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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Schott, G.: F. Nansen über die Tiefenverhältnisse der nordpolaren Gewässer, 465 
Produkte einer Anhäufung von terrigenen Sedimenten des angrenzenden Fest- 
landes, noch lediglich ein Werk der brandenden Meereswoge, noch lediglich 
Aufschüttungen glacialer Art, sondern komplexe Bildungen, an denen all’ die 
genannten Faktoren in jeweils verschiedenem Grade, ähnlich wie bei dem 
norwegischen Schelfe, Anteil gehabt haben. — Man kennt aus den neueren 
Detailablotungen des Meeresgrundes auf den Schelfen eine ganze Reihe von 
wirklichen alten Flußtälern, welche heute untermeerisch sind; deren Gestalt 
fordert aber gebieterisch, daß sie durch das fließende Wasser auf einem ehemals 
festen Lande zustande gekommen sein müssen, ähnlich wie auch die Fjorde als 
Täler präglacialer Epochen durch die mechanische Arbeit rinnender Festlands- 
gewässer ihre erste Anlage erhalten haben müssen. Jedenfalls ist es unrichtig 
und gegenüber der Vielheit der zu berücksichtigenden Unterschiede im einzelnen 
unzureichend, mit J. Y. Buchanan diese Schelfe als reines Produkt der Bran- 
dungswoge auf gegenwärtigem Meeresniveau anzusprechen. Es hätte ja an sich 
etwas Bestechendes, mit Buchanan zu sagen, daß die Breite des Schelfes der 
mittleren Stärke der Wellenbewegung an der betreffenden Küste und also auch 
der mittleren Windstärke direkt proportional sei. Aber es sind für die zerstörende 
Tätigkeit des Meeres weniger die mittleren Windstärken als vielmehr die extremen 
Windstärken, die Stürme und deren Häufigkeiten, und damit die Häufigkeiten 
schwerer Brandung von Bedeutung, weil die abradierende Kraft der Wellen mit 
der dritten Potenz der Wellenhöhe wächst. Ferner beachtet Buchanan den Ein- 
fuß der verschieden großen Widerstandsfähigkeit der Gesteine nicht; auch über- 
sieht er, daß so breite Schelfe wie z. B. der westeuropäische Schelf unmöglich 
bei demselben Niveau geschaffen sein können, und zwar aus demselben Grunde, 
welcher schon oben in der Erklärung der norwegischen Strandebene durch 
marine Abtragung bei mariner Niveauverschiebung Erwähnung fand. — 
In einem letzten, besonderen Kapitel geht Nansen auf die allgemeinen 
Fragen nach der Anderung, bezw. Konstanz des Meeresniveaus innerhalb be- 
stimmter Epochen ein, Fragen, deren Verfolg schließlich zu rein geophysikali- 
schen Theorien führt, Fragen, welche den Geographen in einem bequemen Über- 
blick auch besonders in Pencks „Morphologie der Erdoberfläche“ zur Hand 
sind und die hier nicht weiter besprochen werden können. Soviel dürften die 
vorstehenden Zeilen haben erkennen lassen, welche reiche Fülle nicht bloß von 
tatsächlichem Beobachtungsmaterial, sondern auch von anregenden spekulativen 
Erörterungen das neue Nansensche Werk enthält. 
GG. Sehott. 
Die Witterung zu Tsingtau im März, April und Mai 1904, 
nebst einer Zusammenstellung für den Frühling 1904. 
Raricht der Kaiserlichen Meteorologisch-astronomischen Station in Tsingtau, 
Die folgende Tabelle enthält die meteorologischen Beobachtungen aus 
Tsingtau sowohl für die Monatsdrittel als auch für die ganzen Monate März, 
April und Mai 1904. Angefügt ist eine Zusammenstellung für das Frühjahr 1904. 
Die Berechnungen der „Allgemeinen Luftbewegung“ unter Zugrundelegung der 
Windbeobachtungen an den drei Terminen jedes Tages — vgl. „Ann. d. Hydr. etc.“ 
1900, S. 63 — sind auf der Deutschen Seewarte eingefügt worden. 
März 1904. Im Monat März d. J. erreichte die mittlere Tagestemperatur 
eine Höhe von 4,4°, Die absolut höchste Temperatur im Monat betrug 14,5° 
am 29.; die niedrigste, — 5,6°, wurde in der Nacht vom 5. zum 6. März bei 
heftigem Nordwinde beobachtet. - 
Die Schwankungen der Temperatur waren im ersten Monatsdrittel nicht 
anerheblich, während in den beiden letzten Dritteln. ziemlich gleichmäßige, 
Anun. d. Hydr. etc... 1904, Heft X.
	        
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