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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Kohlschütter, E.: Bemerkungen zu dem Aufsatz des Herrn Navigationslehrers Reuter. 521 
der erste verschwindet; Um sie zur Deckung zu bringen, muß das Auge eine 
mittlere Stellung einnehmen, wobei beide schwach sichtbar sind. Dieses zeit- 
weise Verschwinden der einen Kimm war recht störend, und Herr Dr. Pulfrich 
hat es dadurch beseitigt, daß er die Prismen nicht nebeneinander, sondern hinter- 
einander gestellt und das eine mit einer durchscheinenden Silberschicht belegt hat. 
Dasselbe ließe sich auch bei dem von mir an- 
gegebenen Prismenfernrohr anwenden, welches dadurch 
die Anordnung von‘ Fig. 2 erhalten würde.!) Die beiden 
an der Fläche ab miteinander verkitteten Prismen abc 
und abd sind gleich hoch, die Trennungsfläche ab ist 
halbdurchsichtig versilbert, so daß der von K, kommende 
und an ad gebrochene Kimmstrahl durch die Silberschicht 
a b hindurch ins Fernrohr gelangt, aber auch der von K, 
kommende Strahl durch Spiegelung an der Schicht a b 
ins Fernrohr geworfen wird. Die Höhe der Prismen ist 
natürlich gleich dem Durchmesser des Fernrohrobjektivs, 
um dieses voll auszunutzen. 
Aber nicht nur bei dem Kimmtiefenmesser, sondern 
auch beim Sextanten und allen Reflexionsinstrumenten 
läßt sich nach Pulfrich die lästige doppelte Austritts- 
pupille beseitigen, und bei diesem Instrument erscheint es mir sogar noch 
notwendiger. Man braucht zu diesem Zweck nur den ganzen Kimmspiegel 
mit einer schwachen, durchsichtigen Silberschicht zu belegen, anstatt ihn in 
einen belegten und einen unbelegten Teil zu zertrennen. Kr müßte dann auch 
so groß gemacht werden, daß die volle Objektivöffnung ausgenutzt wird. Ist 
das benutzte Sextantenfernrohr ein Keplersches, so wird derselbe Zweck auch 
dadurch erreicht, daß man undurchsichtige, nach alter Art belegte Streifen mit 
Fig, 3. unbelegten über die ganze Breite des Kimmspiegels hin ab- 
wechseln läßt, wie Fig. 3 andeutet. Der Spiegel muß dann 
auch so groß sein, daß durch die Fassung nichts von der 
Objektivöffnung verloren geht. In beiden Fällen wird erreicht, 
daß beide Bilder stets ihre Helligkeit behalten, wie auch das 
Auge, beispielsweise durch die Schwankungen des Schiffes, 
vor der Okularöffnung hin und her bewegt wird. 
Ist das Fernrohr aber ein Galileisches, wie bei den Doppelnachtgläsern 
der Sextanten und Oktanten von Haecke in Berlin oder dem Nachtoktanten 
nach Kapitän Hilgendorf von Plath in Hamburg, dann ist diese Anordnung 
von belegten und unbelegten Streifen nicht möglich, weil die verschwommenen 
Umrisse der einzelnen Streifen sichtbar sein und das Bild der Kimm’ zer- 
schneiden würden. In diesem Falle lassen sich nur Kimmspiegel verwenden, 
die über die ganze Fläche sehr schwach versilbert sind. Sie haben außerdem 
den Vorteil, daß man das Gestirn auch wirklich mit der Kimm zur Berührung 
bringen kann, da beide in sich überall gleichbleibender Stärke an jeder Stelle 
des Gesichtsfeldes zu sehen sind, während bisher das Gestirn mit der Kimm 
nur durch rohe Abschätzung in gleiche Höhe zu bringen war, weil es nur im 
rechten Teil, die Kimm dagegen nur im linken Teil des Gesichtsfeldes erschien. 
Sowohl die Genauigkeit als auch die Bequemlichkeit der Beobachtung scheint 
mir dadurch zu gewinnen. 
Der Einwand, daß durch den vollständig versilberten Spiegel das direkt 
zesehene Bild der Kimm, welches manchmal besonders nachts an sich schon 
schwach ist, noch mehr geschwächt wird, ist hinfällig, da die Technik in der 
Lage ist, so feine Silberschichten herzustellen, daß der dadurch bewirkte Licht- 
verlust geringer ist als derjenige, der jetzt durch den undurchsichtig belegten 
Teil des Kimmspiegels hervorgebracht wird. Ja, es wäre sogar denkbar, daß 
bei Nachtbeobachtungen und auch bei Sonnenbeobachtungen am Tage ein voll- 
ständig unbelegter Kimmspiegel ausreichend wäre. Jedenfalls sollte es einmal 
versucht werden. In allen diesen Fällen muß aber der Spiegel so groß sein, 
daß seine Fassung keinen Teil des Objektivs verdeckt. 
2) Statt der praktisch besseren Konstruktion von Pulfrich ist diese Form zur graphischen 
Darstellung gewählt worden, weil der Strahlengaug hier klarer zum Ausdruck kommt.
	        
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