Perlewitz, P.: Drachenaufstiege in ihrem Einfluß auf Gewitter. 473
Wege: die Kostspieligkeit und die nicht ausgeschlossene Gefährlichkeit für den
Experimentator; die größte Vorsicht ist anzuwenden und besonders am Draht
auf das Erscheinen eines Kugelblitzes zu, achten; der bis zur Winde fortlaufen
und dort Zerstörungen anrichten könnte. Übrigens sind bis jetzt in der Geschichte
der Drachenaufstiege Unfälle nennenswerter Art nicht vorgekommen. Auf die-
jenigen Unglücksfälle, welche im Gegensatz zu unseren Versuchen bei Fessel-
ballonaufstiegen, bei denen leichte, leider explosive Gase benutzt werden müssen
sich ereignet haben und. die zum Teil aber auch nur durch mangelnde Vorsicht
in der Herstellung ‚einer guten Ableitung des Kabels zur Erde hervorgerufen
sind, kan Rn nicht eingehen.
Jedenfalls wird man alles unfreiwillig bei Drachenaufstiegen i i
Hinsicht gelieferte Material sorgfältig sammeln müssen, um möglichst. Sn
Resultate zu erzielen.
Pastor Mauritius Rachels Geistlich Seekompaß.
Von Dr. Franz Schulze, Lübeck.
„Habent Sua Fata“, sagt schon ein altes Sprüchwort von den Büchern.
Und wie ihre Schicksale, so haben sie auch ihre Geschichte, und ehe sie eine
solche durchmachen konnten, auch ihre verschiedene Bestimmung.
Diese kann man meistens sofort aus dem Titel ersehen, wenn sie Fach-
wissenschaften lehren sollen, Sind sie schöngeistigen Inhalts, so läßt uns die
Überschrift auch nicht lange im Zweifel, welcherart Geistesprodukt man vor
sich hat. „De luchtende Fakkel der Zeevaart“, die „Schatkamer der Stuurlieden“
Jassen uns ebenso wenig in Ungewißheit über die Natur des Werkes, als wie
Titel: „de militia navali veterum“ oder Lampert Hinrich Roehls „Anleitung,
den richtigen Weg auf der See zu finden“, Klaas de Vries und Pybo
Steenstra, John Hamilton wie Brarens haben es alle verstanden, dem
Käufer ihrer Werke durch Wahl eines richtigen Titels von vornherein jeden
Zweifel über die Natur des Buches zu beseitigen..
Anders ist es mit einem, mir neulich durch Zufall in die Hände gelangten
Werke, dessen Inhalt mich außerordentlich interessierte.
Nach dem Titel der zweiten Abteilung mußte ich’s auch für ein nautisches
Werk halten. Das Blatt vorn am Anfang fehlt leider, so daß der Drucker von
mir nicht zu ermitteln ist. Aus dem folgenden . kurzen Auszuge des Inhalts
ersieht man, wie der Verfasser zwei Zwecke. verfolgte und mit seinem Buche
ein Bedürfnis decken wollte. Die angegebenen Proben sprechen für sich selber,
so daß ich weder die Absichten des Schreibers erklären, noch weitere Kommentare
zu geben brauche,
Obgleich der alte Herr, wie er in der Vorrede zu seinem 1662 in
Petersdorf auf Fehmarn geschriebenen Seekompaß bekennt, „nie gewillet
gewesen, durch die Presse etwas an das öffentliche Licht zu bringen“, so hat
er auf Anraten von Freunden seine Meinung doch geändert. Erstens, „weil es
auf der berühmten Insul Fehmern viele Schiffer giebet“, zum zweiten aber,
„weil er wiederum Lust geschöpfet zu dem Werke, das er schon der ewigen
Ruhe gewidmet, nachdem ihn ein erfahrener Schiffer, Nahmens Peter Gunders,
zu St. Peter.in Eyderstedt seßhaftig, nicht wenig dazu angefrischet“. Dieser
wohlerfahrene Seemann, mit dem der alte Pastor „von Norwegen nach Tönningen
geschiffet“, hat öfters, wie Rachel weiter sich vernehmen läßt, „den Wunsch
nach einem Deutschen Buche ausgesprochen, in dem von der Schiffahrt sowohl,
als von geistlichen Seegebeten gehandelt würde“.
. Rachel hielt diesen Wunsch auch insofern für berechtigt, weil der
Schiffer künftig nicht mehr nötig haben würde, „zwey Bücher zu kauffen, indem
er Gesänge und Schiffsgebeter zusammen ‚mit seinem Schiffsbuche in einem
einzigen Bande zusammen hätte“! Vor allem aber rühmt sich der sonst
bescheidene Herausgeber, daß er den Seeleuten den Weg zur Gottesfurcht in
deutscher Sprache zeigen wolle. „Hiebevor sind erst wenig Bücher zum Drucke
ausgefertigt worden in unserer Muttersprache, welche von dieser Materia aus-
führlich handeln, ohne allein das herrliche Werk des Herrn M. Jacobus
Stolterfoths, itziger Zeit Hauptpredigers an Marienkirche zu Lübeck, welcher die
gefährliche Schiffahrt S. Paulus. in etzlichen Predigten beschrieben aus dem
27. Kap. der Apostel-Geschichte St. Lucas.“