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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Reuter, W.: Die Beobachtung der Kimmtiefe, 
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seine vertikale Achse gedreht, bis die Deckung erfolgte. Darauf konnte die 
Höhe über der Kimm K‘ gemessen werden. KEine Beobachtung über der rück- 
wärtigen Kimm wurde gewöhnlich nur dann angestellt, wenn die Kimm unter 
dem Gestirn undeutlich oder durch Land verdeckt war. Die Kimmtiefe kann 
man so weder bestimmen, noch sie eliminieren, da es kein Mittel gibt, um 
unabhängig von der Kimmtiefe zu prüfen, ob s‘ | s steht. Man hat hier den- 
selben Fall wie beim „Kimmprisma“. Auch beim „Kimmprisma“ gibt es kein 
Mittel, die richtige Stellung der spiegelnden Flächen zu prüfen. 
Das von Herrn Dr. Kohlschütter beschriebene Prismenfernrohr gestattet 
dagegen die Kimmtiefe direkt zu messen. Die Figur (4), welche den „Ann. d. 
Hydr. etc.“ 1903, S. 553, entnommen ist, zeigt den Gang der Lichtstrahlen und 
die Anordnung des Fig. 4 
Instruments. S ist der & 
große und s der kleine 
Spiegel, abd und abe 
sind zwei übereinan- 
der liegende recht- 
winklige Glasprismen, 
deren Hypotenusen- 
flächen bd und ac 
senkrecht zueinander 
stehen, so daß also 
die Kathetenflächen 
ad und be parallel 
sind, Beide Prismen 
sind fest miteinander 
vereinigt und können 
mit einem Zapfen, der 
in die Führung des 
Fernrohrträgers paßt, mit dem Sextanten verbunden werden. Das Bild der 
Kimm K gelangt vom großen Spiegel S über den kleinen Spiegel s nach der 
Hypotenuse bd und von da in das Fernrohr F, während das Bild der rück- 
wärtigen Kimm K‘ von der Hypotenuse ac in das Fernrohr F zurückgeworfen 
wird. Da nun die Katheten ad und be der Prismen parallel sind, so müssen 
auch die von s und K‘ ausgehenden Strahlen parallel sein. FE’ deutet nur die 
Lage des Sextantenfernrohrs an, wenn das Prismenfernrohr nicht benutzt wird. 
Bringt man durch Bewegung der Alhidade die Bilder der Kimm K und K‘“ zur 
Deckung, so wird man auf dem Sextanten den Winkel KB K” oder die doppelte 
Kimmtiefe ablesen, falls der Indexfehler Null war. Hierzu bemerke ich, daß 
die Bilder der Kimm K und K‘ entgegengesetzte Lage haben. Das kann aber 
nur dazu dienen, 
die Genauigkeit der 
Messung zu erhöhen. 
Man kann aber 
auch die Kimmtiefe 
eliminieren, indem 
man mit dem Pris- 
menfernrohr das 
Bild des Gestirns G 
(Figur 5) mit der 
Kimm K‘ zur Be- 
rührung bringt; 
dann ist die Ab- 
lesung gleich h — 
Kt, während die 
auf gewöhnliche 
Weise gemessene 
Höhe h' + Kt gibt. Das Mittel beider Ablesungen wäre demnach die Höhe, 
frei von Kimmtiefe, ; 
- Damit die Messungen richtig werden, ist es notwendig, daß die Lüicht- 
strahlen der Sextantenebene parallel sind. Die spiegelnden Flächen der Prismen
	        
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