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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

476 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1904, 
wird und ein Schiffer mehr mit Segeln, als ein Andrer mit saurer Arbeit im 
Hause verdienen könnte. Das Meer reichet dem Menschen die Nahrung, das 
Meer giebet Reichtumb. Schon die Schiffe Hiram haben dem König Salomon 
Gold aus Ophir, Ebenbholtz und Edelgestein zugeführt. . . Dies Land, meinen 
Einzelne, sey in Westindien, welches von den Schiffern heutzutage durch Ver- 
wechslung der Buchstaben Peru genennet wird. 
Dienet nun die Schiffahrt einerseits dem Menschen, ihre Nahrung zu 
suchen, so ist sie auch möglich, mit ihr das Licht des Evangelii auszubreiten, 
das wir in den Americanischen Inseln gepflanzet haben. Durch Hülfe der 
Schiffahrt ist Mexico gefunden und die Neue Welt entdecket, von der Philippus 
Cluverus erweisen will, daß sie von je heraus und undenklichen Jahren 
den Alten bekandt gewesen 3ey! — — — 
Auch zu Zeiten der Verfolgungen und Trübsal hat die Schiffahrt gedienet, 
die Christen beym Leben zu erhalten, wie Noa entgehen konnte, während alle 
andere Menschen, als die Sündfluht den Erd-Kreiss bedeckete, erseuffet und 
vertilget wurden. 
Woher wollte wohl eine Stadt die Wahren aus der Frembde haben, 
wenn dem Menschen die Schiffahrt nicht geoffenbaaret wäre? Höhe, Theurung 
und Versteigerung der Wahren würde verursachet, ja sie würden in solcher 
Menge nicht herbeygeführt werden können, als zu diesen Zeiten vermittelst 
der Schiffe geschiehet, Und viele Oerter sind wohl in der Welt, wohin man 
mit Pferden und Wagen nicht gelangen könne? Ohne sie mag die Kauffmann- 
schafft nicht bestehen. Denn sie kann in fliegender Eyle haben, was wir zu 
Lande gar späht erhalten würden. Es ist wahr, was M. Jacobus Stolterfuss 
{vorn richtig „foht“) von Pauli gefährlicher Schiffsreise schreibet: Wenn Gottes 
Wetter und Wind es fuget, so kann man bissweilen an einem Tage zu Schiffe 
weiterkommen, als man in zweyen oder mehr zu Lande wohl nicht würde thun 
können. Solches wissen auch Leute hiesigen Orthes aus Erfahrung: Von Fehmern 
nach Rostock segelt ein Schiff mit gutem Winde innerhalb vier Stunden; zu 
Lande ist solches zu thun eine lautere Unmöglichkeit! Darob hat schon Salomon 
in seinen Sprüchwörtern sich verwundert: Drey Dinge sind mir zu wunderlich 
— — des Adlers Weg im Himmel, der Schlangen Pfad auf einem Felsen, des 
Schiffes Kurs mitten im Meer!“ 
Mit dem gelahrten Lambertus Danaeus hält auch Pastor Rachel die See- 
fahrt hoch, „denn sie verursachet, daß geringe Oerter zur Aufnahme kommen“. 
Dantzig sei, teilt er mit, vor 330 Jahren nur ein Dorf gewesen, in dem noch 
zu Albertus Crantzius Zeiten sich Leute an die Strohdächer auf dem Markte 
erinnern könnten, trotzdem es nun eine „so herrliche und Heldenstadt geworden“, 
Rostock sei ebenfalls ein Dorf gewesen, „itzo ist sie eine ansehnliche Stadt und 
wird ohn allen Zweiffel diese Erhöhung von der Schiffahrt ihren Ursprung 
nehmen.“ — „Wie wollte man auch wohl Fische fahen und aus der Tiefen des 
Meeres herausbringen, wenn keine Schiffe wären? Denn in alle Wasser kann 
man nicht hineingehen und die Netze aufziehen, sondern man muß Schiffe, 
Kahnen und Böhte haben“. 
Er faßt nochmals zusammen: „Was die Kauffmannschaft erhällt, die 
Steigerung der Wahren verhütet und unzähligen Nutzen hat, das ist einer Stadt 
hochnotwendig; darumb auch ebenso die Schiffahrt, auch sie ist hochnötig. 
Deshalb stehen auch fromme Schiffer billig in hohen Ehren, weilen die Ansee- 
Städte solcher Leute nicht entbehren können. Zwar viele unbesonnenen Leute 
verachten dieses Schiffsvolk. Aber keiner der sich durch seine Geschicklichkeit 
vom gemeinen Manne absondert, wird jemahls solche verachten, sondern sie 
vielmehr lieb und werth halten, einmal darumb, weil der Schiffer mehr in der 
Heilg. Schrift gedacht wird, als aller anderer Handwerker. Ezechiel 27, 27; 
Jonas 1, 6; Apostelg. 27, 11; Offenbr. St. Joh. 18, 17; 1. Buch d. Kön. 9, 27; 
Macab. 3, Buch 4, 10, wo des Schiffsruders gedacht wird, während an anderem 
Orte der Leute und anderer Geräte Erwähnung geschieht, wie z. B. des Blei- 
wurfes (Lotes) etc. Darnach also sind die Schiffer fromme Leute! Warumb 
sollte man sie verachten?“ fragt unser Autor, „da man doch sonst gerne den 
weitgereisten Leuten zuhört! Diese aber reisen durch die gantze Welt und 
sehen vieler Städte Gebrauche, Sitten und Rechte. Man kann von den Schiffs- 
herren erfahren, ob dieses oder jenes, welches von der Erdbeschreibung ver-
	        
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