Kohlschütter, E.: Bemerkungen zu dem Aufsatz des Herrn Navigationslehrers Reuter. 521
der erste verschwindet; Um sie zur Deckung zu bringen, muß das Auge eine
mittlere Stellung einnehmen, wobei beide schwach sichtbar sind. Dieses zeit-
weise Verschwinden der einen Kimm war recht störend, und Herr Dr. Pulfrich
hat es dadurch beseitigt, daß er die Prismen nicht nebeneinander, sondern hinter-
einander gestellt und das eine mit einer durchscheinenden Silberschicht belegt hat.
Dasselbe ließe sich auch bei dem von mir an-
gegebenen Prismenfernrohr anwenden, welches dadurch
die Anordnung von‘ Fig. 2 erhalten würde.!) Die beiden
an der Fläche ab miteinander verkitteten Prismen abc
und abd sind gleich hoch, die Trennungsfläche ab ist
halbdurchsichtig versilbert, so daß der von K, kommende
und an ad gebrochene Kimmstrahl durch die Silberschicht
a b hindurch ins Fernrohr gelangt, aber auch der von K,
kommende Strahl durch Spiegelung an der Schicht a b
ins Fernrohr geworfen wird. Die Höhe der Prismen ist
natürlich gleich dem Durchmesser des Fernrohrobjektivs,
um dieses voll auszunutzen.
Aber nicht nur bei dem Kimmtiefenmesser, sondern
auch beim Sextanten und allen Reflexionsinstrumenten
läßt sich nach Pulfrich die lästige doppelte Austritts-
pupille beseitigen, und bei diesem Instrument erscheint es mir sogar noch
notwendiger. Man braucht zu diesem Zweck nur den ganzen Kimmspiegel
mit einer schwachen, durchsichtigen Silberschicht zu belegen, anstatt ihn in
einen belegten und einen unbelegten Teil zu zertrennen. Kr müßte dann auch
so groß gemacht werden, daß die volle Objektivöffnung ausgenutzt wird. Ist
das benutzte Sextantenfernrohr ein Keplersches, so wird derselbe Zweck auch
dadurch erreicht, daß man undurchsichtige, nach alter Art belegte Streifen mit
Fig, 3. unbelegten über die ganze Breite des Kimmspiegels hin ab-
wechseln läßt, wie Fig. 3 andeutet. Der Spiegel muß dann
auch so groß sein, daß durch die Fassung nichts von der
Objektivöffnung verloren geht. In beiden Fällen wird erreicht,
daß beide Bilder stets ihre Helligkeit behalten, wie auch das
Auge, beispielsweise durch die Schwankungen des Schiffes,
vor der Okularöffnung hin und her bewegt wird.
Ist das Fernrohr aber ein Galileisches, wie bei den Doppelnachtgläsern
der Sextanten und Oktanten von Haecke in Berlin oder dem Nachtoktanten
nach Kapitän Hilgendorf von Plath in Hamburg, dann ist diese Anordnung
von belegten und unbelegten Streifen nicht möglich, weil die verschwommenen
Umrisse der einzelnen Streifen sichtbar sein und das Bild der Kimm’ zer-
schneiden würden. In diesem Falle lassen sich nur Kimmspiegel verwenden,
die über die ganze Fläche sehr schwach versilbert sind. Sie haben außerdem
den Vorteil, daß man das Gestirn auch wirklich mit der Kimm zur Berührung
bringen kann, da beide in sich überall gleichbleibender Stärke an jeder Stelle
des Gesichtsfeldes zu sehen sind, während bisher das Gestirn mit der Kimm
nur durch rohe Abschätzung in gleiche Höhe zu bringen war, weil es nur im
rechten Teil, die Kimm dagegen nur im linken Teil des Gesichtsfeldes erschien.
Sowohl die Genauigkeit als auch die Bequemlichkeit der Beobachtung scheint
mir dadurch zu gewinnen.
Der Einwand, daß durch den vollständig versilberten Spiegel das direkt
zesehene Bild der Kimm, welches manchmal besonders nachts an sich schon
schwach ist, noch mehr geschwächt wird, ist hinfällig, da die Technik in der
Lage ist, so feine Silberschichten herzustellen, daß der dadurch bewirkte Licht-
verlust geringer ist als derjenige, der jetzt durch den undurchsichtig belegten
Teil des Kimmspiegels hervorgebracht wird. Ja, es wäre sogar denkbar, daß
bei Nachtbeobachtungen und auch bei Sonnenbeobachtungen am Tage ein voll-
ständig unbelegter Kimmspiegel ausreichend wäre. Jedenfalls sollte es einmal
versucht werden. In allen diesen Fällen muß aber der Spiegel so groß sein,
daß seine Fassung keinen Teil des Objektivs verdeckt.
2) Statt der praktisch besseren Konstruktion von Pulfrich ist diese Form zur graphischen
Darstellung gewählt worden, weil der Strahlengaug hier klarer zum Ausdruck kommt.