Schulze, F.: Pastor Mauritius Rachels Geistlich Seekompaß.
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meldet wird, auch sich in der Tath so verhalte, auch hat man von den Schiffern
viele Erfahrenheit in Himmlischen und astronomischen Künsten. Sie zeigen uns,
wie man die Höhe des Meeres durch ein hiezu verfertigtes Instrument er-
forschen soll nach der Sonnenbeschattung. Dazu müssen aber die Steuerleute
wissen den Lauff der Sonnen, des Mondes und der Sterne und können auch die
Sterne mit Nahmen nennen. Und wem ist es wohl unbekannt, daß manche
Schiffherren zu hohen Ehren sind gelanget, jawohl zu Fürstlichen und Gräfflichen
Aemptern sind gelanget?“ ;
Als Beleg nennt uns Pastor Rachel den Kriegsobersten Mandro, den
Bruder und den Vater des Pabstes Sixti u. a. Auch Christus habe die Seeleute
schon hoch geehrt, denn wem sei nicht des Herrn Vergleich seiner Kirche mit
einem Schiffe bekannt? Er ging auch nach Luc. 5 mit den Jüngern an Bord
und „bezeugete dadurch, daß die Christliche Kirche nichts anderes, denn ein
Schiff, welches auf dem. . Weltenmeere mit Wellen der Trübseligkeit bedecket
wird. Die Ruder sind Fried und Einigkeit, das Steuerrohr der H. Geist, das
Anker die Hoffnung. Die wahre Oese (Oesfatt) ist die Bußfertigkeit, das Deck
aber das Umbgehen mit Ehrlichen Leuten.
Gottvergessene Schiffer aber werden billig verachtet und in keinem
Werth gehalten, weil sie mit ihren bösen Werken diesem so uhralten Stand
einen: Schandflecken anhangen. Deshalb hat auch das Corp. jur. lib. 5 die
Schiffleute. als Bössberüchtigte auffgerufen, die Bossleute, Krüger und Stall-
knechte in ein Register gebracht, nicht etwa, als ob die Segelkunst gering
wäre, sondern. weil Leibeigene und geringe Leute sich ihre gewidmet haben.
Hie möchte nun Jemand fragen: Woraus entstehet doch das Meer? Obwohl
nun viele ungleiche Meinungen sind, so können wir doch sagen: Es ist von
Anfang so gesezet und geordnet und ‚hat seinen Namen nach den 4 Theilen der
Welt, es nimmt aber auch seinen Namen wiederum von den Ufern, welche es
anläuft, als die Spansche See. Wo es sich bei Elsingör einspannet, da wird
es Belt genennet, und wenn es Africam von Kuropa scheidet, heißet es das
Mittelländische und sofort. Es umbläufft den gantzen Erdkreis und hat folgende
Eigenschafften:: Dicke und Fettigkeit, so aus der Saltzigkeit entspringet. Doch
ist es nicht so dick, wie das Erdreich, denn wie wolte wohl ein Schiff segeln,
wie die Fische im Wasser laufen und spielen, wann das Meer an Dicke der
Erdkugel sich gleichen sollte? Aber doch ist es dicker als die allerdickste
Luft. Dann wenn das Meer dünne wär, wie die Lufft, würde niemand drin
schwimmen noch segeln können. Wie möchte auch wohl die Last eines Schiffes
vom Meer getragen werden? Schwer ist es nemlichen, soweit es der Lufft
entgegengehalten wird, leicht gegen die Erde zu rechnen. Kalt ist das Meer
ferner. Schlage nur mit der Hand ins Wasser, so wirst Du befinden, daß es
kalt sei. Zwar mag ich gestehen, daß zu Zeiten eine lauliche Wärme im Meere
sich befinde, aber solche rühret nicht eigentlich her vom Meere selbst, sondern
von den Winden und verdoppelten Sonnenstrahlen. Feucht ist auch das Meer.
Und wo bei einem Gegenstande sich Feuchtigkeit befindet, da ist auch Wasser
zugegen! Klar ist es an etzlichen Orten sosehr, daß man einen Sechsling auf
etzliche Faden auf dem Grunde kann liegen sehen,‘ was zwar in der Ostsee
wird schwerlich angehen und eintreffen. Es wird nun beweget, erstlich in der
Richtung von Mitternacht. nach Norden und wird solches genennet von den
Weltweisen: motus aequationis, während man die Bewegung von Ufer zu Ufer
nennet: motus librationis. Drittens aber, indem es bald auf, bald abläuft, hat
es noch die Bewegung, so man auf ‚teutsch nennet: Ebb und Fluth, motus
aestuationis. Die schnelleste aber ist die vom Aufgang oder Osten, biss zum
Niedergang oder Westen. Manniche nun meinen, wenn das Bier göret, so
steiget es durch einen innerlichen Geist. So mag auch das Meer bald in die
Höhe, bald niedrig getrieben werden. Sollt aber die Krafft innerlich sitzen, so
müsste man meinen, das Meer sei ein lebend Wesen, also ein Thier. Darumb
mag die bewegende Krafft auch zugleich äußerlich sein. Sie wird dem Monde
zugeschrieben, weiln sich das Meerwasser nach dem Monde richtet. Denn,
wann der Mond voll ist, giebt es Hochwasser, wann er aber abnimmt, so nimmt
auch das Wasser ab. Gleichwie der Magnetstein durch ein verborgene Krafft
das Eisen an sich ziehet, so hat auch der Mond ein verborgene. Eigenschafft,
Gleichwie das Gestirn den Einfluß hat. in die Dinge, so auf Erden sind, nach