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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1904.
Instrumentes verbunden war. Die nebenstehende Figur (2)
zeigt die Einrichtung dieses zweiten Kimmspiegels. AB
ist der Spiegel, der, in einem Metallrahmen eingefaßt, so
mit dem Instrument verbunden wird, daß er sowohl um
eine horizontale als auch um eine vertikale Achse drehbar
ist. Mit Ausnahme des Streifens ab in der Mitte war
die Rückseite mit Quecksilber belegt. Durch den nicht
belegten Streifen ab konnte die Kimm direkt beobachtet
werden. Die folgende Figur (3) zeigt die Stellung der
drei Spiegel auf der Instrumentebene. Darin ist S der
große Spiegel, s der gewöhnliche Kimmspiegel;
dann ist bekanntlich, wenn O das Auge des Beob-
achters und K die Kimm ist, s || S, wenn das direkt
gesehene Bild der Kimm mit seinem Spiegelbilde
zusammenfällt. Schon bei 3 m Augeshöhe darf
man die Spiegelparallaxe gleich Null setzen; daher
ist auch SK || OK, wenn 815. Der zweite, oder
wie er früher genannt wurde, der untere Kimm-
spiegel ist 8‘. HEr ist etwa in der Mitte zwischen
Gradbogen und dem ersten Kimmspiegel s ange-
bracht, so daß seine spiegelnde Fläche senkrecht
zu 8 steht und dem großen Spiegel S zugewandt
ist. Wenn S||s ist, so wird der von K kommende Strahl vom großen Spiegel S
nach dem unteren Kimmspiegel s‘ und von diesem nach O0‘ zurückgeworfen.
Dann ist aber s‘O’ || KS, weil die Gegenwinkel nach dem Gesetz der Spiegelung
gleich sind. Sieht man nun durch das Visier 0‘ nach der rückwärtigen Kimm
K', so wird, wenn man die Alhidade um einen Winkel gleich der doppelten
Kimmtiefe zurückbewegt, das von S nach s‘ zurückgeworfene Bild der rück-
wärtigen Kimm K in dem belegten Teil des unteren Kimmspiegels s’‘ sichtbar
und mit der durch den unbelegten Streifen ab direkt gesehenen Kimm K' zu-
sammenfallen. Hierzu möchte ich noch bemerken, daß das Bild der rückwärtigen
Kimm K im Spiegel s‘ umgekehrt erscheint. Bewegt man die Alhidade auf
dem Gradbogen vorwärts, so kann man das Spiegelbild eines Gestirns, z. B. der
Sonne, mit der Kimm K‘ in Berührung bringen. Auf dem Gradbogen würde
dann h — Kt abgelesen werden, wenn h die scheinbare Höhe des Gestirns und
Kt die Kimmtiefe bedeutet. In O wird man über der Kimm K aber h +Kit
beobachten; das Mittel beider Ablesungen ist die scheinbare Höhe, voraus-
gesetzt, daß s‘ | s ist. Zu bemerken ist noch, daß, wenn über der
Kimm K der Unterrand der Sonne beobachtet war, man über der Kimm K'
den Oberrand beobachten muß, um aus dem Mittel beider Ablesungen die
scheinbare Unterrandshöhe zu erhalten. Dreht man ferner das Instrument um
die Gesichtslinie 0‘K“‘, so wird das Bild der Sonne keinen konkaven, sondern
einen nach oben konvexen Bogen beschreiben.
Die Messung einer Sonnenhöhe nannte man früher „die Sonne schießen“.
Beobachtete man über der Kimm K mit dem Kimmspiegel s, so hieß dies „die
Sonne von vorne schießen“, dagegen eine Beobachtung über der rückwärtigen
Kimm K‘ im Kimmspiegel 8‘ hieß: „die Sonne von hinten schießen“, Von den
Engländern wurde die letztere Art der Beobachtung „back observation“ genannt.
Der Gang der Beobachtung war nun folgender: Man „stellte zunächst
die Kimm“, d. h. man schaffte den Indexfehler fort, indem man die Alhidade
auf den Nullpunkt des Gradbogens einstellte und mittels der „Kimmschraube“
das Spiegelbild der Kimm mit ihrem direkt gesehenen Bilde in Linie brachte.
Damit war S || s, wenn der Index auf dem Nullpunkt des Gradbogens stand.
Darauf nahm man aus den Tafeln den Betrag der Kimmtiefe für die Augeshöhe
aus und stellte den Nullpunkt der Alhidade um den doppelten Betrag der Kimm-
tiefe rechts vom Nullpunkt des Gradbogens ein. Sah man nun durch das
Visier O0‘ durch den unbelegten Streifen des unteren Kimmspiegels s‘ nach der
Kimm K‘, dann stand der Spiegel s’ gut, d.h. | s, wenn das Bild der Kimm K
mit dem direkt gesehenen Bilde der Kimm K‘ zusammenfiel. Vorausgesetzt ist
dabei, daß die aus der "Tafel entnommene Kimmtiefe richtig ist. Deckten sich
die Bilder der Kimm K und K‘ nicht, so wurde der untere Kimmspiegel s‘ um
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