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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Schulze, F.: Pastor Mauritius Rachels Geistlich: Seekompaß. 
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elenders, als daß ein tappferer Mann auf dem Meere hin und her triebe! Denn 
oft erhebt sich ein Sturm, daß sie daumeln und wancken wie ein Trunckener. 
Die Mastbaume zerschlagen, die Tagel zerreißen mit Macht und. die Seefahreden 
werden in Gefahr ihres Lebens gesetzet, wenn der Sturm die Wellen über dem 
Schiffe zusammentreibt, dass es mit Wasser gefüllet und schwerlich errettet wird, 
Bald stoßen auch die harten Ströme mit Macht. an das Schiff, dass Unheil 
entstehet, sonderlich, wenn der Wind still ist, ‚Sie können dann der‘ Segel 
nicht viel gebrauchen und gerathen offt in zefährliche Wirbel-Ströme und durch 
deren Macht an gefährliche See-Oerter. Bald finden sie auch sehr böse Klippen, 
wenn die Schiffe mit vollen Segeln gehen. Stoßen‘ sie dann unversehens an 
eine, da ist es aus mit ihnen, Alles muß zerschmettert werden! Auch Donner 
und Blitz ist ihnen übelberüchtigt. Wann durch Verwahrlosung des Volckes 
zur Nacht ein Füncklein in dem Wercke oder Heede, worin der Compass ver- 
wahret ist, fällt und dadurch das Nachthauss, angestecket, lichterloh brennet 
(wie uns selbst schier wiederfahren wär, wann wir es nicht in der Zeit erfahren 
und gedämpfet hätten), Wo dann das Feuer zuerst an dem Schiffe hafftet, so 
ist schwerlich Errettung zu hoffen, denn da sind lauter Materien, die feuerfähig 
sind, als Pech, Flachs, Heede und andere Sachen, von welchen das Feuer seine 
Nahrung suchet. — 
Wem ist unbekannt, daß die Seeräuber die See hin und wieder durch- 
streichen? Und die Schiffer sind übel genug daran, wenn solche Gäste an Bort 
kommen. Sie legen stracks Hacken an und zerschlagen Bänke, Kasten und 
Alles; es gilt da Leib und Leben. ; 
Auch Gefahr stoßet ihnen zu von den »Prickene, dies sind kleine geringe 
Fische, die doch eine solche Stärke an sich haben, daß sie das größte Last- 
schiff, . wenn es mit vollem Winde segelt, in dem Lauff aufhalten können. 
Darumb werden sie auch Lateinisch genennet: Remorae, a remorando, zu 
Deutsch Verzögern. Kekkermannus nimmt Gelegenheit, die Ursach dieser 
verborgenen Eigenschafft zu erfinden. Er beschreibet einen Fisch, Torpedo 
genennet. Wenn er merkt, daß er verfolgt wird, speyet er einige Feuchtigkeit 
oder Geister aus seinem Leibe, daß die Fischer, so ihm nachstehen, erstarren 
and zittern. Sie können sich weder bewegen noch die Netze aus dem Wasser 
ziehen, Also meinet er, ist.es auch mit den Pricken, sie lassen von sich eine 
zähe und sehr kalte Feuchtigkeit, die das Wasser, so umb das Steurrohr, 
gleichsam frierend machet, also, daß ein Schiff sich nicht bewegen könne! — 
Sehen also Christliche Schiffer, welchen Gefahren sie unterworfen werden! 
‚Deshalb giebt der Seekundige nun im zweiten Teile seines gewiß. kultur- 
historisch sehr interessanten Buches Gesänge und Gebete für alle vorkommenden 
Fälle, Die Gesänge hat er, wie die Vorrede betont, „von Wort zu Wort aus- 
gesetzet aus dem Gesangbuch Lutheri. Wird man aber vorgeben, diese Schrifft 
schmecke nicht nach dem Teutschen Styl, so achte ich deren nicht und muß 
die Antwort geben: Einfältige sollen es lesen, darumb ist es auch einfältig 
geschrieben.“ 
Es schließt naturgemäß mit einem Gebete, anzuwenden nach vollendeter 
Reise: „Nun sehen wir wieder, Himmlischer Vater, den Hafen von welchem 
wir abgesegelt sind und können wieder das Land betreten, die Stadt schauen 
and in unsere Behäusung eintreten etc.“ 
„Zum Beschluß hat man denen Seefahreden zum Besten, die nachher 
Spanien, als auch in die mittelländische und Nordsee zu reisen gedenken, bey- 
fügen wollen das ‚alte .Seerecht der Löblichen Schiffergesellschafft in der 
Käyserlichen freyen Reichsstadt Lübeck etc.“ 
Dies giebt in 48 Artikeln die verschiedensten Strafen für allerlei Ver- 
gehen gegen die Schiffsordnung an, während die ihnen angeschlossenen 
61 Paragraphen des Hamburgischen „Articuls-Briefes“ dienen sollen, Disciplin 
zu gutem Ende zu führen. 
Die letztgenannte Verordnung ist. teilweise eine Erweiterung der ersteren 
und bestimmt für die Hamburger Convoy - Schiffe, welche in jenen Zeiten der 
Unsicherheit, die: uns, Rachel so anschaulich geschildert hat, die Kauffahrer 
begleiten und gegen Überfälle schützen mußten. 
Ann. d. Hydr. etc., 1904, Heft X.
	        
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