Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1904,
Auch die Bewölkung des Himmels, welche im Durchschnitt 6,6 Zehntel
betrug, war verhältnismäßig groß; es wurden denn auch nur 2 heitere, dagegen
7 trübe Tage gezählt.
Hiermit im Einklang steht die relative Feuchtigkeit der Luft, im Mittel
78% betragend, und die Niederschlagsmenge, welche an 13 regnerischen Tagen
eine Gesamthöhe von 58,6 mm erreichte. Der Regen, sich ziemlich über den
ganzen Monat verteilend, in Verbindung mit der allmählich steigenden Temperatur,
dürfte für die Forst- und Landwirtschaft von ganz besonderem Nutzen gewesen
sein. Es zeigte sich dies denn auch durch das rasche Hervorbrechen und
Wachstum in der Pflanzenwelt. Von Mitte des Monats an blühten Zwergflieder,
Pfirsich, Birnbaum und wilde Kirsche; die Wintereichen fingen an, das alte Laub
abzuwerfen. Im letzten Monatsdrittel trieben Akazien, Pappel, Bergrüster und
Wintereiche Blätter; das wilde Veilchen und Küchenschelle hat nun zum größten
Teile ausgeblüht. Der Zug der Wandervögel ist vorüber.
Die Winde wehten mit einer Durchschnittsstärke von 2,8 der Beaufort-
Skala fast durchweg aus den Südostquadranten. Stärkere Winde, unter denen
einer Sturmstärke erreichte, wehten zur Zeit der täglichen 3 Beobachtungs-
termine am 6. OSO Stärke 6, am 8. WNW Stärke 9 und NW Stärke 7, am 9.
NW Stärke 7 und am 27. OSO Stärke 7.
Mai 1904. Während des diesjährigen Mai war die Temperatur nur
geringen Schwankungen unterworfen; sie war verhältnismäßig sehr niedrig und
reichte mit einem Tagesmittel von 14,7° fast an keinen der gleichen Monate
der früheren Jahre heran.
Die größten Unterschiede weisen jedoch bei einem Vergleich mit früheren
Jahren die Extremthermometer, und hiervon hauptsächlich das Maximum-
thermometer, auf. Im Mai d.J. zeigte das Maximumthermometer am 17. und
30. mit 22,2° seinen höchsten, das Minimumthermometer am Morgen des 3. mit
5,9° seinen tiefsten Stand im Monat an. Vergleicht man diese Zahlen mit den
/olgenden, so springen die Unterschiede sofort in die Augen. Es wurden beobachtet:
1903 mittlere Tagestemperatur = 15,5°, höchste Temperatur = 26,5°, niedrigste Temperatur = 9,0°,
1902 --15,2°%, „ =—29,1°, . » = 5,2%,
1901 14,8°, » == 27,89, » » = 9,1°,
1900 16,1%, » — 29,09, . s = 9,2°,
1899 =17,2°, =28,9°, =10,1°,
Die Bewölkung des Himmels machte im ersten Monatsdrittel 4,1 Zehntel
aus, nahm dann zu und erreichte ein Gesamtmonatsmittel von 5,1 Zehntel. Es
kamen 7 heitere und 6 trübe Tage zur Auszählung.
Die relative Feuchtigkeit der Luft, im Durchschnitt während des Monats
77% betragend, war ebenso groß als in früheren Jahren.
Häufige Regen, es regnete an 11 Tagen im Monat, welche zum größten
Teil während der Nachtstunden niedergingen, brachten 41,2 mm Regenhöhe.
Diese Regen, daneben starker Taufall während mehrerer Nächte sowie
Nebel und die Bewölkung des Himmels, welche ein schnelles Verdampfen der
Niederschläge verhinderte, förderten ebenso wie im vergangenen Monat das
Wachstum der Pflanzen ganz außerordentlich, so daß namentlich die auf-
geforsteten Höhen rings um Tsingtau herum ein vorzügliches Aussehen zeigten.
Die Kiefern haben Triebe von ungefähr 35, die Eichen solche von 45 cm Länge
and mehr hervorgebracht. *
Während des Monats wurden zwei Gewitter beobachtet, von denen sich
namentlich das in der Nacht vom 25. zum 26. von N und NW über Tsingtau
hinwegziehende durch sehr heftige elektrische Entladungen, begleitet von starkem
Regenfall (17 mm), auszeichnete.
Wie immer um diese Jahreszeit wehten die Winde zum größten Teile
aus dem Südostquadranten und erreichten während des Monats eine mittlere
Stärke von 2,6 der Beaufort-Skala,
Die stärkeren Winde, von denen einer Sturmstärke annahm, wehten aus
nordwestlichen Richtungen, so am 2. NW Stärke 8 und am 4. WNW Stärke 7.
Frühling 1904. Die durchschnittliche Tagestemperatur betrug im Früh-
jahr d. J. 9,5°, dies ist ungefähr derselbe Wert, wie er im Frühjahr 1901 beobachtet
wurde. Die höchste Temperatur, 22,2°, fiel in die zweite Hälfte des Monats
Mai, während die niedrigste, -—5,6°, Anfang März festgestellt wurde. Zum
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