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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1904. 
F. Nansen über die Tiefenverhältnisse der nordpolaren Gewässer, 
Die Südpolar-Expeditionen der letzten Jahre haben das Interesse an den 
nordpolaren Forschungen nicht beeinträchtigt. Läßt man verschiedene Unter- 
nehmungen von mehr oder weniger sportmäßigem Charakter außer acht, so ist 
besonders die bedeutsame vieljährige Forschungsfahrt Kapt. Sverdrups auf dem 
„Fram“ von gar nicht hoch genug zu schätzendem Werte gewesen; denn von 
ihr sind im nordamerikanischen arktischen Archipel sehr verdienstvolle und 
zahlreiche geographische Entdeckungen und Aufnahmen gemacht worden, und 
es ist damit für jene Gegenden sogleich die unentbehrliche, richtige Grundlage 
oeschafft worden, um weitere wissenschaftliche Forschungen anzuknüpfen, Dies 
ist um so wichtiger, als gerade dorthin sich die magnetische Nordpolar- 
Expedition Kapt. Amundseus auf der „Göa“ gewandt hat, weiche seit 1903 
anterwegs ist und erst 1907 zurückerwartet wird. Nach neueren Nachrichten 
besteht ferner begründete Aussicht, daß in einigen Jahren, ja vielleicht schon 
früher, eine groß angelegte, mit allen Errungenschaften der Neuzeit, z.B. auch 
mit drahtloser Telegraphie, arbeitende Nordpolar-Expedition im Sinne der Nansen- 
schen Triftexpedition zustande kommt; kurzum, auch auf das arktische Gebiet 
ist die wissenschaftliche Tätigkeit mit aller Macht gerichtet. 
Unter diesen Umständen ist es hocherfreulich, daß soeben Fridtjof 
Nansen in seinem rüstig vorschreitenden wissenschaftlichen Werke über seine 
Nordpolar-Expedition der Jahre 1893 bis 1896 eine große, zusammenfassende 
Arbeit über die Tiefenverhältnisse der nordpolaren Gewässer*) veröffentlicht 
hat, welche seine eigenen Beobachtungen in Verbindung mit allem sonstigen 
Material beleuchtet und gerade dadurch in wahrhaft geographischer Weise zu 
allgemeineren Gesichtspunkten gelangt. Weit greift die Untersuchung aus, und 
wir erhalten ein bis zu den mittleren Breiten des Nordatlantischen Ozeans herab- 
reichendes, an Text und Karten reiches Bild von den unterseeischen Bodenformen 
lieser Gegenden. In Verbindung mit seiner früheren, grundlegenden Ozeano- 
yraphie der nordpolaren Gewässer“) hat Nansen somit in vergleichsweise kurzer 
Frist eine ausgezeichnete physische Meereskunde für das nördliche Eismeer ge- 
schaffen, an die vor 10 Jahren noch nicht im entfernten zu denken war, 
Nansens Werk über die Morphologie der nordpolaren Gewässer zerfällt 
in zwei große Teile. In dem ersten bespricht Nansen an der Hand der Karten 
die tatsächlichen Verhältnisse (S. 1 bis 98); der zweite Teil (S. 99 bis 213) ent- 
hält mehr oder weniger theoretische Erwägungen über die Entstehung der im 
ersten Teil geschilderten unterseeischen Bodenformen, im besonderen der so- 
genannten Schelfe, welche in dem ganzen Werke eine große Rolle spielen. 
Unter „Schelf“ versteht man neuerdings in der wissenschaftlichen Erd- bezw. 
Meereskunde denjenigen Teil des Kontinentalrandes, der sich von der Grenze 
der dauernden Meeresbedeckung ganz allmählich in der Regel bis 100 Faden 
oder 200 m Tiefe senkt und dann plötzlich in einen steilen Abfall übergeht, 
wie z. B. der britische Schelf, der Schelf der Neufundlandbank usw, (englisch 
„Shelf“, französisch „Socle“ oder „Plateau continental“).*) Es ist also Schelf 
dasjenige Meeresgebiet, welches man sonst vielfach als „Kontinentalstufe“ be- 
zeichnet — womit angedeutet werden soll, daß erst an der Außenkante dieser 
Stufe das wahre Ende der Kontinente zu suchen sei — oder welches man auch 
allgemein „Flachsee“ nennt, ein Ausdruck, gegen den allerdings mit Recht immer 
eingewendet worden ist, daß es ausgedehnte Flachwasserzonen gibt, denen der 
Charakter der „Kontinentalstufe“ oder des „Schelfes“ nicht zukommt. Unter 
diesen Umständen wird es sich empfehlen, wenigstens in diesem Aufsatz das 
Wort „Schelf“ im Anschluß an Nansens Arbeit zu benutzen, zumal nach 
Krümmels Angaben das englische Wort „shelf“ urgermanischen Ursprunges 
und noch im Plattdeutschen nachweisbar ist. 
1) The bathymetrical features of the North Polar Sea with a discussion of the continental 
shelves and previous oscillations of the shore-line, 232 S. 4° nebst 29 Tafeln. Christiania 1904. 
2) The oceanography of the North Polar Basin. 427 S. 40 mit 33 Tafeln. Christiania 1902, 
Vgl. dazu „Ann. d. Hydr. etc.“, 1902, S. 509. 
3) Nach den Beschlüssen der internationalen Kommission für unterseeische Nomenklatur, 
wozu man vergleiche A. Supan in „Peterm. Geogr. Mitteil.“, 1903, S. 151.
	        
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