accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Kleinere Mitteilungen. 
185 
der beiden ersteren Schiffe, der Barken „Tellus“ und „Herzogin Sophie 
Charlotte“ ist recht lohnend, da beide ungefähr dieselbe Route nehmen und 
beide Schiffe ausgezeichnet abschneiden, wenngleich sie zu sehr verschiedenen 
Jahreszeiten segeln. Beide laufen zwischen den Fidji-Inseln und den Neuen 
Hebriden hindurch und haben bis Neu-Kaledonien eine Reisedauer von 23 bezw. 
26 Tagen. „Tellus“ erreicht Noumea am 25. Tage seiner Reise. „Herzogin 
Sophie Charlotte“ läuft in 32 Tagen nach Sydney und in weiteren 5'/2 Tagen 
nach Melbourne. Der Vergleich der Reisen der beiden Schiffe zeigt: 
ab Honolulu | 
„Tellus“. .. 
95, V. 01 
„Herz. Soph. ] 25. XI. 03 
Charlotte“ | 
Äquator | 
180° Lg. 
Neu- 
Kaledonien] Sydney 
Melbourne 
Noumea 
19. VI.O01 
2.VL.01 | 8. VI. 01 
'n 165° W-Le.lin 14,8° S-Br. 
17. VI. 01 ı 
6.X11.03 }10. XII 03 ‚22. XII, 03 je 1. I, 04 | _— 
lin 72° WLan) in 10° S-Br. | 
„Tellus“ schlägt also das Schulschiff auf der Reise zum Äquator um 
3 Tage, verliert auf der nächsten Strecke bis 180° Lg. 2 Tage in Zeit, schneidet 
aber auch diesen Längengrad etwa 5° südlicher und kommt dann in nur_9 Tagen 
von 180° Lg. nach der SO-Spitze von Neu-Kaledonien, welche „Herzogin 
Sophie Charlotte“ in 12 Tagen ab 180° Lg. erreicht. Am meisten verliert das 
Schulschiff gleich zu Anfang der Reise zwischen den Hawailischen Inseln, wo 
es 3 Tage in Stille treibt, und in 8—11° S-Br., wo Mallung und nur leichte 
Winde angetroffen werden; sonst hat aber das letztere Schiff bessere Segel- 
gelegenheit als „Tellus“, bei dem die Windstärke 5 nicht überschritten wird. 
RB. 
3. Das Tiefenstromsystem des Stillen Ozeans und die Entstehung des Kali- 
fornienstromes. Im zweiten Septemberheft von „Science“ bespricht S. E. Bishop 
die antarktische Tiefenströmung und sucht aus ihr die Entstehung des kalten 
Kalifornienstromes zu erklären. Nach seiner Ansicht kann der Kalifornienstrom 
eine Fortsetzung des Kuro-shiwo aus zwei Gründen nicht sein. Der Kuro- 
shiwo breitet sich aus, verliert infolgedessen an Mächtigkeit und kann an der 
amerikanischen Küste nicht als starker Strom erscheinen. Ferner ist der Kali- 
fornienstrom zu kalt. Wenn er die Wassermassen des Kuro-shiwo weiterführte, 
30 folgte aus der Geschwindigkeit, daß der Kuro-shiwo der starke Strom geblieben 
ist. Dann müßte er sich aber die Wärme erhalten haben. 
Eine aus der Antarktis, stammende ungeheure Wassermasse von nur 
1,6°C. füllt die Tiefen des Stillen Ozeans. Während im Atlantischen Ozean 
kalte Tiefseeströmungen auch aus der Arktis zum Aquator fließen, sich hier 
mit den antarktischen Massen stauen und an die Oberfläche steigen, fehlt dem 
Stillen Ozean bei seiner fast völligen Abgeschlossenheit gegen das nördliche 
Eismeer dieser Zufluß aus dem Norden. Es unterbleibt der gegenseitige Auf- 
trieb, und der antarktische Tiefenstrom, der bei der großen Front des Ozeans 
gegen das südliche Eismeer sehr mächtig ist, fließt weiter nach Norden, wobei 
er durch die Erdrotation nach Osten abgelenkt und gegen den amerikanischen 
Kontinent gedrängt wird. Zugleich vergrößert er auch seine Geschwindigkeit, 
da der Querschnitt, den er durchfließt, nach Norden immer kleiner wird. Durch 
fortdauernden Nachschub verstärkt, muß der Tiefenstrom sich aber einen Aus- 
weg suchen. 
In der Höhe von Vancouver setzt nun der kalte, starke Kalifornien- 
strom ein, und Bishop schließt aus seinen Ausführungen, daß es nur das 
Wasser des antarktischen Tiefenstromes sein kann, das hier an die Oberfläche 
tritt, um dann auf das Klima der Westküste der Union seinen bedeutsamen 
Einfluß auszuüben. Unter dem 30. Breitengrad biegt der Kalifornienstrom nach 
SW ab und fügt sich in die Äquatorialströmung des NO-Passates ein. Bemerkt 
sei noch, daß Bishop selbst auf die Notwendigkeit, seine Theorie durch 
Lotungen und Messungen zu prüfen, hinweist. 
Rudolf Lütgens.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.