v. Basenkamp, H.: F. Ahlborns Untersuchungen etc. des hydrodynamischen Widerstandes, 505
winkels darstellen; aber alle diese Formeln haben nur für bestimmte Flächen
eine beschränkte Geltung und führen meistens in ihren Konsequenzen zu .be-
deutenden Widersprüchen; zudem sind sie immer nur Ausdrücke für den Gesamt-
widerstand und geben weder über die Reibung noch über das Verhältnis des
Verdrängungswiderstandes an der Vorderseite zu der Saugwirkung an der Rück-
seite irgend welche Auskunft,
Die verschiedenen Versuche einer analytischen Behandlung der Wider-
standserscheinungen gingen darauf aus, den Widerstand in seiner Verteilung
über die Fläche im einzelnen zu untersuchen; sie scheiterten aber größtenteils
an der Unzulänglichkeit der experimentellen Hilfsmittel und den fast unüber-
windlichen praktischen Schwierigkeiten der Methode. Die Pitotsche Röhre,
die beim Wasser, das Differentialmanometer, das bei der Luft angewendet
wurde, war für dynamische Druckmessung kein unbedingt zuverlässiges Hilfs-
mittel, da jeder mehr oder weniger seitlich auf die Rohröffnung treffende Strom
saugend auf den Stand der manometrischen Flüssigkeit einwirkt und das
Messungsergebnis fälscht.
Die bisherigen Versuche der analytischen Bestimmung der Widerstands-
kräfte nach ihrer Anordnung und Verteilung haben somit das Problem nicht
gelöst und sind ebenso die Antwort auf die Frage schuldig geblieben, wie
diese Verteilung zustande kommt und welches ihre Ursache ist.
Langjährige Studien über die Flug- und Schwimmbewegungen im Tier-
und Pflanzenreich haben nun F. Ahlborn!) zu der Einsicht gebracht, daß für
deren Verständnis eine Weiterentwicklung der Widerstandsmechanik unerläßlich
sei. Er hat deshalb versucht, eine systematische Analyse der Widerstands-
erscheinungen durchzuführen, die Widerstandskräfte in ihrer Anordnung zu
untersuchen und die Ursachen und Gesetze dieser Anordnung kennen zu lernen.
. Folgendes war der leitende Gedanke dieser Untersuchung: Dient die: zur
Überwindung des Widerstandes nötige Kraft dazu, das Medium aus der Bahn
zu verdrängen und später wieder dahin zurückzuführen, so läßt sich aus der
Beschaffenheit der im Medium hervorgerufenen Bewegungen ein Schluß auf die
Kräfte ziehen, durch deren Wirkung diese Bewegungen unterhalten werden.
Ahlborn bezeichnet nun diese Bewegungen des Mediums als „Wider-
standsströmungen“ und definiert den Widerstand als die Summe der
Kräfte, die zur Unterhaltung der Widerstandsströmungen verbraucht werden.
Da hiernach die Widerstandsströmungen und der Widerstand im Ver-
hältnis von Ursache und Wirkung zueinander stehen, so folgt, daß die Kenntnis
dieser Strömungen von grundlegender Bedeutung für die Analyse der . Wider-
standserscheinungen ist und daß zunächst eine genaue Beobachtung und objektive
Darstellung der Strömungserscheinungen erforderlich ist und allen weiteren
Untersuchungen voranzugehen hat.
Wird ein plattenförmiger Körper in Wasser getaucht und mit der Fläche
gegen die Flüssigkeit bewegt, so fließt diese mit großer Geschwindigkeit im
Bogen um die Ränder der Platte in den Raum hinter der Tafel. Dabei entsteht
hinter jedem Rande ein Wirbel, dessen Achse sich durch eine trompetenförmige
Vertiefung des Wasserspiegels zu erkennen gibt. Zur Sichtbarmachung der
Strömungen kann man Bärlappsamen oder andere feine schwimmende Stoffe. auf
das Wasser streuen. Feine Sägespäne «sinken langsam im Wasser unter und
lassen die Strömungen im Innern leicht erkennen. Man sieht dann, daß die
beiden Wirbel an der Oberfläche nur die freiliegenden Endflächen eines halben
Wirbelringes sind, der der Platte, so lange sie sich bewegt, folgt. Wird die
Platte ganz untergetaucht, so entsteht bei ihrer Bewegung hinter ihr ein
geschlossener Wirbelring.
Zur objektiven Feststellung der Strömungen im Niveau wurde folgender
Apparat benutzt. (Tafel 23, Fig. 1.) ;
1) F. Ahlborn, Über den Mechanismus des hydrodynamischen Widerstandes. Abhand-
lungen aus dem Gebiete der Naturwissenschaften. Herausgegeben vom Naturwissenschaftlichen
Verein, Hamburg. Hamburg 1902. i
F. Ahllborn, Hydrodynamische Experimentalunternehmungen. Jahrbuch der Schiffbau-
technischen Gesellschaft 1904, XIX.