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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Kleinere Mitteilungen, 
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Mit einem solchen Schiffe würde ich etwa am 1. Juli nach dem Norden 
aufbrechen und nach Erreichung des Whale Sounds meine Eskimos an Bord 
nehmen und bei Kap Sabine ‚eine permanente ‚Unterstützungsbasis einrichten. 
Alsdann würde ich einen nördlichen Kurs zu erzwingen suchen, um die Nord- 
küste. von‘ Grant Land zu erreichen, welche ich als Winterquartier in Aussicht 
genommen habe. Unterwegs beabsichtige ich, in‘ mir notwendig erscheinenden 
Entfernungen, Zwischenstationen einzurichten. 
Mit dem ersten Wiederkehren der Sonne im Februar würde ich mit einer 
kleinen und leichten Pionierabteilung, welcher ein größerer und vollständiger 
ausgerüsteter Haupttrupp folgen soll, über das Packeis genau nordwärts auf- 
brechen. Ich rechne darauf, den Weg zum Nordpol und zurück in etwa 100 Tagen, 
oder auch etwas mehr, zurückzulegen. Dies würde ungefähr einer mittleren 
täglichen Reise von 10 Sm entsprechen. . 
Nach Rückkehr würde ich versuchen, das Schiff noch in derselben Jahres- 
zeit auszueisen und. heimzukehren. 
Sollten die Eisverhältnisse im ersten Jahre derart sein, daß ein Vor- 
dringen nach der Nordküste von Grant Land nicht durchführbar erscheint, so 
beabsichtige ich soweit nördlich als möglich zu überwintern und das Schiff im 
nächsten Jahre an die gewünschte Stelle zu bringen, in welchem Falle die 
Expedition zwei Jahre dauern würde. 
Dieser Plan ist das Resultat zwölfjähriger, fast ununterbrochen fortgesetzter 
Versuche in diesen Breiten und beruht auf einer persönlichen umfangreichen 
Kenntnis der Gebiete von Kap Sabine bis zum 84. Grad nördlicher Breite, 
sowie einer gründlichen Vertrautheit mit dem Klima und sonstigen Verhältnissen, 
wie auch mit den Eskimos. . ; 
Die besonderen Gesichtspunkte meines Planes sind folgende: 
[ch beabsichtige erstens der Reise durch den Gebrauch, besonderer 
Schlitten mit verhältnismäßig leichter Ladung und von Hunden gezogen, eine 
Reiseeinheit von hoher Geschwindigkeit und großem Aktionsradius .zu geben, 
im Gegensatz zu den von der Mannschaft gezogenen und schwer beladenen 
Schlitten von geringer Beweglichkeit und kleinem Aktionsradius, zweitens die 
Eskimo-Methode und -Ausrüstung anzunehmen und die Eskimos selbst möglichst 
nutzbar zu machen. . . 
Der Vorteil meines Planes und des gewählten Reiseweges liegt darin, daß 
die feste Landbasis bei diesem; dem Nordpol 100 Meilen näher ist als auf jedem 
anderen Wege, sowie darin, daß das sich von hier nach dem Nordpol erstreckende 
Packeis viel fester ist als auf der entgegengesetzten Seite des Poles. Der aus- 
gedehntere Landweg auf welchem der Rückmarsch zu bewerkstelligen ist, bildet 
eine gut gangbare Verbindungslinie, auf welcher sich der Rückzug zu verhältnis- 
mäßig niedrigeren Breiten zu jeder Jahreszeit durchführen läßt. 
Die hier in Umrissen vorgezeichnete Arbeit umfaßt zwei verschiedene 
Abschnitte, nämlich die, Navigierung des Schiffes nach der Nordküste von 
Grant-Land und das Überschreiten des Packeises :mit Schlitten von‘ der 
Nordküste des Grant-Landes nach dem Nordpol und zurück. In Verfolg 
des ersten Teiles haben schon vier Schiffe. („Polaris“, „Alert“, „Discovery“ 
und „Proteus“) sich ihre Lorbeeren gepflückt. In Bezug auf den zweiten Teil 
führe ich an, daß ich schon vier Reisen in gleichen Gegenden gemacht habe, 
bei welchen Reisen die Luftlinie im Durchschnitt vom Anfangspunkt bis zum End- 
punkte dieselbe Entfernung hatte, wie von der Nordküste des Grant-Landes bis zum 
Nordpol. Die Entfernung in Luftlinie vom Anfang bis zum Endpunkte war bei 
meiner Schlittenreise im Jahre 1900 eine solche, daß sie mich über den Nordpol 
hinaus und wieder zurück geführt haben würde, wenn der Ausgangspunkt an 
der Nordküste des Grant-Landes gelegen hätte. N 
Der Nordpol ist der letzte große geographische Preis, den die Erde zu 
bieten hat, und kann daher dessen Erreichung als ein Zeichen der endlichen 
geistigen Besiegung der Erde gelten. Sie wird stets als’ ein großes Denkmal 
in der Geschichte dastehen. 
Die Erreichung des Nordpols ist nach meiner Meinung unser offenbares 
Vorrecht und unsere Pflicht, während seine Erreichung. durch eine andere 
Nation uns im Lichte eines Tadels erscheinen lassen könnte. und zur berechtigten 
Kritik herausforderte.
	        
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