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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

512 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1904. 
der Tafel und veranlassen Änderungen in der Lage und Größe der Wirbel an 
der Rückseite. 
Schon bei einem von 90° nur wenig verschiedenen Winkel liegt die 
Trennungslinie, d. h. die Linie, die im Hochdruckgebiete eine mediane 
Scheidung der beiden Seitenströme bewirkt, unsymmetrisch neben der Mittel- 
linie des Hauptstroms, so daß der Unterrandstrom etwas breiter ist, als der 
Oberrandstrom. Bei einer Neigung von 65° ist dies Verhältnis etwa 3:2, 
bleibt dann nahezu konstant und ist bei 20° wieder nahezu 1:1, wie bei der 
Normalstellung. Ebenso wird das Druckmaximum, der Punkt, in dem die 
Trennungslinie die Tafel normal trifft, bei Anderung des Neigungswinkels, un- 
yleichförmig verschoben, wobei die Richtung der Verschiebung konstant bleibt; 
der Punkt wirkt umsomehr gegen den oberen Rand, je kleiner der Neigungs- 
winkel wird. Indessen ist die Änderung bedeutend größer, wenn der Neigungs- 
winkel zwischen 90° und 45° liegt, als bei kleineren Winkeln, 
Zum genauen Studium dieser Abhängigkeit wurde eine große Zahl photo- 
graphischer Aufnahmen von Widerstandsströmungen an Platten hergestellt, die 
unter Neigungswinkeln von 1° bis 90° zum Strome angebracht waren, und auf 
den Bildern der Abstand des Stromteilungspunktes vom oberen Tafelrande 
gemessen. Mit Hilfe der Messungsergebnisse wurde eine Kurve konstruiert, 
die die Lage jenes Punktes für jede beliebige Neigung der Tafel von 6° bis 90° 
wiedergibt. Diese Kurve gilt zunächst nur für eine Tafel, deren Länge 200 mm 
beträgt. Für Tafeln von anderer Länge kann der Punkt durch einfache 
Reduktion bestimmt werden, wenn man annimmt, daß die Strömungen an Platten 
von andern Dimensionen einen geometrisch ähnlichen Verlauf haben, wie bei 
den zu den Versuchen benutzten Tafeln von 50 mm Länge. 
Zur Entscheidung dieser wichtigen Frage waren Kontrollversuche in 
größeren Verhätnissen erforderlich, die durch das Entgegenkommen des 
Herrn Ingenieur Joh. Schütte, des Vorstandes der Versuchsstation des Nord- 
deutschen Lloyd in Bremerhaven, ermöglicht wurden, der alle erforder- 
lichen Einrichtungen beschafft und die Durchführung der Versuche mit allen zu 
Gebote stehenden Hilfsmitteln gefördert und geleitet hat. 
An dem dort vorhandenen elektrisch angetriebenen Wagen zur Bestimmung 
der Schiffswiderstände (am Modell) wurden zwei starke 7 m lange Balken nach 
vorn als Ausleger befestigt und daran mit Hilfe von zwei schmiedeeisernen 
Armen eine 5 mm dicke Stahlplatte von 1 qm Fläche so aufgehängt, daß sie 
teilweise in das Wasser tauchte. Senkrecht darüber wurde die Kamera auf- 
gestellt, so daß auf den Bildern die Tafel als gerade Linie erscheinen mußte, 
Die 6 m breite Oberfläche des Wassers wurde mit kleinen kreisrund aus- 
gestanzten Papierplättchen von etwa 5 mm Durchmesser bestreut, die im Wasser 
nicht untersinken. Die Aufnahmen geschahen auch hier durch automatisch 
entzündetes Blitzlicht. Die Bewegung des Wassers verlief nun im wesent- 
lichen genau so, wie bei den im kleinen angestellten Versuchen. Der einzige 
bemerkbare Unterschied war der, daß die durch Stauung erzeugten Niveau- 
unterschiede vor und hinter der Platte an der großen Tafel verhältnismäßig 
geringer waren als an den kleinen Tafeln der ursprünglichen Versuche. 
Wegen der großen experimentellen Schwierigkeiten beschränkte man sich 
auf einige Aufnahmen mit der Plattenstellung normal zur Bewegungsrichtung 
und unter einem spitzen Winkel. Die Geschwindigkeit der Platte varlierte 
von 0,46 bis 1,40 msec-!', Die Versuche bewiesen nun mit genügender 
Schärfe, daß die früher erhaltene kardioidenartige Kurve die Lage des Druck- 
maximums an der Vorderseite ebener Tafeln allgemein darstellt, ein um so 
bemerkenswerteres Ergebnis, als dadurch die widerspruchsvollen älteren Angaben 
eine Berichtigung erfahren. So zeigte sich z. B., daß die von Lord Rayleigh‘*) 
aus den hydrodynamischen Gleichungen abgeleitete Formel für die Lage des 
Druckmaximums keine Gültigkeit für den Widerstand des natürlichen Wassers 
hat. Ebenso verhält es sich mit einer neuerdings für denselben Zweck auf- 
gestellten Formel von Horace Lamb,”) der die Photographien der Strom- 
linien benutzte, die Hele-Shaw von Flüssigkeiten erhalten hatte, die sich 
1) Lord Rayleigh, On the resistance of fluids, Phil, Mag. 1877, 
23) Hele-Shaw, Institution of Naval Architects 1898, 31.
	        
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