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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

Reinicke, G.: Einfluß .des Windes und Seeganges’auf die. Geschwindigkeit der. Dampfer. 455 
die Zahlen hier, wo. es sich um die zu verwendende. Zeit handelt, mit dem um- 
gekehrten Vorzeichen. 
Als die Geschwindigkeit, die als die normale angenommen wurde, und 
die der Tabelle II zu grunde gelegt wurde, ist die Geschwindigkeit bei Wind- 
stärke 4 von vorn und bei Seegang von Stärke 3 bis höchstens 4 angenommen 
worden; hiervon ist bei etwaiger Benutzung der Tabelle natürlich auch wieder 
auszugehen. Es war an sich einerlei, von welcher Wetterlage als normal aus- 
gegangen wurde, doch erschien Windstärke 4 von vorn bei Seegang von Stärke 3 
bis höchstens 4 ganz zweckmäßig, weil der moderne Ozeandampfer hierbei noch 
kaum so wesentliche Einbuße seiner Geschwindigkeit erleidet, daß er dadurch 
veranlaßt wird, andere Wege als die kürzesten oder gewöhnlichen einzuschlagen. 
Langsame und kleine Dampfer haben allerdings auch bei dieser geringen Wind- 
stärke von vorn schon eine bemerkbare Abnahme der Geschwindigkeit. So 
ergibt sich aus den. Tabellen I und II, wie schnell der Einfluß des Windes und 
Seeganges zunimmt, je kleiner und langsamer die Schiffe sind. Man wird daher 
folgern müssen, daß bei noch kleinern Dampfern, als sie in der Tabelle berücksichtigt 
werden konnten, also bei solchen unter 4000 R-T. brutto und von weniger als 
10 Kn. Geschwindigkeit,‘ auch schon geringe Windstärken von vorn sehr merklich 
werden, und daß ‚daher von solchen Dampfern auf Ozeanreisen auch Gegenden 
mit mäßigen Gegenwinden so viel wie möglich vermieden werden müssen. Hier- 
für wird in Handbüchern bei einzelnen Reisen allgemein Gültiges aufgestellt 
werden können, aber bei der Verschiedenartigkeit der Schiffe und Mannigfaltigkeit 
der Umstände muß den Kapitänen im allgemeinen von Fall zu Fall überlassen 
werden, sich ihre Wege zu suchen und sie ununterbrochen den Umständen 
anzupassen. | 
Besonders auffallend wird die Abnahme der Geschwindigkeit kleiner 
Dampfer bei Gegenwind von Stärke 6 und mehr. Während nach den Tabellen I 
und II der Schnelldampfer fast noch seine volle Geschwindigkeit hat, büßt der 
kleine Dampfer von 10 bis 11 Kn. bei Gegenwind Stärke 6 schon 7 bis 20°% 
oder im Mittel 14% ein und bei Gegenwind Stärke 8 gar schon 27 bis 47°%% 
oder im Mittel 37%. Bei Windstärke 10 von vorn wird der Unterschied zwischen 
der Geschwindigkeitsabnahme des Schnelldampfers und der des 10 Knoten-Dampfers 
noch gewaltiger, und die Tabelle läßt schließen, daß der 10 Knoten-Dampfer 
gegen Windstärken über 10 gar keine nennenswerte Fahrt mehr machen kann, 
wenn der Schnelldampfer oft noch mit einer Geschwindigkeit, die von dem 
kleinen Dampfer überhaupt nie erreicht wird, gegen den Sturm angeht. 
Die Tabelle dürfte im gauzen ein richtiges Bild geben, obgleich beim 
Einreihen in Klassen etwas gewaltsam verfahren werden mußte und deshalb auch 
an ihre Genauigkeit keine zu hohe Anforderung gestellt werden darf. Selbst 
fast ganz gleichartige Schiffe werden von Wind und Wetter nicht ganz gleich- 
mäßig beeinflußt. Das zeigt sich, wenn man die Werte aus der Abhandlung 
von Dinklage „Einfluß des Windes auf die Fahrgeschwindigkeit von Dampfern“, 
„Ann. d. Hydr. etc.“ 1899, S. 34, in Prozente umrechnet. Man erhält dann für 
zwei ganz gleichartige in derselben Fahrt befindliche Dampfer von etwa 15 Kn. 
Geschwindigkeit die folgenden Reiben, bei denen auf die Stärke des Seeganges 
keine Rücksicht mehr genommen ist. 
bei Gegenwind | bei Querwind | bei Mitwind 
4 eTsTotralelstulatTetslw 
9% 9 | 0 Mo | Yo | 9% | 9% | 9% | 0% | % | 9% 
„Werra“ 1) 0 2 +4 —5| — +44 —|— 
"Fulda* .. | 0l_10—26l — [+31 —el—9l — | ral+zal +5) — 
Bildet man aus diesen Zahlen die Mittelwerte, um sie mit den Werten 
der Tabellen I und II zu vergleichen, so muß man, da „Werra“ und „Fulda“ etwa 
in die Mitte zwischen die 8000 R-T. großen und 6000 R-T. großen oder zwischen 
die 16 Knoten-. und die 13 Knoten-Schiffe gehören, aus der 2, und 3. Klasse der 
Tabelle Mittel nehmen und die Werte bei verschiedenartigem Seegange ver- 
einigen. Man erhält dann die Reihen
	        
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