Reuter, W.: Die Beobachtung der Kimmtiefe,
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seine vertikale Achse gedreht, bis die Deckung erfolgte. Darauf konnte die
Höhe über der Kimm K‘ gemessen werden. KEine Beobachtung über der rück-
wärtigen Kimm wurde gewöhnlich nur dann angestellt, wenn die Kimm unter
dem Gestirn undeutlich oder durch Land verdeckt war. Die Kimmtiefe kann
man so weder bestimmen, noch sie eliminieren, da es kein Mittel gibt, um
unabhängig von der Kimmtiefe zu prüfen, ob s‘ | s steht. Man hat hier den-
selben Fall wie beim „Kimmprisma“. Auch beim „Kimmprisma“ gibt es kein
Mittel, die richtige Stellung der spiegelnden Flächen zu prüfen.
Das von Herrn Dr. Kohlschütter beschriebene Prismenfernrohr gestattet
dagegen die Kimmtiefe direkt zu messen. Die Figur (4), welche den „Ann. d.
Hydr. etc.“ 1903, S. 553, entnommen ist, zeigt den Gang der Lichtstrahlen und
die Anordnung des Fig. 4
Instruments. S ist der &
große und s der kleine
Spiegel, abd und abe
sind zwei übereinan-
der liegende recht-
winklige Glasprismen,
deren Hypotenusen-
flächen bd und ac
senkrecht zueinander
stehen, so daß also
die Kathetenflächen
ad und be parallel
sind, Beide Prismen
sind fest miteinander
vereinigt und können
mit einem Zapfen, der
in die Führung des
Fernrohrträgers paßt, mit dem Sextanten verbunden werden. Das Bild der
Kimm K gelangt vom großen Spiegel S über den kleinen Spiegel s nach der
Hypotenuse bd und von da in das Fernrohr F, während das Bild der rück-
wärtigen Kimm K‘ von der Hypotenuse ac in das Fernrohr F zurückgeworfen
wird. Da nun die Katheten ad und be der Prismen parallel sind, so müssen
auch die von s und K‘ ausgehenden Strahlen parallel sein. FE’ deutet nur die
Lage des Sextantenfernrohrs an, wenn das Prismenfernrohr nicht benutzt wird.
Bringt man durch Bewegung der Alhidade die Bilder der Kimm K und K‘“ zur
Deckung, so wird man auf dem Sextanten den Winkel KB K” oder die doppelte
Kimmtiefe ablesen, falls der Indexfehler Null war. Hierzu bemerke ich, daß
die Bilder der Kimm K und K‘ entgegengesetzte Lage haben. Das kann aber
nur dazu dienen,
die Genauigkeit der
Messung zu erhöhen.
Man kann aber
auch die Kimmtiefe
eliminieren, indem
man mit dem Pris-
menfernrohr das
Bild des Gestirns G
(Figur 5) mit der
Kimm K‘ zur Be-
rührung bringt;
dann ist die Ab-
lesung gleich h —
Kt, während die
auf gewöhnliche
Weise gemessene
Höhe h' + Kt gibt. Das Mittel beider Ablesungen wäre demnach die Höhe,
frei von Kimmtiefe, ;
- Damit die Messungen richtig werden, ist es notwendig, daß die Lüicht-
strahlen der Sextantenebene parallel sind. Die spiegelnden Flächen der Prismen