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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

470 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1904. 
an ihren Enden vielleicht auch größer wurden, mußte sie an der trockensten 
Stelle durchbrennen. Es werden daher zur Vermeidung weiterer derartiger 
Unfälle auch für die Nebenleinen zur Anbringung der Hilfsdrachen Drähte 
verwendet. 
Ein anderes Beispiel, das uns die Wirkungen der Elektrizität im Drachen- 
draht vorzüglich vor Augen führt, ist folgendes: Am 9. Mai 1904 fand der Auf- 
stieg im Zentrum eines von Hamburg sich über die südliche Nordsee erstreckenden 
Minimums statt. Das Wetter klarte sich ein wenig auf; unten herrscht SSW-Wind, 
in über 2000 m Höhe SSO. Der oberste Drache war schon aus einer Höhe von 
3150 m bis 1100 m eingeholt, als der Draht infolge einer sich stauenden Splissung 
dicht bei der Winde entzweiriß. Die noch an dem etwa 1500 m langen Draht in der 
Luft befindlichen zwei Drachen flogen infolgedessen mit dem nachschleifenden 
Draht in der Windrichtung davon. Wir liefen sogleich nach, um den Draht 
(estzuhalten, aber vergeblich, dieser konnte es besser. Doch da kam uns eine 
in der Nähe einsam stehende Eiche zu Hilfe. Der Nebendrache, der nicht mehr 
hoch über dem Erdboden war und am Hauptdraht mittels eines Hilfsdrahts be- 
festigt war, verfing sich in den Asten des Baumes und hielt so den Haupt- 
drachen, der etwa 1000 m hoch ruhig in der Luft stehen blieb. Nun galt es, 
den Hauptdraht vorsichtig mittels einer über ihn geworfenen Schnur aus den 
obersten Asten des Baumes herunter und dann zurück zur Winde zu ziehen. 
Bei der ersten Berührung des Drahtes bekamen wir aber sogleich einen kräftigen 
slektrischen Schlag, der uns nötigte, den Draht mittels einer trockenen, die 
Elektrizität isolierenden Schnur, die um die Splissung herumgeschlungen wurde, 
zu fassen und zur Winde zurückzuziehen. Das Ende des Drahtes, das dabei 
über den feuchten Erdboden nachschleifte, erzeugte ein lebhaftes Geknister, 
und kleine helle Funken waren im Grase sichtbar. Nachdem dann der Draht 
durch Kupferdrähte mit der Erde und Winde vorübergehend verbunden war, 
wurde er mit dem auf der Winde befindlichen Draht wieder zusammengesplißt, 
and das Einholen des Drachens konnte seinen regelrechten Fortgang finden. 
Ist ein für allemal die Winde gut zur Erde abgeleitet, so wird bei 
normaler Witterung, und so lange der Aufstieg des Drachens ein gleichmäßiger 
ist, von den in dem Draht herrschenden hohen elektrischen Spannungen, die sich 
dann auch nur stetig ändern, nichts zu verspüren sein. 
Anders kann es aber werden, wenn der Drache bei schnellem Steigen 
plötzlich in eine Wolkenschicht gerät, die eine von der bisherigen Umgebung 
des Drachens gänzlich verschiedene elektrische Ladung besitzt, oder wenn bei 
böigem Wetter mächtige, meist dunkel oder schwarz aussehende, stark elektrisch 
geladene Wolkenmassen aufziehen und gegen den Drachen oder die Drachenleine 
treiben, Besitzen diese den Drachen plötzlich umhüllenden Wolken ein von 
der bisherigen Umgebung des Drachens allzu verschiedenes Potential, so kann 
die Katastrophe nicht ausbleiben, und man steht ibr, sie ruhig erwartend, 
machtlos gegenüber. 
Der Weg, auf dem die Potentiale sich auszugleichen suchen, ist der, auf 
dem der Ausgleich bereits begonnen hat, d. h. der Drachendraht, der aber für 
so plötzliche Spannungsänderungen doch einen zu großen Widerstand bietet, 
als daß der Ausgleich genügend schnell in normaler Weise vor sich gehen 
könnte. Einmal im Gange, gibt es kein Warten, kein Halt; ist der Widerstand 
zu groß, so muß der Ausgleich der Spannungen gewaltsam in Form einer Ent- 
Jadung da erfolgen, wo er langsam begonnen hat, längs des Drachendrahts. 
Ein Beispiel soll uns den Vorgang vor Augen führen. 
Bei Beginn des Drachenaufstieges am 4. Juli 1904 um 10 Uhr vormittags 
herrschte frischer, etwas böiger Westwind, während der Himmel zu */10 mit 
Cumulus und Cumulo-nimbus Wolken bedeckt war. Gegen 11 Uhr erschien 
am westlichen Horizont eine besonders große und dunkle Wolke, die uns wieder 
eine stärkere Wind- und Regenböe zu bringen drohte. Unser 4 qm großer 
Drache mit dem Instrument stand um diese Zeit etwa 1400 m hoch, jedoch für 
uns unsichtbar, da die Wolken bis 1250 m herabreichten. Außer dem Haupt- 
drachen waren an den bisher ausgelassenen 2980 m Draht noch zwei Hüilfs- 
drachen von 2'/sa und 4 qm Windfläche, von denen der erstere 600 m, der zweite 
1530 m vom oberen Drahtende entfernt mittels kurzer Nebendrähte befestigt 
war, Ein vierter Drache sollte in 2980 m angemacht werden, da der Zug der
	        
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