Kohlschütter, E.: Bemerkungen zu dem Aufsatz des Herrn Navigationslehrers Reuter. 519
dessen scheint mir die Forderung ähnlich derjenigen der Parallelität von Fernrohr-
achse und Sextantenebene zu sein, die auch nur in sehr weiten Grenzen erfüllt
zu sein braucht, und daher dürfte die Befestigung an der Handhabe des Sextanten
ausreichen und Korrektionsschrauben zur Richtigstellung des Prismas nicht
erforderlich sein. Dagegen befindet sich Herr Reuter im Irrtum, wenn er
meint, daß die Katlete cd entweder dem kleinen Spiegel s oder dem großen
Spiegel S parallel sein müßte. Die Wirkung des Prismas ist ähnlich der eines
Winkelspiegels. Der aus dem Prisma austretende Strahl K“S (Fig. 1 des vor-
stehenden Artikels) ist stets parallel dem von K‘ kommenden eintretenden Kimm-
strahl K‘A, wie auch das Prisma stehen mag (vorausgesetzt, daß cd und ab
senkrecht zur Sextantenebene sind). Daher ist auch keine Vorrichtung oder
Beobachtung nötig, um eine Parallelität der Kathete cd mit s oder S herzu-
stellen. Die Wirkung des Prismas ist in allen Lagen die, daß der tatsächlich von
K‘ kommende Kimmstrahl von K“ zu kommen scheint, wo K“ dadurch bestimmt
ist, daß SK“ parallel zu K‘A ist.
Sehr interessant war mir, aus dem Aufsatz des Herrn. Reuter zu lernen,
daß früher schon in dem unteren Kimmspiegel eine Vorrichtung an den Sextanten
vorhanden war, um den Winkel zwischen Gestirn und rückwärtiger Kimm zu
messen, Die Vorrichtung hat große Ahnlichkeit mit der von Ferguson‘) an-
gegebenen zur Messung der Kimmtiefe und läßt sich auch tatsächlich unter
Benutzung eines rechtwinklig ablenkenden Prandtlschen Prismas dazu ver-
wenden. Sie hat dann mit den Instrumenten von Blish und Pulfrich den Vorzug
gemein, daß die Blickrichtung des Beobachters nahezu horizontal ist,. während
bei den Vorrichtungen von Ferguson, Kohlschütter und Koß der Beobachter
senkrecht nach unten oder oben blicken muß, wenn er sich nicht eines vor das
Okular gesetzten Zenitprismas bedienen will, wodurch das Gesichtsfeld verkleinert
und die Beobachtung auch nicht wesentlich bequemer gestaltet wird. ;
Um einen mit unterem Kimmspiegel versehenen Sextanten zur Messung
von Kimmtiefen geeignet zu machen, ist es, wie Herr Reuter ausführt, nur
nötig, diesen Spiegel 8’ senkrecht zu dem Indexspiegel S zu stellen, während
die Alhidade auf Null einsteht, oder umgekehrt die Alhidade mit dem Index-
spiegel so zu drehen, daß dieser Spiegel senkrecht zu dem unteren Kimmspiegel
steht, und von dieser Alhidadenstellung aus die Winkelmessung zu beginnen.
Man würde dann an die abgelesenen Winkel eine Indexverbesserung für den
unteren Kimmspiegel anzubringen haben, ebenso wie man jetzt auch den oberen
Kimmspiegel nicht mehr dreht, sondern den Parallelitätsfehler durch Anbringung
der Indexverbesserung beseitigt. Ein Mittel, um die Stellung des Indexspiegels
zu dem unteren Kimmspiegel zu prüfen, bietet das Prandtische
Prisma in Verbindung mit Autokollimation beispielsweise nach
Art der Fig, 1. G ist eine auf der Sextantenebene möglichst
senkrecht stehende Glasplatte (Prüfungen für die senkrechte
Stellung ließen sich leicht angeben), auf der ein senkrechter
Strich oder Doppelstrich, in Fig. 1 durch einen Punkt an-
gedeutet, eingeritzt ist, S ist der Indexspiegel, s’ der untere
Kimmspiegel, A das Auge des Beobachters, das sich von G
in deutlicher Sehweite befindet. Vor dem unteren Teil der
Glasplatte G ist in gleicher Höhe wie der untere belegte Teil
des Spiegels s‘ (vgl. Fig. 2 des vorstehenden Artikels) das
Prandtische Prisma P mit einem Ablenkungswinkel von 90°
angebracht und mit G fest verkittet, während der obere Teil
der Glasplatte G frei bleibt, so daß der Beobachter durch
die Platte hindurch nach dem Indexspiegel S hinsehen
kann. Der Strahlengang ist dann der durch die gestrichelten
Linien angedeutete, und die Bestimmung des Indexfehlers für den unteren
Kimmspiegel erfolgt folgendermaßen: Das Auge wird in eine solche Lage ge-
bracht, daß das von dem Spiegel s‘ erzeugte Spiegelbild der Strichmarke mit
der direkt gesehenen Marke zusammenfällt (oder bei Doppelstrichen in die Mitte
—
1) Ferguson: „Über das Anbringen einer Einrichtung an den Sextanten, um die Messung
von Höhen von 120° bis 240° zu ermöglichen (Sextant für große Höhen)“. „De Zee“, Jahr-
van 1895, S. 45.