Kleinere Mitteilungen.
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der beiden ersteren Schiffe, der Barken „Tellus“ und „Herzogin Sophie
Charlotte“ ist recht lohnend, da beide ungefähr dieselbe Route nehmen und
beide Schiffe ausgezeichnet abschneiden, wenngleich sie zu sehr verschiedenen
Jahreszeiten segeln. Beide laufen zwischen den Fidji-Inseln und den Neuen
Hebriden hindurch und haben bis Neu-Kaledonien eine Reisedauer von 23 bezw.
26 Tagen. „Tellus“ erreicht Noumea am 25. Tage seiner Reise. „Herzogin
Sophie Charlotte“ läuft in 32 Tagen nach Sydney und in weiteren 5'/2 Tagen
nach Melbourne. Der Vergleich der Reisen der beiden Schiffe zeigt:
ab Honolulu |
„Tellus“. ..
95, V. 01
„Herz. Soph. ] 25. XI. 03
Charlotte“ |
Äquator |
180° Lg.
Neu-
Kaledonien] Sydney
Melbourne
Noumea
19. VI.O01
2.VL.01 | 8. VI. 01
'n 165° W-Le.lin 14,8° S-Br.
17. VI. 01 ı
6.X11.03 }10. XII 03 ‚22. XII, 03 je 1. I, 04 | _—
lin 72° WLan) in 10° S-Br. |
„Tellus“ schlägt also das Schulschiff auf der Reise zum Äquator um
3 Tage, verliert auf der nächsten Strecke bis 180° Lg. 2 Tage in Zeit, schneidet
aber auch diesen Längengrad etwa 5° südlicher und kommt dann in nur_9 Tagen
von 180° Lg. nach der SO-Spitze von Neu-Kaledonien, welche „Herzogin
Sophie Charlotte“ in 12 Tagen ab 180° Lg. erreicht. Am meisten verliert das
Schulschiff gleich zu Anfang der Reise zwischen den Hawailischen Inseln, wo
es 3 Tage in Stille treibt, und in 8—11° S-Br., wo Mallung und nur leichte
Winde angetroffen werden; sonst hat aber das letztere Schiff bessere Segel-
gelegenheit als „Tellus“, bei dem die Windstärke 5 nicht überschritten wird.
RB.
3. Das Tiefenstromsystem des Stillen Ozeans und die Entstehung des Kali-
fornienstromes. Im zweiten Septemberheft von „Science“ bespricht S. E. Bishop
die antarktische Tiefenströmung und sucht aus ihr die Entstehung des kalten
Kalifornienstromes zu erklären. Nach seiner Ansicht kann der Kalifornienstrom
eine Fortsetzung des Kuro-shiwo aus zwei Gründen nicht sein. Der Kuro-
shiwo breitet sich aus, verliert infolgedessen an Mächtigkeit und kann an der
amerikanischen Küste nicht als starker Strom erscheinen. Ferner ist der Kali-
fornienstrom zu kalt. Wenn er die Wassermassen des Kuro-shiwo weiterführte,
30 folgte aus der Geschwindigkeit, daß der Kuro-shiwo der starke Strom geblieben
ist. Dann müßte er sich aber die Wärme erhalten haben.
Eine aus der Antarktis, stammende ungeheure Wassermasse von nur
1,6°C. füllt die Tiefen des Stillen Ozeans. Während im Atlantischen Ozean
kalte Tiefseeströmungen auch aus der Arktis zum Aquator fließen, sich hier
mit den antarktischen Massen stauen und an die Oberfläche steigen, fehlt dem
Stillen Ozean bei seiner fast völligen Abgeschlossenheit gegen das nördliche
Eismeer dieser Zufluß aus dem Norden. Es unterbleibt der gegenseitige Auf-
trieb, und der antarktische Tiefenstrom, der bei der großen Front des Ozeans
gegen das südliche Eismeer sehr mächtig ist, fließt weiter nach Norden, wobei
er durch die Erdrotation nach Osten abgelenkt und gegen den amerikanischen
Kontinent gedrängt wird. Zugleich vergrößert er auch seine Geschwindigkeit,
da der Querschnitt, den er durchfließt, nach Norden immer kleiner wird. Durch
fortdauernden Nachschub verstärkt, muß der Tiefenstrom sich aber einen Aus-
weg suchen.
In der Höhe von Vancouver setzt nun der kalte, starke Kalifornien-
strom ein, und Bishop schließt aus seinen Ausführungen, daß es nur das
Wasser des antarktischen Tiefenstromes sein kann, das hier an die Oberfläche
tritt, um dann auf das Klima der Westküste der Union seinen bedeutsamen
Einfluß auszuüben. Unter dem 30. Breitengrad biegt der Kalifornienstrom nach
SW ab und fügt sich in die Äquatorialströmung des NO-Passates ein. Bemerkt
sei noch, daß Bishop selbst auf die Notwendigkeit, seine Theorie durch
Lotungen und Messungen zu prüfen, hinweist.
Rudolf Lütgens.