Kigentümliche Gezeitenverbältnisse an der niederländischen Küste, 523
dauer vom ersten oder. normalen Niedrigwasser bis zum zweiten beträgt 1» 50min,
die Differenz im Wasserstand ist 3 cm.
Nicht. immer tritt diese Erscheinung in derselben Weise auf. Häufig
ist das zweite Niedrigwasser weniger tief, als das erste, so daß das wirkliche
Niedrigwasser mit dem normalen übereinkommt. Auch vereinigen sich oft-
mals beide Niedrigwasser zu einem mittleren, das später eintritt, als das
normale, aber früher als das zweite Niedrigwasser erwartet werden kann.
Am häufigsten kommt das doppelte Niedrigwasser zur Springzeit vor,
vom Tage vor Neu- oder Vollmond bis 4 Tage nachher. Bei Nippzeit fällt es
fort, außer einige Male im November, Dezember, Mai und Juni.
Am meisten. kommt das doppelte Niedrigwasser vor in den Monaten
September, August, Januar, Juli und Oktober, in den übrigen Monaten seltener,
im Mai fast mie. Von Juli bis Oktober kommt das doppelte Niedrigwasser
hauptsächlich vor bei dem Niedrigwasser, welches um Mittag eintritt, im
Januar bei dem Mitternacht-Niedrigwasser. Auch tritt diese Erscheinung mehr
hervor, wenn der Mond im Perigaeum steht, ;
Die Erscheinung „Agger“ hängt mit dem doppelten Niedrigwasser von
der Huk von Holland zusammen.
Wenn sich die Erscheinung bei Ijmuiden zeigt, fällt nach Hochwasser
das Wasser in 4* 2% um 14cm am Pegel unter Halbtide; das sogenannte
erste Niedrigwasser. Darauf folgt ein Stillstand oder Steigen, wobei in 5® 1min
nach Hochwasser, oder 59i2 nach dem ersten Niedrigwasser eine Maximalhöhe
erreicht wird, 4 cm unter Halbtide. Dieses Steigen wird „Agger“ genannt.
Darauf fällt der Wasserstand bis zum normalen Niedrigwasser.
Diese Erscheinung tritt am meisten zur Springzeit auf, vom Tage von
Neu- oder Vollmond bis 4 Tage danach.
In der Nippzeit verschwindet die Erscheinung und das Fallen vollzieht
sich ununterbrochen. ;
Am häufigsten tritt das zweite Niedrigwasser in den Monaten September,
Oktober, August, Februar und April auf, in den übrigen Monaten seltener.
Wenn das zweite Niedrigwasser vorkommt, verschwindet in der Regel „de
Agger“ oder wird unbedeutend. Das zweite Niedrigwasser und „de Agger“
haben eine tägliche Periode. In den Monaten Juli—November tritt „de Agger“
hauptsächlich äm Nachmittage ein, in den Monaten Februar und März am Vor-
mittag. In einzelnen Fällen zeigt sich auch „de Agger“, wenn ein doppeltes
Niedrigwasser eingetreten ist, so daß dann drei Minima (erstes, normales und
zweites) Niedrigwasser bei einer Ebbe vorkommt.
In den Gezeitentafeln wird „de Agger“ nicht angegeben.
3. Huk von Holland.
Bei den Gezeiten von der Huk von Holland tritt in der Regel ein
doppeltes Niedrigwasser ein. Bei Springzeiten zeigt sich die Erscheinung
regelmäßig. Das Wasser fällt dann beständig bis zu dem ersten Niedrigwasser,
welches in 4b 54in nach Hochwasser eintritt. Danach beginnt ein Steigen,
„de Agger“, bis 6162" nach Hochwasser, worauf das Wasser abermals fällt, bis
um ungefähr 7 52=i"n nach Hochwasser das zweite Niedrigwasser eingetreten ist.
Das zweite Niedrigwasser ist in der Regel einige Zentimeter niedriger
als das erste, wogegen „de Ayger“ oftmals bis 10—18 cm steigt, doch selten
höher als 25 cm über das Niveau der beiden Niedrigwasser.
Bei Nippzeiten fallen gewöhnlich beide Niedrigwasser zusammen, un-
gefähr 7" 10" nach Hochwasser.
In den Übergangszeiten tritt das Niedrigwasser sehr unregelmäßig ein.
Zuweilen, hauptsächlich wenn der Mond in der Erdnähe steht, entsteht ein
doppeltes Niedrigwasser, zuweilen verschwindet das erste oder auch das zweite
oder das Wasser hat eine Zeit den niedrigsten Stand.
4, Hellevoetsluis.
Die Gezeiten von Hellevoetsluis haben bei Hochwasser folgende Eigen-
tümlichkeiten:
Oftmals, hauptsächlich zur Springzeit von dem Tage von Neu- oder
Vollmond bis 4 oder 5 Tage später, bleibt der Wasserstand ungefähr auf der