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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Reinicke, G.: Einfluß des Windes und Seeganges auf die Geschwindigkeit der Dampfer. 457 
6. Mittel aus den Spalten 10 bis 22: Rückreisen von West nach Ost, 
x sehr stürmische, umlaufende Winde. 
Tr „ 16 „ 22: Rückreisen von West nach Ost, 
stürmische, westliche Winde. 
„ 17 „ 22: Rückreisen von West nach Ost, 
- sehr stürmische, westliche Winde. 
» 
Nach den oben gemachten Ausführungen können die Zahlen, wenn sie 
auch als Relativwerte recht gut anwendbar sein mögen, wieder nur ein unge- 
fähres Bild vom Einflusse des Windes auf die Reisedauer verschiedenartiger 
Dampfer geben. Sie bringen aber doch recht deutlich zum Ausdruck, wie sehr 
im Vergleich zum großen schnellen Dampfer der kleine im Nachteil ist, wenn 
Reisen gegen die herrschende Windrichtung gemacht werden müssen, und es 
ergibt sich aus der Tabelle von selbst sofort, daß man große schnelle Dampfer 
wohl au einen bestimmten Weg binden kann, dem kleinen aber überlassen muß, 
sich seinen Weg nach den gerade angetroffenen Umständen zu suchen. Für die 
Kapitäne ist das allerdings nicht angenehm, denn es verlangt nicht nur ein 
vollständiges Vertrautsein mit den meteorologischen Gesetzen, den Witterungs- 
verhältnissen oder den physikalischen Vorgängen auf dem Ozean überhaupt, 
sondern auch häufiges Entschließen und Handeln, wobei der Erfolg nicht sicher 
ist oder sein kann, weil das Schiff auf See immer nur seine eigenen Beobach- 
tungen berücksichtigen kann, die außerdem noch nicht einmal an einer festen 
Station gemacht werden. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, welche Dienste 
das Verständnis der physikalischen Vorgänge auf den Ozeanen und das Anpassen 
an diese der Segelschiffahrt leistet, so wird man nicht umhin können, auch 
gewöhnlichen Dampfern soviel Bewegungsfreiheit zuzugestehen, wie sie haben 
müssen, um ihre Wege den Wetterlagen anzupassen. Unsere Zeit strebt aller- 
dings aus vielen Gründen, unter denen Verminderung der Kollisionsgefahr und 
die Möglichkeit, bei Maschinenschäden Hülfe zu erlangen, wohl die hauptsäch- 
lichsten sind, mit Recht danacb, die Dampferwege über die Ozeane mehr und 
mehr festzulegen, aber so lange nicht die Dampfer unter 6000 bis 8000 R-T. und 
unter 15 Kn. Geschwindigkeit von den Ozeanen verschwunden sind, wird es mit 
Vorteil nur da geschehen können, wo leichte Winde herrschen oder die Fahrt- 
richtung nicht gegen die Richtung der herrschenden Winde ist. Wo aber 
solche Wege dennoch festgelegt sind, wie die über den Nordatlantischen Ozean 
nach New York, wird das dazu führen, daß kleinere oder schwächere Dampfer 
unvorteilhaft fahren. Bedenkt man ferner, daß manche Reisen gar nicht anders 
gemacht werden können, als gegen Passate oder Monsune, es sei denn, daß man 
sehr beträchtliche Umwege macht, für die dann aber wieder der Kohlenvorrat 
kleiner Dampfer nicht ausreicht, so erklärt es sich, warum Dampfer, die vor 
wenigen Jahren noch als große galten, vom Ozean verschwinden und das 15 bis 
16 Kuoten-Schiff als gewöhnlicher Frachtdampfer, wenigstens für die sogenannte 
„wilde Fahrt“ (Tramp) zur Herrschaft zu gelangen scheint. 
Als die obige Arbeit gerade beendigt war, konnten die Zahlen noch mit 
einer Arbeit von Dr. P. Heidke über den gleichen Gegenstand verglichen 
werden. Hierbei stellte sich heraus, daß die aus dieser Arbeit resultierenden 
Werte durchweg eine noch größere Abhängigkeit der Dampfergeschwindigkeit 
vom Wind ergeben. Zu den obigen Ausführungen wird daher in Rücksicht auf 
die Heidkeschen aus etwa 20000 Einzelbeobachtungen abgeleiteten Zahlen 
bemerkt, daß es nur umsomehr geboten erscheint, auf Dampferreisen den gerade 
angetroffenen Windverhältnissen Rechnung zu tragen, umsomehr, als bei un- 
günstigen Winden von nennenswerter Stärke auch die Strömungen in demselben 
Sinne ungünstig zu sein pflegen.
	        
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