v. Hasenkamp, H.: F,. Ahlborns Untersuchungen etc, des hydrodynamischen Widerstandes, 511
Tafel, sondern nur die Hälfte am Unterrand, an der die Depression hinter der
Tafel leichter ausgeglichen wird, als an der anderen Hälfte; an der dem
Oberrand benachbarten Hälfte muß daher der geringste Druck liegen.
Da die vom Unterrandstrom herrührenden Fäden des‘ Nachlaufs den
großen Oberrandwirbel umwinden und mit ihm und dem Öberstrom verschmelzen,
so gelangen sie endlich in das Ausgleichsgebieß hinter dem Wirbel, wo sie sich
wieder mit dem Rest des Unterstromes vereinigen. Vor der. Stelle, wo sich
die Seitenströme vereinigen,. und in der Lücke hinter den Wirbeln liegt am
Ende der Schleppe ein häufig strömungsfreies Gebiet relativ hohen Druckes, das
dem sekundären Druckmaxzimum c der normal gestellten Tafel entspricht. Das
andere relative Druckmaxzimum d des Niederdruckgebietes liegt hinter der Tafel
an der Stelle der Gabelung der Nachlaufströmung. Dieses Maximum der Rück-
seite der Tafel ist etwa ebenso weit gegen den Unterrand verschoben, wie das
Hauptmaximum der Vorderseite gegen den Oberrand,
Die Kräfte, die die Bewegungen des Strömungssystems unter-
halten, sind an der Vorderseite Druckkräfte, die stauend, verzögernd und ab-
lenkend auf die Wasserfäden einwirken. Da diese Wirkung neben der auf das
Druckmaximum gerichteten Stromteilungslinie. am stärksten und vorwiegend
stauend auftritt, während sie seitlich mehr ablenkend wirkt und am Rande der
Tafel nahezu verschwindet, so zeigen die Kraftlinien des Verdrängungs-
widerstandes etwa die Form der gestrichelten Kurven, die in Fig. 3 von der
Vorderseite der Tafel ausgehen. Die Linien werden also von ihrer Ursprungs-
stelle ab aus der Richtung des Hauptstromes nach der Seite abgelenkt, und
zwar umsomehr, je schwächer die in ihnen wirkenden Kräfte sind; das Maximum
erreicht die Ablenkung bei der Transversalstellung der vom Tafelrande aus-
gehenden Kraftlinien.
Über die. transversale Lage hinaus können die Kraftlinien nicht ablenkend
gekrümmt sein, da eine ursprünglich nach vorn gerichtete Kraft keine nach
hinten gehende Komponente haben kann. Ebenso wenig kann die Beschleunigung,
die die Wasserfäden vor der Tafel, aber hinter der Linie der Maximalstauung
erlangen, direkt durch die Druckkräfte des. Verdrängungswiderstandes hervor-
gerufen werden, sondern von saugenden Zugkräften, die von den Wirbelzentren
aus wirkend zu denken sind. Von beiden Seiten her greifen diese in das Über-
druckgebiet um die Ränder der Tafel herum und konvergieren gegen die vordere
Stromteilungslinie. Während diese Kraftlinien an ihren zentralen Enden zu den
wirbelnden Wasserfäden radial stehen, wirken sie im vorderen Gebiet, soweit
sie an ihren peripherischen Enden die tangentiale Richtung der Stromfäden
annehmen, beschleunigend und nach hinten verzögernd auf die Widerstands-
ströme. Die in den Sogglinien wirkenden Wirbelkräfte, unter deren Einfluß
auch hier der Abfluß des Wassers vor der Tafel wie der Rückfluß in den Raum
dahinter vor sich geht, sind nur Reaktionskräfte. Die kinetische Energie, mit
der.die bewegte Tafel vorn auf das Wasser drückt, tritt als potentielle Energie
in der Stauung des Mediums auf, die wiederum die Arbeit der Wirbelbewegung
verrichtet,
In aller Strenge gilt dies nur von den äußersten Soggkräften, deren
Bereich ausschließlich dem freien Medium angehört. Die inneren Soggkräfte,
die von der Rückseite der Tafel begrenzt werden, üben durch das. Schlepp-
wasser einen Zug auf die Tafel selbst aus und hemmen sie dadurch in ihrer
Bewegung. Beinahe die ganze Rückseite der Tafel wird von den inneren Sogg-
linien des großen Oberrandwirbels beeinflußt, während nur wenige dieser Linien
vom Unterrandwirbel die Tafel erreichen. Die saugende Widerstandswirkung
hängt wesentlich vom Sinus des Winkels ab, den die Linien mit der Tafel
bilden. . Da man ferner annehmen darf, daß sich die Wirkung umsomehr ver-
stärkt, je kürzer die Kraftlinien desselben Wirbels sind, so folgt, daß der
saugende Widerstand an der Rückseite der oberen Tafelhälfte am
größten sein wird, während am Unterrande, wo die Richtung der Kraft-
linien mehr tangential zur Tafel ist, auch nur eine fast verschwindende Saug-
wirkung stattfinden kann.
Anderungen des Neigungswinkels haben zwar keinen Einfluß auf
das Wesen des Verlaufs der .Widerstandsströmungen, . bewirken aber Ver-
schiebungen der Stromteilungslinie und des Druckmaximums an der Vorderseite