbreitete. Im Bereiche des vorüberschrei-
tenden Ausläufers waren auch noch am 27. die Winde veränderlich, dann traten
auf seiner Rückseite wieder östliche Winde ein; diese erhielten sich bis Ende
des Monats, während welcher Zeit die Küste, gegenüber einem Hochdruckgebiet
über Rußland, der vom Mittelmeer nordwärts reichenden Depression angehörte.
Bis auf ziemlich verbreitete Niederschläge an der Nordsee am 29, war das
Wetter aber fast durchweg trocken, doch am 26., 27. und 30, an der Nordsee,
wie auch am 27. an dem größten Teile der Ostsee, neblig. Im Bereiche des Hoch-
druckgebietes über Osteuropa trat an der preußischen Küste am 30. wieder
heiteres Wetter ein,
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