518 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1904.
müssen daher senkrecht zur Sextantenebene stehen, und die Achse des Fern-
rohrs F muß dieser Ebene parallel sein. Die senkrechte Stellung der Prismen
läßt sich leicht in derselben Weise prüfen, wie die Stellung des kleinen Spiegels,
und müßte nur eine Vorrichtung angebracht werden, durch die man die Neigung
der Hypotenusenflächen ändern könnte, falls es nötig ist. An dem Zapfen,
welcher die Prismen trägt, denke ich mir ein Ansatzstück, auf dem ein Ring
befestigt ist, in den das Fernrohr F eingeschraubt werden kann. Die Achse
des Fernrohrs ließe sich dann leicht der Sextantenebene parallel stellen, und
wäre ein besonderes Fernrohr unnötig, da man das Sextantenfernrohr selbst
dazu benutzen könnte. Damit bequem beobachtet werden kann, ist ein Okular-
prisma zweckmäßig, wie es ja den Prismenkreisen gewöhnlich beigegeben wird.
Ohne ein solches müßte man bei der Beobachtung senkrecht nach unten sehen,
was jedenfalls unbequem ist.
Herr Dr. Kohlschütter sagt nichts über die Höhe der Prismen, doch
glaube ich aus der Beschreibung entnehmen zu dürfen, daß die Höhe beider
Prismen etwa der Höhe des kleinen Spiegels gleich ist, so daß die Katheten-
fläche ad des unteren Prismas nur Licht vom belegten Teil des Kimmspiegels
erhält. Die Prismen und das mit ihnen verbundene Fernrohr F können aber
durch die Schraube des Fernrohrträgers, in den der Zapfen ja einpassen soll,
ohne ihre Neigung zu ändern, gehoben und gesenkt werden. Stellt man nun
die Prismen so, daß ein Teil der Kathetenfläche ad dem unbelegten Teil des
Kimmspiegels s gegenüber steht, so ließe sich der Indexfehler mit dem Fern-
rohr F bestimmen, auch die Höhe über der Kimm K messen, ohne das Prismen-
fernrohr zu entfernen. Mißt man nun noch die Höhe über der rückwärtigen
Kimm K‘, so ist das Mittel der Ablesungen, nachdem der Indexfehler angebracht
ist, die von der Kimmtiefe befreite Höhe. Wird die Sonne beobachtet, und
man mißt die Unterrandhöhe über der Kimm K, so muß über der Kimm K'
(der rückwärtigen Kimm) die Oberrandhöhe gemessen werden, wenn das Mittel
die scheinbare Unterrandhöhe sein soll. Zu einer Zeitbestimmung würde man
zwei bis drei Höhen über der Kimm K, darauf eine gleiche Anzahl über der
Kimm K‘ messen; das Mittel aus allen Höhen wäre die scheinbare Höhe, frei
von Kimmtiefe, entsprechend dem Mittel der Zeiten. Hierbei ist überall voraus-
gesetzt, daß die Prismen richtig geschliffen, ihre Hypotenusenflächen vom
Mechaniker senkrecht zueinander gestellt und so miteinander verbunden sind,
daß man sich auf die Unveränderlichkeit dieser Stellung verlassen kann.
Die Möglichkeit, mit dem Prismenfernrohr Höhen zu messen, die frei
von der Unsicherheit der Kimmtiefe sind, ist ein Vorteil, der reichlich die
geringen Kosten und die Mühen der Versuche, die doch zunächst angestellt
werden müssen, aufwiegt. Nur durch die praktische Anwendung werden etwa
noch vorhandene Mängel aufgedeckt und dann beseitigt werden können.
Bemerkungen zu dem Aufsatz des Herrn Navigationslehrers Reuter.
Es ist zu bedauern, daß Herr Navigationslehrer Reuter in seiner ein-
gehenden Besprechung nicht auch die beiden Vorrichtungen zur Messung der
Kimmtiefe, die von Koß*) und Pulfrich*) angegeben sind, berücksichtigt hat,
von denen mir die letztere die bisher beste Lösung der Aufgabe zu sein scheint
und worauf ich weiterhin noch zurückkommen werde.
Bei der Besprechung der Richtigstellung des Kimmprismas von Blish hebt
Herr Reuter ganz richtig hervor, daß die Katheten ab und cd (Fig. 1 des vor-
stehenden Artikels) senkrecht zur Sextantenebene stehen müssen. Die dabei inne-
zuhaltende Genauigkeit ist nach dem, was Blish darüber sagt, nicht sehr groß. Ich
bin augenblicklich nicht in der Lage, diese Behauptung nachprüfen zu können, in-
1) Teichgräber und Koß: „Das Kimmprisma“. „Mitt, a. d. Gebiete d. Seewesens“ 1904,
Heft 7 (siehe auch Heft 6).
2) Pulfrich: „Über einen Apparat zur Messung der Kimmtiefe“. „Zeitschrift für Instrumenten-
kunde“ 1904. S. 225.