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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Schulze, F.: Pastor Mauritius Rachels Geistlich Seekompaß. 
Eine sonderliche Art zu schiffen hätten darum, nach Plinius, die Ein- 
wohner der Insel Tapobrana oder Symmatra, welche gerade unter der Mittel- 
linie gelegen, gebraucht. „Wann sie zu Schiffe gehen und den Nordstern nicht 
haben können, wornach sie ihren Kurs richten, so nehmen sie mit sich ins Schiff 
etzliche Vögel, von welchen sie bisweilen einen fliegen lassen. Weil aber 
dieser aus inniglicher Bewegung der Natur dem nähesten Lande zufleucht, so 
folgen sie mit dem Schiffe ihm nach, . . 
Unsere Schiffer aber itzo haben ein weit höhere Wissenschaft der Segel- 
und Steurkunst durch Hülf des Seekompasses. Nach demselbigen wissen sie 
auf was Tüttel sie mit ihrem Schiffe stehen. Wiewohl ist dem erfahrnen 
Schiffer doch noth, daß sie Wissenschaft haben etzlicher Sternen, als des 
Wagens, den wir ursam majorem nennen, ‚des Siebengestirnes, Jacobstabs und 
anderer, welche die Gelahrten anders genennet haben.“ 
Aber der Seekompaß bleibt. doch nach des Pastors Meinung des See- 
mannes Haupthandwerkzeug. „So wenig als ein Schiffmann, der Winde ent- 
behren kann, ebenso wenig mag er auch des Kompasses entrahten. Durch 
dessen Hülfe können wir uns auf See wagen, wohin die Alten niehmahls haben 
kommen dürfen, weiln sie dieses edlen Werkzeugs Kundschaft und Erfahrenheit 
nicht gehabt haben. Wir erkennen durch seine Hüllfe alle Winde, so von 
denen Schiffsleuten beobachtet werden. Wir wissen die vier Ecken des Erd- 
kreises und kennen auch den Mittages-Circkel. Er ist, wie Vitruvius lib. 1, 
Cap. 6 beschreibet, ein Instrument, daß den Schiffsherren dazu dienlich, daß sie 
wissen auf was Tüttel der See das Schiff stehe. Doch ist seine Beschreibung 
etwas eng eingespaunet, Keckermannus giebt sie besser: Der Compaß sey eine 
höltzerne und runde Büchse oder Gefäß, zwey, zum höhesten drey Finger breit 
hoch. Auf dem Boden dieses Gefässes sey eine Papierne Scheibe, die sich gar 
leicht. umtreiben Jässet. An den beyden Seiten ein wenig dünnes und gleichsam 
in zwey Theile zertheiletes Eisenwerck, auf welches dieses papierne Rad lieget 
und gleichsam. ruhet. Im Mittelpunkte dieses Rades sey ein ehrnes spitziges 
Thürmlein fest gemacht, welches auf einer spitzigen Nadel stecket und machet, 
daß die Scheibe gleichwichtig ist an beyden Seiten. Eines von den Eysernen 
Plätgen an der eußersten Seiten wird mit dem Magnetstein bestreichet und 
wendet sich durch selbiges Krafft immer nach dem Nord-Pol zu, es mag auch 
das Schiff mit dem Steur-Rohr umgetrieben werden, wie es will. Diese Seite, 
welche mit dem Magnetstein bestrichen ist, wird mit der Gestalt einer Lilien 
bezeichnet, damit die Schiffer desto besser den Nordstrich haben können,‘ Denn 
wo die Lilien-Blume stehet, da ist Norden, es sey bey Tage oder Nacht, bey 
hellem oder klarem Gewitter. Dies Instrument wird von den Schiffsleuten im 
Nachthause wohl verwahret und ist oben mit. einer gläsernen Plate bedecket, 
damit kein Staub oder Fettigkeit hineinkomme. Denn Staub, Schmaltz, 
Zwiebeln, Knoblauch seyn des Compasses eußerstes Verderben. 
Wenn Eisen, welches mit einem Magnetstein bestrichen ist, mit 
Knoblauch gerieben wird, so vergehet ihm die Krafft, nach welcher 
er den Nordpol zeiget, wiewohl Joh. Bodenius solches läugnet, was doch 
Joh. Baptista von Helmont den Schiff-Leuten in Prince. Phys. inauditis zur 
Nachricht gesetzet. Ich halt es dafür, daß dem Bapt. von Helmont glauben 
beygemessen werde, als welcher zweiffels-frey ohne der Erfahrung nichtes setzet. 
Der Erfinder des Compasses ist gewesen, wie Thimoteus Polus, Profess. Rerv., 
in seinem lustigen Schauplatz pag. 384 bezeuget, Flavius Malphidanus, der in 
Campanien, einer zum Königreich Neapolis behörigen Landschafft, gewohnet hat.“ 
So ausgerüstet konnten also die Schiffleute nach der Meinung unseres 
Gewährsmannes in See stechen, weil die Schiffahrt notwendig, „daß sie den 
Einwohnern der Städte und Dörffer, an der See belegen, in Erwerbung der 
Zeitlichen Nohtdurfft die Hand böhte“. — — „So ist es denn gleichviel, ob 
ein Mensch zu Lande oder zu Wasser arbeite, wann es nur zu seiner und der 
Seinigen Nahrung geschiehet! Dieses ist nicht, ohn daß zu Zeiten des Un- 
gewitters die Schiffleute nicht still sitzen und alles gehen lassen, wie es geht; 
sondern sie regen die Fäuste rechtschaffen, strecken die Achseln daran und 
arbeiten nach allem Vermögen und ist zu solcher Zeit die See-Arbeit keine 
geringe Arbeit. — Ein Schiffer muß solche Arbeit dulden, denn sie währet 
nicht immer: Es kömmt endlich, daß die Mühe mit reichem Segen belohnt 
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