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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1904
derselbe, den in entgegengesetzter Richtung die von Australien nach China
bestimmten Schiffe befahren.“ Soweit die Segelanweisung.
Diesen Weg nun hat „Gertrud“ eingeschlagen, als sie am 11. Februar 1904
Guaymas verließ, um nach Port Adelaide zu versegeln, und sie hat auf dieser
Route die Reise in 65 Tagen zurückgelegt, von denen 35 Tage im nördlichen
Stillen Ozean zugebracht wurden. Der südlich der Linie zu erwartende Nord-
westmonsun ist jedoch ganz ausgeblieben; es herrschten an seiner Stelle frische
bis steife O- und SO-Winde vor. Stürmischen Wind (9) hat „Gertrud“ nur
einmal nordwestlich von Neu-Kaledonien zu verzeichnen; sonst zeigt die Reise
einen außerordentlich regelmäßigen Verlauf, zu dem nicht unwesentlich ein fast
ständig mitsetzender Strom beigetragen hat. Wenn man nämlich die Beträge,
um die das Schiff nach den verschiedenen Quadranten versetzt wird, zusammen
addiert, so erhält man folgende mittlere Stromrichtungen und Gesamtbeträge:
NW-liche Strömungen: N 54° W von 158 Sm im Gesamtbetrag, bei 11 Etmalen,
SW-liche ® : S52°W „ 712Sm ” „ 46
SO-liche : 548°CO „ 705m „ » „ 6 „
NO-liche » : N53°0 „ 24Sm „ » » 2 Pe
Diese letztere Versetzung, N 53°0 24 Sm, fälli als einzige gegensetzende
Strömung in Betracht, und es hat somit „Gertrud“ mitsetzende Strömungen von
im ganzen 976 Seemeilen = 5 mittleren Tagesentfernungen zu verzeichnen
gehabt. Der Verlauf der Reise gestaltet sich im einzelnen folgendermaßen:
„Gertrud“ verläßt am 11. Februar 1904 mit mäßigem NW-Winde den
Hafen von Guaymas und schlägt gleich die nordwärts durch den Nordostpassat
führende Route ein. Bis zum 18, Februar auf 18° N-Br. und 118,5° W-Lg. hat
das Schiff NW- bis N-Wind und erhält hier den Nordostpassat, der bis zum
9, März 1904 auf etwa 7° N-Br. und 174° W-Lg. stetig mit Stärke 4 und 3
durchhält und nur selten einmal Stärke 5 erreicht. Am 10 März läuft der Wind
aus NO-Richtung in einigen Regenböen direkt in den Südostpassat über, welch
letzterer nun das Schiff auf dem ganzen Wege bis querab Sydney begleitet.
180° Lg. wird in 5,3° N-Br. am 12. März und der Äquator am 18, März in
169° O-Lg. geschnitten. Am 22, März wird Santa-Cruz im Osten gesichtet,
Der hier zu erwartende Nordwestmonsun wird nirgends bemerkt, wie überhaupt
nur an 3 Tagen südlich von Neu-Kaledonien leichte N- und NO-Winde beob-
achtet werden. Sonst steht der SO-Wind, zeitweilig recht frisch, bis zum
6. April auf etwa 34,5° S-Br. und 153,5° O-Lg. durch. An eben diesem Tage
erreicht der Wind noch einmal aus OSO-Richtung Stärke 8 und geht dann ab-
flauend und nördlicher holend nach NW herum. Nach einigen Tagen kommt
dann nach umlaufenden Winden am 13. April NO-Wind durch und bringt das
Schiff am 17. April nach dem Bestimmungshafen Port Adelaide.
Somit ist diese Reise, die genau nach den Vorschriften des Segelhand-
buches ausgeführt wurde, zu einer recht guten geworden und hat dem Schiffe
sehr günstige Gelegenheiten gebracht; die Route kann also Schiffen, die zu
dieser Jahreszeit ähnliche Reisen machen, auch weiter empfohlen werden. Das
vollständige Fehlen des Nordwestmonsuns ist wohl auf die vorgeschrittene
Jahreszeit zurückzuführen.
Reisen von der Westküste Amerikas nach Australien sind allerdings so
selten, daß das Material zu Segelanweisungen äußerst spärlich ist. So sind in
den Jahren 1897 bis 1904 nach den Tagebüchern der Deutschen Seewarte nur
4 Schiffe, welche Reisen von der Westküste Amerikas nach Australien gemacht
haben, von denen das eine, die hölzerne Hamburger Bark „Magallanes“,
Kapt. F. Rumpff, die von Callao nach Newcastle N. S. W. geht, nur für die
südliche Route‘) in Betracht kommt. Außerdem sind 2 Schiffe von Honolulu
nach Australien gelaufen, und zwar die stählerne Hamburger Bark „Tellus“,
Kapt. M. Nielsen, und das Schulschiff des Norddeutschen Lloyd, die stählerne
Viermastbark „Herzogin Sophie Charlotte“, Kapt. E. Zander; endlich noch
eins von San Francisco, Kal., nach Australien, nämlich die Hamburger Viermast-
bark „Optima“, Kapt. F.W. Thöm, welch letztere mit 36 Tagen von San Francisco
nach Newcastle N. S. W. die Rekordreise gemacht hat. Über diese letztgenannte
Reise lese man „Ann. d. Hydr. etc.“ 1904, S. 242. Ein Vergleich der Reisen
\'y Siehe Fußnote auf & 482