accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Die Witterung zu Tsingtau im. März, April und Mai 1904 ete, 
letzten Male ging die Temperatur in der Nacht vom 20. zum 21. März unter 
den Gefrierpunkt. ; . 
Während bisher das Fühjahr sonst immer einige Sommertage (das sind 
solche Tage, an denen die Temperatur 25° C. und mehr beträgt) aufwies, kam 
im diesjährigen Frühjahr kein solcher Tag vor, dagegen wurden noch 10 Frost- 
tage (Tage, an denen das Minimum der Temperatur unter 0° liegt) gezählt. 
Die. Bewölkung machte im Mitte 5,5 Zehntel aus, hieraus resultieren 
16 heitere und 19 trübe .Tage, 
Eine mittlere relative Feuchtigkeit der Luft von 76%o brachte im ganzen 
an 27 regnerischen Tagen eine Gesamtniederschlagshöhe von 102,8 mm. - 
Vorherrschend waren Winde aus südöstlichen Richtungen; die entwickelte 
Stärke betrug im Mittel 2,8 der Beaufort-Skala. Stürmische Winde, die alle 
nördlichen Richtungen angehörten, wurden während des Frühjahrs 3 gezählt, 
dies waren am 5. III. NNW Stärke 8, am 8. IV. WNW Stärke 9 und am 2, V. 
NW Stärke 8. - Heyne. 
469 
Drachenaufstiege in ihrem Einfluß auf Gewitter, 
Von Dr. Paul Perlewitz. ; 
Die Erde ist im Gegensatz zu der sie umgebenden Hülle, der Atmosphäre, 
negativ elektrisch geladen. Infolgedessen sind es auch all die mit ihr in leitender 
Verbindung stehenden Gegenstände, also im besonderen auch die Drachenwinde, 
die sich auf der meteorologischen Drachenstation der Deutschen See- 
warte in Groß-Borstel bei Hamburg befindet und die überdies absichtlich durch 
Kupfer- und dicke Eisendrähte .mit einem Brunnen in gut leitende Verbindung 
gebracht ist. Ebenso besitzen auch die verschiedenen atmosphärischen Schichten 
und vor allem die feuchteren, die einzelnen Wolken und Wolkenmassen, stets 
ein ganz bestimmtes, in der Regel von der Erdladung verschiedenes elektrisches 
Potential, so daß zwischen den Wolken und zwischen Wolke und Erde ein mehr 
oder weniger großes Potentialgefälle besteht. 
Tragen wir nun mittels eines oder mehrerer Drachen einen mehrere 
Kilometer langen Stahldraht in die Atmosphäre, so wird an seinen beiden Enden 
in der Regel eine gewaltige Spannungsdifferenz herrschen, und in dem Leiter 
selbst wird ein Abfließen der Elektrizität, ein elektrischer Strom, wenn auch 
nur von sehr geringer Stärke, entstehen. In der Tat ist ein solcher im Drachen- 
draht fast bei jedem höheren Drachenaufstieg nachzuweisen, da eben der nor- 
male elektrische Zustand der Erde, der Atmosphäre und der. Wolken sein Zu- 
standekommen bedingt. 
Aus dem Grunde ist nun vor allem unsere Drachenwinde, die ja das untere 
Ende der. in die Luft gehenden. Stromleitung darstellt, möglichst gut mit der 
Erde verbunden, damit ja keine Spannungsdifferenzen .zwischen Winde und 
Erde entstehen können, die bei einem Berühren der Drachenwinde mit der 
Hand uns einen unter Umständen sehr kräftigen elektrischen Schlag versetzen 
würden, da dann ünser Körper die leitende Verbindung zwischen Erd- und Luft- 
oder Wolkenpotential herstellt. | ; 
Um diese Wirkungen ‚der Luftelektrizität- näher zu beleuchten, . sollen 
zwei Beispiele aus der Drachenprazis hier angeführt werden. Am 3. Juli 1903 
war an den Rücken des Hauptdrachens, der in seinem Inneren das registrierende 
Instrument trägt, ein kleinerer Drache als Vorspann, um den Hauptdrachen bei 
schwachem Winde anzuheben, mittels einer gewöhnlichen Hanfschnur von etwa 
60 m Länge angebunden. Als der Hauptdrache noch kaum 300 m Höhe erreicht 
hatte, flog plötzlich ohne sichtliche Ursache bei sehr schwachem‘: Zuge .der 
Vorspanndrache davon. Nachdem der Hauptdrache eingeholt war, konnte man 
an dem verkohlten Schnurende, das noch am Drachen hing, erkennen, daß die 
Schnur durchgebrannt war. Da dies aber nicht durch einen etwa aus einem Schorn- 
stein der umliegenden Häuser emporgetragenen Funken verursacht sein konnte, 
so bleibt nur übrig, anzunehmen, daß die Schnur von dem durch die. Luft- 
elektrizität in ihr hervorgerufenen elektrischen Strom an der Stelle zu stark 
erwärmt und versengt sei. Anfangs, wo die Schnur infolge eines vorangehenden 
Regens gleichmäßig durchfeuchtet war, hat sie einen Strom wohl geleitet. Als 
sie aber dann im Winde ungleichmäßig abtrocknete und die Potentialdifferenzen
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.